Logo der Deutschen Biographie
schwarzer Menuepunkt Schnellsuche
schwarzer Menuepunkt Erweiterte Suche
roter Menuepunkt Namen A-Z
schwarzer Menuepunkt Aktuelles
schwarzer Menuepunkt Hilfe
schwarzer Menuepunkt Über das Projekt
schwarzer Menuepunkt Impressum

NDB-Artikel

<< Dingler, Hermann     Dingler, Johann Gottfried >>

Dingler, Hugo Albert Emil Hermann

Philosoph, * 7.7.1881 München, 29.6.1954 München.


GenealogieLebenWerkeLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
V Hermann s. (2); Vt Max s. Genealogie (2); 1) Augsburg 1915 Maria (1876–1948, 1) Theodor Lessing [ 1933], Philosoph, 1909), T des Gutsbesitzers Gg. Stach v. Goltzheim, 2) München 1949 Martha Schmitt (* 1913) aus Aschaffenburg; 1 T aus 1).

Leben  
Dingler studierte Philosophie, Mathematik und Physik in Erlangen, Göttingen und an der Technische Hochschule München und war dort Assistent. Seit 1912 lehrte er an der Universität München und 1932-34 an der Technische Hochschule Darmstadt.
Dingler ist der Schöpfer der Methodischen Philosophie, die absolute Sicherheit und Bewiesenheit ihrer Aussagen anstrebte. Ihre Basis ist der aktive Wille und das Prinzip der pragmatischen Ordnung. Aller Geltung der Aussagen über die Wirklichkeit liegt der aktive, lebendige Wille zugrunde. Er ist in unmittelbarer gegenwärtiger Funktion tätig - im Unterschied zum passiven Willen, der Gegenstand der Betrachtung, zum Beispiel in der wissenschaftlichen Psychologie ist. Der aktive Wille ist der Ausgangspunkt aller für ein System der Wirklichkeitserkenntnis notwendigen geistigen und manuellen Handlungen. Wesentlich ist der operative Gesichtspunkt, ein grundsätzlicher Gedanke Dinglerscher Philosophie, den Pierre Duhem und Ernst Mach bereits erkannt, aber methodisch noch nicht gesichert hatten, nämlich die Berücksichtigung der Vorgänge bei der Planung und Herstellung der Meßapparate, die die Ergebnisse zum Beispiel der Physik wesentlich mitbestimmen. Das Prinzip der pragmatischen Ordnung verlangt die Einhaltung der logischen Ordnung einer Reihe von Denk- und Handlungsschritten, die zum System der vier Ideenwissenschaften: Arithmetik, Zeitlehre, Geometrie und Mechanik, führen. In ihnen sind die vom Eindeutigkeit anstrebenden aktiven Willen gebildeten Ideen realisiert. Diese ideellen Formen aus der Natur zu entnehmen, wie der Empirismus meint, ist nach Dingler unmöglich. Er führt den Nachweis, daß in der Natur selbst weder eine Geometrie noch allgemeine Naturgesetze vorhanden sind, dadurch, daß er die innere Struktur des Experimentes aufzeigt, das nicht die unberührte Natur, sondern die auf Grund unserer apriorischen Formen und unserer Operationen geformte Natur erfaßt. Die Methodische Philosophie legt für die Naturwissenschaften die gesicherte Basis und zeigt, daß die letzten Fragen über das Wesen der Erkenntnis und die Stellung des Menschen in der Welt von ihnen nicht geklärt werden können, denn ein naturwissenschaftliches „Weltbild“ ist gar kein Abbild der wirklichen Welt, sondern ein Schema der wissenschaftlichen Methode, das über die Welt selbst nichts aussagt. In den letzten Jahren seines Lebens gelang Dingler der strenge Beweis für die Existenz eines|Irrationalen, eine grundlegende Erkenntnis für die Religionsphilosophie.

Werke  
u. a. Der Zusamenbruch d. Wiss. u. d. Primat d. Philos., 1926, 21930; Das Experiment, s. Wesen u. s. Gesch., 1928; Metaphysik als Wiss. vom Letzten, 1929; Das System, 1930; Philos. d. Logik u. Arithmetik, 1931; Gesch. d. Naturphilos., 1932 (ital. 1949); Die Grundlagen d. Geometrie, 1933; Die Methode d. Physik, 1938 (ital. 1953); Grundriß d. method. Philos., 1949; Die Ergreifung d. Wirklichen, 1955; Aufbau d. exakten Fundamentalwiss., 1957.

Literatur  
G. Lehmann, H. D., in: Die dt. Philos. d. Gegenwart, 1943, S. 267-75; A. Hübscher, H. D., in: Philosophen d. Gegenwart, 1949, S. 58-61; H. C. Sanborn, D.s Methodical Philosophy, Nashville, USA, 1950; W. Krampf, Die Philos. H. D.s, 1955; H. Wagner, H. D.s Btr. z. Thematik d. Letztbegründung, in: Kant-Stud. 47, 1955/56, S. 148 bis 167; Gedenkbuch f. H. D., 1956 (W-Verz., P); Pogg. V, VI.

Portraits  
Zeichn. v. A. Lamprecht; Ölgem. v. A. v. Faber du Faur (im Bes. v. Frau M. Dingler, München); Grabmal v. B. Vogler in Aschaffenburg.

Autor  
Wilhelm Krampf
Empfohlene Zitierweise  

Krampf, Wilhelm, „Dingler, Hugo Albert Emil Hermann“, in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 729 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd11852576X.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 3 (1957), S. 729 f.
Erwähnungen: 
NDB 14 (1985), S. 351*

PND: 11852576X
Artikel drucken

Index

Dingler, Hugo

Name: Dingler, Hugo
Namensvariante: Dingler, Hugo Albert Emil Hermann
Lebensdaten: 1881 bis 1954
Geburtsort: München
Sterbeort: München
Beruf/Lebensstellung: Philosoph
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Krampf, Wilhelm
PND: 11852576X

Weitere Informationen

Informationsangebote zu

Dingler, Hugo

PND
11852576X

Normdaten
Personennamendatei (PND)
Virtual International Authority File (VIAF)

Lexika
Hessische Biografie

Bibliothekskataloge und Bibliographien
Bibliotheksverbund Bayern (BVB)
OPAC der BSB München

Nachlässe der SLUB

Nachlässe
Kalliope