<< Lange, Henry
Lange, Johann >>
Lange, Horst
Schriftsteller,
* 6.10.1904 Liegnitz,
† 6.7.1971 München. (evangelisch, seit 1909 katholisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Ernst (
* 1873), Vizefeldwebel, Rgt.schreiber,
S d. Ernst Theodor, Zimmerpolier u.
Gasthofbes.;
M Amalie, Putzmacherin,
T d. Försters
Joh. Wilhelm Braetsch u. d. Viktoria
N. N.;
⚭ 1933 Oda Kraus (
* 1900), Lyrikerin (
Ps. Oda Schaefer), gesch.
v. Albert Schaefer-Ast (1900–51), Maler (s.
Vollmer),
T d. Journalisten Eberhard Kraus u. d. Alice Baertels.
Leben ↑
L. studierte 1925-30 Kunstgeschichte, Literatur- und Theaterwissenschaft in Berlin und Breslau, nachdem ihm Gropius von seinem früheren Plan, am Bauhaus in Weimar Malerei zu studieren, abgeraten hatte. Seit 1931 arbeitete er als freier Schriftsteller in Berlin für Zeitungen (Berliner Tageblatt, Vossische Zeitung
u. a.) und den Rundfunk, schloß sich dem Kreis um „Die Kolonne“ an und fand in der Umgebung des Verlegers Stomps gleichgesinnte Autoren wie Günter Eich, Peter Huchel und Erich Kästner. 1940 wurde er eingezogen, 1941 als Pionier-Gefreiter nach Rußland geschickt und vor Moskau am Kopf schwer verwundet. Nach dem Krieg lebte er in Mittenwald, seit 1950 in München.
L.s Bedeutung liegt vornehmlich in seinem Prosaschaffen. Mit seinem Hauptwerk, dem
schles. Dorfroman „Schwarze Weide“ (1937,
31979), sowie mit der gleichrangigen „Ulanenpatrouille“ (1940,
31981) repräsentiert er innerhalb der Schriftsteller, die nicht emigriert sind, eine gruppen- und zeitspezifische Haltung, wenn er seiner persönlichen Ablehnung des damaligen Ungeistes durch die Bewahrung als klassisch angesehener Formen Ausdruck zu geben sucht. Der ontologisierenden Darstellungsweise, die Figuren wie den Gastwirt Smorczak in „Schwarze Weide“ als „Zutreiber der Hölle“ dämonisiert, korrespondiert eine Auffassung von Klassizität, die der formalen Gestaltung eine transzendental-utopische Dimension zuspricht. So orientiert sich dieses Werk auch mehr an Stilidealen der Moderne vor 1914 und vermeidet fast ganz mundartliche Redeweise. Im ganzen aber stellen
L.s Prosawerke markante Beispiele einer regional bestimmten, aber nicht provinziell eingestellten Literatur dar, deren Klassizismus geprägt wird von Land und Leuten vornehmlich Schlesiens. Auch seine Lyrik geht von der Landschaft und dem Jahreslauf aus, dringt jedoch vielfach zu existentiellen Grundfragen des Menschen vor. Die „Tagebücher aus dem Zweiten Weltkrieg“ (1979
veröff.) ergeben, obgleich ganz privat, den
|noch ein aufschlußreiches Zeitbild.
|Auszeichnungen ↑
Da
L. nicht, wie Koeppen oder Eich, nach 1945 die „Nullpunkt”-Position bezog, blieb seinem Werk eine breitere Wirkung versagt.
Werke ↑
Weitere W u. a. Lyrik:
Nachtgesang, 1928;
Zwölf Gedichte, 1933;
Gesang hinter d. Zäunen, 1939;
Gedichte aus 20 J., 1948;
Eine Geliebte aus Luft, 1957;
Aus dumpfen Fluten kam Gesang, 1958. -
Romane: Der Ruf d. Pirols, 1947 (Romanfragment);
Ein Schwert
zw. uns, 1952;
Verlöschende Feuer, 1956. -
Erzählungen: Die Gepeinigten, 1933;
Die
Gesch. e. Gesichts, 1937 (Essay);
Auf d.
östl. Ufer, 1939 (
Slg.);
Die Leuchtkugeln, 1944 (
Slg.);
Windsbraut, 1947 (Slg);
Am kimmer. Strand, 1948 (
Slg.). -
Theaterstücke: Der Traum
v. Wassilikowa, 1946;
Die Frau, die sich Helena wähnte, 1946;
Kephalos u. Prokris, 1948 (Komödienfragment). -
Hörspiele: Die Heimkehr, 1933;
Goldgräber in Schlesien, 1936. -
Zwischen Osten u. Westen, Eine Selbstdarst., in: Ostdt.
Mhh. 26, 1960, S. 13-16,
wieder in: Schlesien 14, 1969. -
G. v. Wilpert u. A. Gühring, Erstausgg.
Dt. Dichtung (1600–1960), 1967.
Literatur ↑
E. Alker, H.
L., in: Dt.unterricht f. Ausländer, 1961, H. 1/2, S. 1 ff.;
C. A. Groeger, H.
L., ein
schles. Dichter, Versuch e. Deutung, in:
Jb. d.
schles. Friedrich-Wilhelm-
Univ. zu Breslau 19, 1978, S. 198-222;
A. Lubos, H.
L., Ein Werk unter d. Zeichen des Ostens, 1967;
Oda Schaefer, Auch wenn du träumst, gehen d. Uhren, Lebenserinnerungen, 1970;
dies., H.
L., Ein
Lb., in: H. D. Schäfer (
Hrsg.), H.
L.: Tagebücher aus d. 2. Weltkrieg, 1979, S. 261-89;
H. D. Schäfer, H.
L.s Tagebücher 1939–45, in:
ebd., S. 291-333;
Kürschner, Lit.-Kal., 1967;
Kunisch;
Kindlers
Lit.-
Lex. IX, S. 8541 (Schwarze Weide).
Portraits ↑
in: W. Grenzmann, Dichtung u. Glaube, 1950.
Autor ↑
Walter DimterEmpfohlene Zitierweise ↑
Dimter, Walter, „Lange, Horst“,
in: Neue Deutsche Biographie
13
(1982), S.
561-562
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118569368.html