<< Lamszus, Wilhelm
Lancizolle, Karl Wilhelm von >>
Lancilottus (Lancelottus, Lancelotz), Henri (Henricus)
Augustiner-Eremit, Kontroverstheologe,
* 1576 Mecheln,
† 11.1.1643 Antwerpen.
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Andreas,
Ratssekr. v. M.;
M Margarita Vischavens;
B Corneille (1574–1622), Provinzial d.
nd.rhein. Augustinerprov. (1607–10),
Vf. rel. u.
theol. Schrr. (s.
L).
Leben ↑
Nach Gymnasialstudien in Antwerpen trat
L. 1592 in das Augustinerkloster von Mecheln ein und studierte seit
ca. 1593 in Löwen Philosophie und Theologie. In verschiedenen Klöstern der niederrhein. Augustinerprovinz wirkte er danach als Prior: 1601-03 in Hasselt, 1603-07 in Trier, 1607-13 in Antwerpen, seit 1613 in Gent und viele Jahre auch in Brüssel. In Antwerpen gründete er 1608 ein Gymnasium. Hochangesehen als Prediger und vorbildlicher Ordenspriester, wurde er 1620 von seinem Ordensgeneral zu dessen Vikar und Visitator in der
rhein.-
schwäb. Augustinerprovinz ernannt und war dort bis 1637 für die Rückgewinnung verlo
|rener Klöster und die Hebung der Ordenszucht tätig. 1617 in Löwen zum
Dr. theol. promoviert, wirkte er seit 1622 als Universitätsprofessor und zeitweiliger Dekan der
Theol. Fakultät in Mainz.
L. trat in Wort und Schrift als „fidei orthodoxae fervidus zelator“ auf, wie seine Grabinschrift von ihm rühmt. Weitbekannt machte ihn sein originelles Werk „Haereticum Quare per Catholicum Quia … solutum“ (1615
u. ö.;
franz.,
fläm.,
ital. u.
poln. Überss.). In Form eines fingierten Dialogs zwischen einem „Geuza reformatus" und einem „Romano Catholicus“ werden 100 Fragen („Quare“) in der typischen polemischen Formulierung der calvinist. und
luth. Gegner vorgelegt und ausführlich, anschaulich und im allgemeinen sachlich, mit reicher Begründung aus der Schrift und den Vätern, gelegentlich auch mit scharfer Polemik, beantwortet. Die vorwiegend apologetischen Darlegungen zeigen keine irenischen Zielsetzungen und gehen auf die tieferen Anliegen des Gegners nicht ein. Originalität besitzt auch die Schrift „Paralleli LXXIII Augustini Catholici et Augustinomastigis Haeretici“ (1619).
L. sucht darin durch Gegenüberstellung von Lehrsätzen Augustins und der Reformatoren nachzuweisen, daß diese sich zu Unrecht auf den Kirchenvater berufen
bzw. seine Lehre mißdeuten. Die sachlichen Darlegungen mit ihren genauen Quellenangaben aus Augustinus, Calvin und Luther halten sich von überscharfer Polemik frei.
|Auszeichnungen ↑
Auch
L.s exegetische Schriften lassen den Kontroverstheologen erkennen und haben als eines ihrer Ziele das „fidem catholicam firmare“.
Werke ↑
Weitere W u. a. Kontroversschriften:
Pharos apostolica, seu Pseudo-ministerium pseudo-reformantium, 1611;
Abecedarium Luthero-Calvinisticum, 1617;
Corona Calviniana, quinque margaritis in gratiam evangelicorum adornata, 1626.
Literatur ↑
Ph. Elssius, Encomiasticon Augustinianum, 1654, S. 278 f.;
A. Höhn, Chronologia Provinciae Rheno-Suevicae Ord.
FF. Erem. S. P. Augustini, 1744, S. 235-43;
J. F. Ossinger,
Bibl. Augustiniana, 1768, S. 494 f.;
N. Merlin, De Henrico Lancelotz eiusque operibus, in: Analecta Augustiniana 2, 1907/08, S. 349-51;
E. Braem u. N. Teeuwen, Augustiniana Belgica Illustrata, 1956, S. 122 (
P S. 43);
A. Zumkeller,
Urkk. u.
Regg. z. Gesch. d. Augustinerklöster Würzburg u. Münnerstadt I-II, 1966 f., Nrr. 711, 713 f., 726, 761 u. 1211;
A. Kunzelmann,
Gesch. d.
dt. Augustiner-Eremiten VII, 1976, passim (vor allem S. 388 f.,
Anm. 1868);
Dict. de théologie catholique VIII,
Sp. 255 f.
(vollst. Verz. s. 16 Schrr.);
Dict. de Spiritualité ascetique et mystique IX,
Sp. 178 f.
(z. Inhalt seiner 2 exeget. u. 4 erbaul. Schrr., auch f. B Corneille);
LThK2.
Autor ↑
Adolar ZumkellerEmpfohlene Zitierweise ↑
Zumkeller OSA, Adolar, „Lancilottus, Henri“,
in: Neue Deutsche Biographie
13
(1982), S.
473 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd128544139.html