<< Larisch, Hermann
Larisch von Moennich, Heinrich Graf >>
Larisch, Rudolf von
Schriftkünstler,
* 1.4.1856 Verona,
† 24.3.1934 Wien.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Nikolaus
v. L. (
österr. Adel 1866, 1815-74),
k. u. k. Oberst,
S d. Josef
L. (1787-1855), Hauptm.,
franz. Oberarzt u. d. Barbara Kollhoffer
v. Sturmfeld;
M Eveline (1819–62),
T d. Hauptm. Paul Föltváry de Föltvar u. d. Katharina Klyannovich
v. Karpfenberg;
⚭ 1) Wien 1890 Emilia Cäcilia (1863–1913),
T d.
Fabr. Altmann in Perchtolsdorf, 2) Wien 1931 Hertha Ramsauer (1897–1972),
Prof. a. d. Hochschule f.
angew. Kunst (s.
L); 1
S aus
1).
Leben ↑
Die durch den Beruf des Vaters bedingten häufigen Ortswechsel behinderten eine gleichmäßige Schulbildung
L.s, er gewann dadurch jedoch vielfältige Kenntnisse in Fremdsprachen. In Wien hörte er Musikgeschichte und war Sekretär der Wiener Singakademie. Im Grafen Podstatsky-Liechtenstein fand
L. einen Gönner, besonders befreundet war er mit Hugo Wolf.
L. wurde Beamter im Ministerium des Innern und kam später in die
kaiserl. Kabinettskanzlei. Auch war er Archivar des Ordens vom Goldenen Vlies. Daneben besuchte er den Aktkurs an der Kunstgewerbeschule und nahm privaten Malunterricht. 1896 veröffentlichte er eine anthropometrische Studie „Der ‚Schönheitsfehler' des Weibes“, in der er Proportionsfragen behandelte. Der Wiener Secession steht seine Arbeit „Über Zierschriften im Dienste der Kunst“ (1899) nahe. In ihr ist bereits der Grundsatz seiner späteren Schriftlehre ausgesprochen, das Prinzip vom richtigen Aneinanderreihen der
|Buchstaben durch gleich groß erscheinende Hintergrundsflächen. Mit Schriftbeispielen verschiedener Künstler, die durch die Gestaltung individueller Schriften den konventionellen Buchstabenformen entgegen getreten waren, konnte
L. drei Serien von „Beispielen künstlerischer Schrift“ (1900, 1902, 1906) herausgeben.
L. wurde 1902 als Lehrer an die Kunstgewerbeschule berufen (1904 Prof.titel). Im Sinne der Praxis secessionistischer Künstler propagierte er hier die rein aus der Vorstellung in freier Gestaltung geschaffenen Buchstabenformen. 1904 gab die Hof- und Staatsdruckerei die Type „Plinius“ heraus, wobei sie sich der Mitarbeit
L.s bediente. 1911 folgte die auf ihr basierende „Wertzeichen“-Type. Seine Unterrichtserfahrungen faßte er in dem Lehrbuch „Unterricht in ornamentaler Schrift“ (1905,
111934) zusammen. Im Gegensatz zu der ebenfalls erfolgreichen Methode des
engl. Schreibmeisters Edward Johnston, die auf der Tradition fußte und von historischen Formen ausging, ließ
L.s System dem Schüler größte Freiheit. Durch seine Schriftlehre wurde
L. zum Erneuerer der Schreibkunst um 1900 in den Ländern der Donaumonarchie, in Deutschland und der Schweiz. Wegen seines großen Erfolges wurde er auch an anderen Lehranstalten zum Unterricht herangezogen (1902-27 Kunstschule für Frauen und Mädchen, Frauenakademie; 1918-27 Lehrerakademie, Pädagogisches Institut; 1920-33 Akademie der bildenden Künste; 1910-30 Graphische Lehr- und Versuchsanstalt). Seine Frau übernahm an der Kunstgewerbeschule seine Nachfolge, sein ehemaliger Schüler und Mitarbeiter O. Hurm die an die übrigen Lehranstalten.
Das eigene schriftkünstlerische Schaffen
L.s ist begrenzt und oft nicht eindeutig von den Arbeiten seiner Assistenten abzusetzen, die auch Einfluß auf die Fortentwicklung seiner Methode hatten. Im Anfang schrieb er die secessionistische „Quellstiff'-Schrift, daneben auch die Gotik („Pater noster“, „Adagio“) und sein repräsentativstes Werk, zwei Blätter der Kaiser-Huldigungsadresse der Handels- und Gewerbekammern (1917).
L.s Bedeutung liegt primär in seinem Wirken als Wegbereiter, Anreger und Lehrer.
Werke ↑
Ornamentale Schrift, in:
Zbl. f. d. gewerbl. Unterrichtswesen in Österreich 22, H. 1, 1902-04;
Moderne Schrift, in: Kunst u. Kunsthandwerk 1, 1904, S. 60;
Über Leserlichkeit
v. ornamentalen Schriften, 1904;
Über Schreibwerkzeuge u. ihren gestaltenden Einfluß auf d. Schriftentwicklung, in:
Graph. Revue 6, 1924, S. 145 f.;
Der Kajak u. seine Arten, 1918;
Ornamentale Schrift als Erziehungsmittel, in: Wegleitung d. Kunstgewerbeschule d. Stadt Zürich, 62.
Ausst. „Die Schrift“, 1925;
Methodisches
üb. Segeln, 1925.
Literatur ↑
F. H. Ehmcke, in: Das Plakat,
Jan. 1921;
ders., R.
v. L., Zum 70.
Geb.tag, 1926;
ders., in: Vier J.zehnte
dt. Buchkunst 1890-1930, 1933;
H. Gollob, R.
L. u. s. Schule, in: Gutenberg-
Jb. 1951;
O. Hurm, Johnston,
L., Koch - 3 Erneuerer d. Schreibkunst, 1955;
ders., R.
v. L. u. d. Wiener Secession, in: Gutenberg-
Jb., 1979;
ders., R.
v. L. u. d. Streit Antiqua-Fraktur,
ebd., 1980;
ders., Die Wandlungen d. „Methode
L.“,
ebd., 1981;
ders.,
Veröff. v. R.
v. L.,
ebd., 1981
(L);
ThB. -
Zu Ehefrau Hertha: H. Jäger-Sunstenau, in: Adler,
Zs. f.
Geneal. u. Heraldik, 9, 1972, S. 185.
Autor ↑
Otto HurmEmpfohlene Zitierweise ↑
Hurm, Otto, „Larisch, Rudolf von“,
in: Neue Deutsche Biographie
13
(1982), S.
636 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11914560X.html