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NDB-Artikel

<< Böhm, Richard Johann Constantin     Böhm-Bawerk, Eugen Ritter von >>

Boehm, Theobald Friedrich

Flötist und Instrumentenbauer, * 9.4.1794 München, 25.11.1881 München. (katholisch)


GenealogieLebenWerkeLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
V Carl Friedrich (ca. 1763–1819), Hofjuwelier in München, S des Johann Adam, Hofgerichtsadvokat, und der Maria Anna Dipperger; M Anna Maria Franziska Sulzbacher (1770–1841), T eines Kammerdieners und späteren Galanteriearbeiters in München; 10 jüngere Geschwister, u. a. Jacobus (1805–35), Instrumentenbauer; 1820 Maria Anna Franz. (1796–1875), T des Schneidermeisters Franz von Paula Rohrleithner; 6 S, 1 T .

Leben  
Boehm, ursprünglich Goldschmied, wurde Schüler des Soloflötisten der Münchner Hofkapelle Johann Nepomuk Capeller, galt in seiner Zeit als der beste Flötist Deutschlands (Fétis) und wirkte seit 1818 in der Münchner Hofkapelle, war auch im Ausland, so besonders in London, erfolgreich. Er vereinigte in hohem Maße künstlerische wie auch handwerkliche Fähigkeiten. Nach gründlichem Studium der Akustik bei seinem Freunde, dem Physiker Karl Emil von Schafhäutl, gelang es ihm zum ersten Male, die Grifflochbohrungen an der Flöte auf Grund akustischer Berechnungen vorzunehmen, ohne dabei die anatomischen Erfordernisse des Spielers zu berücksichtigen. Das hatte ein Übergehen zu zylindrischer Bohrung des Instrumentenkörpers zur Folge, entgegen der bis dahin üblichen konischen Bohrung. Um dennoch ein technisch einwandfreies Spiel zu ermöglichen, entwickelte er ein sinnreiches Deckelklappensystem. Die Boehmflöte kam mit ihrem kräftigen und ausgeglichenen Ton dem romantischen Klangwollen vorzüglich entgegen und fand besonders im Ausland schnelle Verbreitung, während sich ihrer Einführung in Deutschland zunächst Hindernisse in den Weg stellten. Das System wurde bald darauf auch auf andere Instrumente (Saxophon, Klarinette) übertragen. Während die Boehmklarinette sich im Ausland ebenfalls rasch durchzusetzen vermochte, fand sie in Deutschland lediglich in der Jazzkapelle Eingang, weil ihr etwas näselnder Ton dem gewünschten Jazzklang entgegenkommt, und weil sie dem Tanzmusiker infolge der identischen Griffmechanik den üblichen Wechsel zwischen Saxophon und Klarinette erleichtert. - Auf seinen Englandreisen war Boehm mit der Herstellung von Puddelstahl und Puddeleisen in Berührung gekommen. In den bayerischen Eisenhüttenwerken und auch in Österreich setzte er sich sofort,|unterstützt von König Ludwig I., für dieses neue, vorteilhafte Verfahren ein; auch für die Erfindung eines neuen Maschinenteils wurde er 1835 in London von der „Society of arts“ ausgezeichnet.

Werke  
Üb. d. Flötenbau u. d. neuesten Verbesserungen desselben, 1847; Die Flöte u. d. Flötenspiel in akust., techn. u. artist. Beziehung. 1871 (engl. Ausg. v. C. D. Miller, 1908 u. 1922, P u. Abb. d. Instrumente); Die Silberflöte, System B., gedr. b. J. L. Stich, Nürnberg 1847 (P); zahlr. Kompositionen, u. a. Konzerte, Fantasien, Variationen etc., auch Bearbb. klass. Werke f. Flöte.

Literatur  
K. v. Schafhäutl, Th. B., in: Allg. Musikal. Ztg. 17, 1882, Nr. 28-36 (W, Abb. d. Instrumente); Ch. Welch, The Hist. of the B. Flute, London 1896; C. Sachs, Hdb. d. Musikinstrumentenkde., 1920; ders., The Hist. of Musical Instruments, New York 1940; R. Sh. Rockstro, A Treatise on the Construction, the Hist. and the Practice of the Flute …, London 21928; M. Häfner, Ein vergessener Münchner, in: Der Sammler (Beil. d. München-Augsburger Abendztg.), Jg. 100, Nr. 136 v. 22.11.1931, S. 1 f.; K. Herele, Th. B., in: Der Heimgarten (Wschr. d. Bayer. Staatsztg.), Jg. 9, Nr. 47 v. 21.11.1931, S. 367 f.; M. Speth, 100 J. B.flöte, in: Die Propyläen (Wochenbeil. z. Münchner Ztg.), Jg. 30, Lieferung 46 v. 18.8.1933, S. 364 f.; W. Mang, Das dt. Vorurteil gegen d. B. klarinette, in: Schweiz. Instrumentalmusik 26, 1937, S. 245 ff.; R. B. Chatwin, Hist. Notizen üb. d. Erfindung d. B.klarinette, ebenda, 27, 1938, S. 366 f.; A. Girard, Hist. et richesses de la flûte, Paris 1953, S. 60; Fétis; H. P. Schmitz, in: MGG.

Portraits  
in: Bayer. Geschlechtertafeln, Bd. 2, 1939, S. 65 ff.

Autor  
Heinz Becker
Empfohlene Zitierweise  

Becker, Heinz, „Boehm, Theobald Friedrich“, in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 384 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118512552.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 2 (1955), S. 384 f.
Erwähnungen: 
NDB 22 (2005), S. 544 in Artikel Schafhäutl, Karl Emil von

PND: 118512552
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Index

Böhm, Theobald

Name: Böhm, Theobald
Namensvariante: Böhm, Theobald Friedrich
Lebensdaten: 1794 bis 1881
Geburtsort: München
Sterbeort: München
Beruf/Lebensstellung: Flötist; Instrumentenbauer
Konfession: katholisch
Autor NDB: Becker, Heinz
PND: 118512552

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Böhm, Theobald

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118512552

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