<< Lebaldt von Lebenwaldt, Adam
Leber, Julius >>
Lebeda, Anton
Waffenfabrikant,
* 1.5.1797 Čzernošicich bei Prag,
† 2.7.1857 Prag. (katholisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Matthias. Bauer in
C.;
M Magdalena Scharka aus
C.;
⚭ 1) Prag 1822 Anna Elisabeth (1801–54),
T d.
Joh. Stumpf, Maurer, dann Obsthändler in
P., u. d. Barbara Brozin, 2) Prag 1855 Elisabeth (1806–84),
T d. Johann Placzek in Dáblice u. d. Katharina
N. N.; 2
S Anton Vinzenz (1823–90), Ferdinand (1824–1902), beide
Waffenfabr.,
Nachf. L.s (s.
ÖBL).
Leben ↑
L. erlernte das Büchsenmacherhandwerk, reiste 1813 als Geselle nach Wien, wo er bei dem berühmten Meister J. Contriner arbeitete, und anschließend durch Europa. 1820 kam er nach Prag zurück und kaufte 1822, nach Ablegung der Meisterprüfung, die Werkstatt des Matej Brandejs. 1827 erhielt er ein Landesprivileg auf die Erfindung, Doppelgewehre mit einem einzigen Schloß zu versehen, das als „Prager Kastenschloß“
|auch im Ausland bekannt wurde. Ein weiteres Privileg (1830) betrifft ein „Jagdgewehr mit einem Sicherheitsgesperre“. Bei der Prager Gewerbsausstellung 1829 erhielt
L. eine silberne Medaille. Die handwerkliche Produktion wurde unrentabel, daher entschloß er sich zur fabrikmäßigen Fertigung. 1835 erhielt er die einfache Fabriksbefugnis und die Erlaubnis zur Führung des
k. k. Adlers, 1841 die
k. k. Landesfabriksbefugnis. Aufgrund der Nachfrage nach
L.s Waffen durch den
böhm. Hochadel stieg die Produktion rasch an, die Gewehre wurden auch exportiert, und zwar vor allem nach Polen und Rußland, aber auch nach Asien, Amerika sowie fast allen
europ. Ländern.
L. beschäftigte sich intensiv mit Fragen der Betriebsorganisation und führte ein System von Musterkarten ein, die vom Mai 1820 bis zum Erlöschen der Firma geführt wurden. Jede Waffe erhielt eine laufende Nummer und ein Blatt in der Musterkartei, auf dem jedes Detail (der Name des Büchsenmachers, der Lohn, der Name des Bestellers, der Preis und das Lieferdatum) verzeichnet wurde. Ein Büchsenmacherbetrieb in Št??pánov (Mähren) – vor allem zur Erzeugung billiger Produkte eingerichtet – mußte 1848 wieder geschlossen werden. 1854 übergab
L. das Unternehmen an seinen Sohn Anton Vincenz, der es nach dem Tod des Vaters gemeinsam mit seinem Bruder Ferdinand weiterführte. Die beiden Söhne waren in
tschech.,
engl. und
franz. Werkstätten ausgebildet worden. Anton Vincenz (
d. J.) war nur bis 1858 an der Führung des Unternehmens beteiligt. Er publizierte eine ganze Reihe von Arbeiten auf dem Gebiet der Waffentechnik, war Mitglied der Prager Vereinigung der Gewerbetreibenden und Herausgeber der „Beiträge zur Waffenkunde für Jagd- und Waffenfreunde“ (seit 1857). Ferdinand übernahm 1858 die Leitung des Unternehmens. Es folgte eine neuerliche Hochblüte mit wachsender Belieferung der Armee und einer starken Ausweitung des Exports. Niederlagen bestanden in
St. Petersburg, Moskau, Katharinenburg, Berlin und Wien. In den 80er Jahren führten jedoch eine Wirtschaftskrise und die hohen Löhne spezialisierter Facharbeiter zu Schwierigkeiten und 1889 zur Schließung der Werkstätten. Ferdinand
L. war Mitbegründer der
tschech. Fachschule für Goldschmiede und Graveure.
Werke ↑
zu S Anton Vincenz: Privilegien:
Eigenthüml. Construction f.
v. rückwärts zu ladende Feuergewehre, 1858 (mit
B Ferdinand);
Construction f. Flinten, Büchsen, Pistolen u. Mil.gewehre
z. Rückwärtsladen, 1861 (mit
dems.);
Veröff.: Ber. üb. d. Feuerwaffen u. d. übrigen auf d. Kriegswesen bezügl. Gegenstände d. Pariser Welt-Ausstellung im J. 1855, 1858 (mit E. Schebek);
-
zu S Ferdinand: Privileg: Zündstiftpatrone, System f. Hinterladungs-Gewehre, Verbesserung d. Patronen nach Schneiderschera System, 1867.
Literatur ↑
Bohemia 1864,
Nr. 166;
Libussa,
Jb. f. 1844,
hrsg. v. P. A. Klar, S. 403 ff.;
J. Lugs, Handfeuerwaffen II, 1962, S. 126 f., 203;
Wurzbach 14;
ÖBL.
Autor ↑
Udo B. WiesingerEmpfohlene Zitierweise ↑
Wiesinger, Udo B., „Lebeda, Anton“,
in: Neue Deutsche Biographie
14
(1985), S.
17 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd136544754.html