<< Laur.
Laur-Belart, Rudolf >>
Laur, Ernst
Agrarwissenschaftler, schweizerischer Bauernführer,
* 27.3.1871 Basel,
† 30.5.1964 Effingen (Aargau).
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Arnold (1833–1908), Spitalverwalter in
B.,
S d. Ferdinand (1791–1854),
Musikdir. in
B., Komponist, u. d. Marie Zäslin;
M Zélie (1845–1929),
T d. Gerichtsschreibers
Joh. Ludwig Meyer in
B. u. d. Zélie Murset;
⚭ 1895 Sophie (1875–1960),
T d. Wirts
Joh. Jakob Schaffner in Brugg u. d. Verena Weibel; 2
S, 2
T ,
u. a. Rudolf (s. 2).
Leben ↑
L. studierte nach dem Besuch der kantonalen landwirtschaftlichen Jahresschule Strickhof-Zürich (1886–88) und einer Praktikantenzeit in Frankreich und in der Schweiz seit 1890 am Zürcher Polytechnikum. Nach Abschluß seines Studiums als Diplomlandwirt (
Ing. agr.) war er als landwirtschaftlicher Wanderlehrer im Kanton Zürich tätig, dann war
|er kurze Zeit Gutsverwalter des Klosterguts Paradies
b. Schaffhausen und ging im Herbst 1894 an die landwirtschaftliche Schule Brugg. Von dort aus hielt er auch im Kanton Aargau Wandervorlesungen. Er vervollständigte seine Kenntnisse an der
Univ. Basel,
u. a. im Seminar von Bücher, bei dem er dann 1896 an der
Univ. Leipzig den Grad eines
Dr. phil. erwarb. – Nach der Gründung des Schweizer. Bauernverbandes wurde
L. 1898 der erste
schweizer. Bauernsekretär; er wohnte weiterhin in Brugg und bekleidete dieses Amt bis 1939.
Die Förderung des Bauernstandes durch Ausbau und Festigung der landwirtschaftlichen Organisationen betrachtete er als Lebensaufgabe. Unter seiner Führung setzte sich der Schweizer. Bauernverband systematisch mit großem Erfolg für die Wiedergesundung des als Folge des Wirtschaftsliberalismus geschwächten Bauernstandes ein. Seine agrarpolitische Tätigkeit fand über die Landesgrenzen hinaus größte Anerkennung. –
L. verband seine Funktion als Bauernführer mit einer vielseitigen wissenschaftlichen Aktivität. Er baute das durch seine Initiative ins Leben gerufene Bauernsekretariat zu einer bedeutenden wissenschaftlichen Zentralstelle aus. 1901 habilitierte er sich für Agrarpolitik an der
ETH Zürich (Privatdozent), und 1908 wurde er, nachdem er schon seit 1905 als Lehrbeauftragter Vorlesungen gehalten hatte, als Nachfolger von Adolf Kraemer zum Ordinarius für landwirtschaftliche Betriebslehre ernannt (emer. 1937). –
L. kann als Pionier im Bereich des landwirtschaftlichen Buchführungswesens gelten. Er verwendete im Gegensatz zum deutschen Agrarwissenschaftler Friedrich Aereboe, einem Befürworter der deduktiven Methode, die induktive Methode. In seiner betriebswirtschaftlichen Forschungsarbeit stützte er sich auf die vom Bauernsekretariat jährlich durchgeführten Buchhaltungserhebungen. Sein erstes großes Werk hierzu, „Grundlagen und Methoden der Bewertung, Buchhaltung und Kalkulation in der Landwirtschaft“ (1910,
41957,
bearb. v. O. Howald) erlangte internationales Ansehen. Kennzeichnend für
L.s Denkweise ist von Anfang an seine Einstellung zum Bauerntum. Aufgrund seiner betriebswirtschaftlichen Studien, geprägt von seiner christlichen Weltanschauung und unter dem Einfluß der besonderen historischen Entwicklung der Eidgenossenschaft, bekannte er sich zum bäuerlichen Familienbetrieb. Dieses Bekenntnis fand seinen Niederschlag in seinem Standardwerk „Der Schweizer Bauer, seine Heimat und sein Werk“ (1939,
21947, auch
franz. u.
ital.).
Auch nach seinem durch einen schweren Unfall verursachten Rücktritt als Ordinarius (1937) und als Bauernsekretär (1939) blieb
L., der 1939 nach Effingen umzog, als ständiger Delegierter des Schweizer. Bauernverbandes mit der
schweizer. und
europ. Agrarpolitik eng verbunden. Nach dem 2. Weltkrieg spielte er insbesondere bei der Gründung (1948) des Verbandes der
europ. Landwirtschaft (Confédération européenne de l'agriculture, CEA) eine aktive Rolle; als erster Präsident amtierte er 1948-50. Aus als Wissenschaftler blieb
L. bis ins hohe Alter tätig: In vielen größeren und kleineren Veröffentlichungen verkündete er seine wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Thesen und war unermüdlich bestrebt, die Rolle des Bauernstandes mit einer höheren Lebensauffassung zu erfüllen.
|Auszeichnungen ↑
Ehrenmitgl./Mitgl.
zahlr. wiss. Gesellschaften; Dr.
h. c. (Hochschule f. Bodenkultur Wien 1920, Landwirtsch. Hochschule Hohenheim 1922,
Univ. Bern 1934, Landwirtsch. Hochschule Brünn 1936,
Univ. f. Technik u.
Wirtsch.wiss. Budapest 1941,
Univ. München 1951);
Ehrenpräs. d. Verbandes d.
europ. Landwirtsch. (CEA);
L.-Fonds
z. Förderung d.
wiss. Forschung an d.
Abt. Landwirtsch. d.
ETH Zürich (1937);
L.-Gedenkmünze
z. 90.
Geb.tag (1961).
Werke ↑
Weitere W u. a.
Der Einfluß d. Verkehrswesens auf d.
europ. Tierhaltung,
Diss. Leipzig 1896;
Landwirtsch. Buchhaltung f.
bäuerl. Verhältnisse, 1898,
121947 (
franz. 1905,
ital. 1921,
russ. u.
japan.);
Landwirtsch. Betriebslehre f.
bäuerl. Verhältnisse, 1907 (
11-171943 ff.,
bearb. v. O. Howald) (
franz. u. d. T. Economie Rurale, 1924,
51962,
poln. 1928);
Einführung in d. Wirtsch.lehre d. Landbaues, 1919,
21930 (auch
poln.,
russ.,
tschech.);
Bauernpol., 1920,
31925 (
franz. 1919);
Volkswirtsch. Grundlagen d. Wirtsch.lehre d. Landbaues u. d.
Bauernpol., 1932,
41946;
Erinnerungen e.
schweizer. Bauernführers, 1942,
2/31943, neubearb.
v. O. Howald u. H. Abegg
u. d. T. Ein Leben f. d. Bauernstand, 1971;
Die Landwirtsch. d. Schweizer Bauern, 1948 (auch
franz.,
engl.). -
Mithrsg.: Wirz' Schreibkal. f.
schweizer. Landwirte, 1894-1948;
Archiv f. exakte Wirtsch.forschung (Thünen-Archiv), 1906-22.
Literatur ↑
Festgabe f. E.
L. (Forschungen a. d. Gebiete d.
Wirtsch.wiss. d. Landbaues), 1937 (
W-Verz.,
bearb. v. M. Fröhlich);
Brugger Neuj.bll. 1938;
Festschr. z. 80.
Geb.tag, in:
Agrarpol. Revue 7, H. 6/7, 1951
(L, P);
Festschr. z. 90.
Geb.tag,
ebd. 17, H. 6/7, 1961
(W, L, P);
Die Bäuerin 17,
Nr. 3, 1961
(P);
Schweizer.
Bauernztg. 61,
Nr. 4, 1961;
H. Wahlen, in: Schweizer. Landwirtsch. u. Schweizer. Bauerntum,
hrsg. v. O. Howald
u. a., 1963;
ders., E.
L., Baumeister unseres Bauern
|standes, 1966;
Zum Ged. an E.
L., Sonderh. d. Schweizer. Bauernverbandes, 1964
(P);
O. Howald, in: Brugger Neuj.bll. 75, 1965, S. 107-26
(W, L, P);
ders., in: Gr. Landwirte,
hrsg. v. G. Franz u. H. Haushofer, 1970, S. 333-43
(W, L, P);
ders. u. H. Abegg, E.
L., ein Leben f. d. Bauernstand, 1971.
Portraits ↑
Bronzebüsten
v. A. Huggler, 1958 (Landwirtsch.
Abt. d.
ETH Zürich
bzw. Haus d. Schweizerbauern Brugg);
Gedenkmünzen
v. dems., 1961.
Autor ↑
Anton CzettlerEmpfohlene Zitierweise ↑
Czettler, Anton, „Laur, Ernst“,
in: Neue Deutsche Biographie
13
(1982), S.
718-720
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd119202220.html