<< Althaus, Paul
Altherr, Heinrich >>
Althaus, Theodor
politischer Schriftsteller,
* 26.10.1822 Detmold,
† 2.4.1852 Gotha. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Georg Friedrich Althaus (1790–1863), Generalsuperintendent in Detmold;
M Julie Auguste Christine,
T des Bischofs und Dompredigers Johann Heinrich Bernhard Dräseke, Magdeburg;
Gvv Philipp Heinrich Althaus (1739–1819), Prediger in Blomberg bei Detmold;
B Friedrich Althaus (1829–97), Schriftsteller;
N Theodor Lewald, Staatssekretär.
Leben ↑
Althaus studierte in Bonn, Jena und Berlin Theologie und Philosophie. In Jena schloß er sich der Burschenschaft an. E. M. Arndt, G. Kinkel, A. H. Hoffmann von Fallersleben, F. Ch. Dahlmann und nicht zuletzt J. Fröbel, der Verfasser des Buches „System der socialen Politik", wirkten nachhaltig auf ihn ein. In Berlin fand er Zutritt zu den Kreisen um Bettina von Arnim und Henriette Herz; das Treiben der „Freien" um B. Bauer mißfiel ihm. In Berlin gab er den Plan, als Theologe die akademische Laufbahn zu ergreifen, auf. Philosophie, Geschichte und Politik zogen ihn stärker in ihren Bann. 1844 verlobte er sich mit Malvida von Meysenbug; die Verbindung löste sich später, doch hatte sie einen beide Teile fördernden und hebenden Austausch hervorgebracht und wurde von Althaus noch auf dem Sterbebett als die „edelste Blüte seiner Jugend" bezeichnet. Seit 1843, endgültig seit 1844, ging Althaus den Weg des politischen Schriftstellers. Er wurde Mitarbeiter der Weserzeitung, des „Hauptorgans des vormärzlichen norddeutschen Liberalismus“, 1848 wurde er für die Bremer Zeitung Berichterstatter bei der Frankfurter Nationalversammlung. Im Juli 1848 übernahm er die Leitung dieser Zeitung, die aber infolge seines Radikalismus in Bremen nicht durchdringen konnte. Unter dem Namen „Zeitung für Norddeutschland“ verlegte er das Blatt daraufhin nach Hannover. Als er in einem Artikel vom 13.5.1849 zur Einsetzung eines Landesausschusses aufrief zur Durchführung der Reichsverfassung, notfalls mit Waffengewalt, zog er sich wegen „Aufforderung zum Staatsverrat" eine zweijährige Gefängnisstrafe zu. Althaus war einer der lautersten Männer der deutschen Linken des Jahres 1848, ein idealistischer Demokrat, betont national und zeitweise sozialistischen und kommunistischen Gedankengängen, aber auf christlicher Grundlage, zugetan. Religiöse, kirchliche und kirchenpolitische Fragen haben nie aufgehört, den unablässig um Erkenntnis ringenden Sucher zu beschäftigen. Das Buch „Zukunft des Christentums“ (1847) wandte sich gegen L. Feuerbachs „Wesen des Christentums“. Seine Religiosität sah in einer freien, auf der Höhe des kulturellen Fortschritts stehenden geistigen Gemeinschaft die Zukunftskirche und erwartete eine immanente Verwirklichung des Reiches Gottes im Sinne politischer und sozialer Vervollkommnung.
Werke ↑
Weitere W Rheinfahrt im August, 1846; Märchen aus d. Gegenwart, 1848; Aus d. Gefängnis, 1850;
zahlreiche Flugschrr. u. Aufsätze in Ztgg. u. Zeitschrr.; Tagebücher u. Aufzeichnungen befanden sich 1922 im Besitz v. Th. A., London.
Literatur ↑
ADB I; Friedr.
A., Th.
A., ein Lebensbild, 1888; M.
v. Meysenbug, Memoiren einer Idealistin, 1899; D. Wegele, M.
v. Meysenbug u. Th.
A., in:
Dt. Staat u.
dt. Parteien, Festgabe f. F. Meinecke, 1922, S. 36 ff.;
dies., Th.
A. u. M.
v. Meysenbug, Zwei Gestalten d. Vormärz,
Diss. Marburg 1927
(P);
Goedeke,
NF, 1940, S. 188
(L).
Autor ↑
Heinz GollwitzerEmpfohlene Zitierweise ↑
Gollwitzer, Heinz, „Althaus, Theodor“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
221
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118644882.html
<< Althann, Michael Adolf
Althofer, Christoph >>
Althaus, Theodor
Leben
| Autor
| Literatur
| Zitierweise
Leben ↑
Althaus: Theodor
A.
, politischer Schriftsteller, geb. zu Detmold 22. Oct.
1822, † zu Gotha 2. April
1852. Aeltester Sohn des Generalsuperintendenten
A.
und durch seine Mutter Enkel des Bischofs Dräseke,
widmete er sich in Bonn, Jena und Berlin dem Studium der Theologie
und Philosophie. Auch seine schriftstellerische Thätigkeit in den
Jahren 1846 und 47, in zahlreichen Artikeln der Weserzeitung und
ihres Sonntagsblattes niedergelegt, galt vorzugsweise der
kirchlichen Bewegung. Mit dem März 1848 widmete er sich ganz der
Tagespresse und der Politik: erst in Bremen, wo aber die von ihm
redigirte Bremer Zeitung in Folge seines Radikalismus keinen Boden
gewinnen konnte, dann in Hannover, wo sie als Zeitung für
Norddeutschland wiedererstand und sich mehr der Vertretung der
concreten nationalen Aufgaben annahm. Die Reichsverfassungskämpfe
des J. 1849 rissen
A.
in ihren Strudel. Sein Leitartikel vom 13. Mai, der,
wenn auch ohne allen Erfolg, zur Einsetzung eines
Landesausschusses für Durchführung der Deutschen Reichsverfassung
aufrief, zog ihm eine Verurtheilung zu zweijährigem
Staatsgefängniß wegen Aufforderung zum Staatsverrath zu. Im Nov.
1849 nach Hildesheim abgeführt, wurde er im Mai 1850 begnadigt.
Das aus dieser Zeit stammende Buch: "Aus dem Gefängniß" (Bremen
1850) enthält neben Poesien und politischen Charakteristiken das
idealdemokratische Programm des Autors, das auf Socialismus und
humanen Universalismus hinausläuft. Eine Stelle als Lehrer der
freien Gemeinde zu Hamburg konnte er in Folge seiner Ausweisung
nicht antreten. Für
|körperliche Leiden, die durch die
Haft verschlimmert waren, Heilung suchend, starb er in Gotha.
Literatur ↑
Weserzeitung v. 13. Mai, Zeitung f. Norddeutschl. v. 13., Berl.
Nationalzeitung v. 22. April 1852. Briefwechsel und Gespräche
Alex. v. Humboldt's mit einem jungen Freunde (Friedrich
A.
, Bruder von Th.
A.
), Berlin 1861.
Autor ↑
F. Frensdorff.
Empfohlene Zitierweise ↑
Frensdorff, Ferdinand, „Althaus, Theodor“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
366-367
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118644882.html?anchor=adb
Althaus, Theodor
Name: Althaus, Theodor
Lebensdaten: 1822 bis 1852
Geburtsort: Detmold
Sterbeort: Gotha
Beruf/Lebensstellung: politischer Schriftsteller; Redakteur
Konfession: evangelisch
Autor NDB:
Gollwitzer, HeinzAutor ADB:
Frensdorff, FerdinandPND: 118644882