<< Böhner, Johann Ludwig
Boeke, Hendrik Enno >>
Böhtlingk, Otto Nikolaus von
Indologe,
* 11.6.1815 Petersburg,
† 1.4.1904 Leipzig. (lutherisch)
Genealogie
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| Werke
| Literatur
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| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Aus ursprünglich Lübecker Familie;
V Nicolaus Diedrich (1773–1839), Kaufmann,
S des Levin Fabian, Bankier und Großkaufmann in Petersburg, und der Sophie Charlotte Borst;
M Maria (1780–1815),
T des Lorenz Jürgen Strahlborn in Narva und der Maria Charlotte Curtius,
T des Stadtphysikus Paul Curtius, dem Ahnherrn der Lübecker Curtius;
⚭ 1) Ottilie, 2) Julie, Töchter des klassischen Philologen und Archäologen Christian Friedrich Gräfe (1780–1851), Mitglied der Petersburger Akademie, und der Hedwig von Samson-Himmelstjerna, 3) Anna Charlotte Frömbter;
T aus 1) Ottilie (
⚭ Hermann Emminghaus, 1845–1904, Psychiater), 1
S; N Arthur Böhtlingk (1849–1929), Professor der Geschichte und Literatur an der
TH Karlsruhe, politischer Agitator gegen die römische Kirche.
Leben ↑
Böhtlingk besuchte in Petersburg eine deutsche Schule und studierte dort einige Jahre orientalische Sprachen, namentlich Arabisch; von Friedrich Bollensen wurde er ins Sanskrit eingeführt. Im 20. Lebensjahr ging er zunächst zu Franz Bopp nach Berlin und wandte sich dann nach Bonn zu A. W. Schlegel und Christian Lassen. 1842 wurde er an die Akademie der Wissenschaften in
St. Petersburg berufen, die ihn später zum Ehrenmitglied ernannte. Mit Erlaubnis der russischen Regierung verlegte er 1868 seinen Wohnsitz nach Jena und 1885 nach Leipzig.
In Bonn empfing Böhtlingk „die nachhaltigste Anregung“ zu seinem ersten großen, auch heute noch unentbehrlichen Werk „Pāṇini's acht Bücher grammatischer Regeln“ (1839/40), das er erst 24jährig herausbrachte. Später hat er Pāṇini's Grammatik nebst deutscher Übersetzung, ohne Scholien, jedoch mit anderen wertvollen Beigaben abermals veröffentlicht (1887). Die gleichen Gründe, die ihn zu seiner ersten Bearbeitung von Pāṇini's Grammatik veranlaßt hatten, waren auch für seine Ausgabe von Vopadeva's Mugdhabodha (1847) maßgebend. Allerdings ist seine „Absicht, selbst eine große, auf die Sūtren Pāṇini's gegründete Sanskritgrammatik zu schreiben“, - abgesehen von einigen kleineren Aufsätzen- über Vorarbeiten, die in den „Mémoires“ der Petersburger Akademie, IV. Ser. Sc.
polit. etc. T. 7 (1848) unter den Titeln „Ein erster Versuch über den Accent im Sanskrit", „Die Declination im Sanskrit" und „Die Uṇādi-Affixe" erschienen, nicht hinausgekommen. Aber in seiner großen Abhandlung „Über die Sprache der Jakuten" (1851), die auf den linguistischen Sammlungen des 1845 von einer Sibirienreise heimgekehrten Naturforschers Alexander Theodor von Middendorf beruhte, lieferte er für die allgemeine Sprachwissenschaft einen wichtigen, von der Kritik vorzüglich beurteilten Beitrag. - 1842 erschien in Bonn seine Ausgabe von Kālidāsa's „Ring-Çakuntala“ nebst deutscher Übersetzung (1842). Außerdem übertrug er von indischen Dramen noch das zwar schwierigere, aber kulturgeschichtlich wesentlich interessantere Mṛcchakaṭika („Tonwägelchen“) des Sūdraka (1877) ins Deutsche.
Schon in Bonn hatte Böhtlingk den Plan gefaßt, einen Thesaurus der Sanskritsprache zu schaffen. Eine Art Vorarbeit hierzu bildete wohl die Ausgabe von Hemacandra's Synonymlexikon „Abhidhānacintāmaṇi“ (1847), die er mit seinem Freund Charles Rieu vorbereitet hatte. Zu jenem großen Unternehmen, dem
sog. „großen Petersburger Wörterbuch“, das in 7 Bänden 1853-75 erschien, lieferten ihm nicht nur der auf dem Titelblatt mitgenannte R. Roth, sondern auch Aufrecht, Stenzler, A. Weber, Whithney
u. a. wertvolle Beiträge. Hieran schloß sich das ebenfalls siebenbändige, aber etwas reichhaltigere „Sanskrit-Wörterbuch in kürzerer Fassung“ (1879-89) an. Beide Werke bilden wohl noch auf Jahrzehnte hinaus nicht nur eine unentbehrliche Grundlage für die indische Philologie, sondern auch ein wertvolles Hilfsmittel für die vergleichende Sprachwissenschaft. Eine Nebenfrucht seiner Beschäftigung mit den Wörterbüchern wurde seine dreibändige Sammlung „Indische Sprüche“, Sanskrit und deutsch (1863-65,
21870-73). Zur Einführung in die Sanskrit-Sprache stellte er eine „Sanskrit-Chrestomathie“ (1845,
21877,
31909 von R. Garbe) zusammen, ein in allen drei Ausgaben auch heute noch viel benutztes Übungsbuch. Genannt seien schließlich noch seine
|Ausgaben der Chāndogya-Upaniṣad (1889) und der „Poetik (Kâvjâdarça)“ des Dandin (1890), je mit deutscher Übertragung.
Werke ↑
u. a. Vollst.
Verz. v. K. Salemann u. S.
v. Oldenburg, in: Mélanges Asiatiques, T. X,
St. Petersburg 1892, S. 247 ff.; danach
veröff. B., abgesehen
v. seinen Aufsätzen in der
Zs. d. Dt. Morgenländ. Ges. in d.
Berr. d.
Sächs. Ges. d.
Wiss. noch 40 kleinere u. größere
Arbb.Literatur ↑
Festgruß an O.
v. B. z. Doktorjubiläum 3.2.1888, 1888;
A. Ballini, O.
B., in: Studi italiani di filol. indo-ir. 6, Florenz 1904
(P);
T. Bloch, O.
v. B., in: Proceedings of the Asiatic
Soc. of Bengal, Calcutta 1904;
B. Delbrück, in:
Berr. üb. d.
Verhh. d.
Sächs. Ges. d.
Wiss. 56, 1904;
ders., O.
B., in: Indogerman. F, Anzeiger 17, 1905;
H. Kern, O.
B., in: Museum (Leiden) 11, 1904;
S.
v. Oldenburg, O. N.
B., in: Zurnal Ministerstva Narodnago Prosvescenija 353, Petersburg 1904;
L.
v. Schroeder, O.
B., in:
Alm. d.
Ak. d. Wiss. Wien, 54, 1904;
E. Windisch,
Gesch. d. Sanskrit-
Philol. u.
ind. Altertumskde. II, 1920,
Kap. XXXIII;
O.
v. B., in: Bull, de l'Ecole française d'Extrème-Orient 4, Hanoi 1904;
L.
v. Schroeder, in:
BJ X (Totenliste 1904,
L);
Enc. Americana IV, New York 1947;
Winkler Prins,
Enc. IV, Amsterdam 1949. - Zu
N Arthur:
DW (W);
Kürschner, Gel.-Kal. 1928/29.
Portraits ↑
R. N. Sardesai, Picturesque Orientalia, Poona 1938,
No. 7.
Autor ↑
Willibald KirfelEmpfohlene Zitierweise ↑
Kirfel, Willibald, „Böhtlingk, Otto Nikolaus von“,
in: Neue Deutsche Biographie
2
(1955), S.
396-397
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116221909.html