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NDB-Artikel

<< Lamey, August Wilhelm     Lammasch, Heinrich >>

Lamey, August

Politiker, * 27.7.1816 Karlsruhe, 14.1.1896 Heidelberg. (lutherisch)


GenealogieLebenWerkeLiteraturPortraitsNachlassAutorZitierweise

Genealogie  
V Ernst Andreas (1766–1822), Hofrat, Redakteur d. Mannheimer Ztg. (1791–1801), d. Journal politique de Mannheim (1801–10) u. d. Ghzgl.-Bad. Staatsztg. (seit 1817 Karlsruher Ztg.), S d. Andreas (s. 1); M Josephine (1784–1859), T d. Caspar Beecke, Ansbach. Hofrat u. Resident in Mannheim; B Hektor Hubert (1809–43), Ministerialrat im bad. Justizmin., bemüht um Humanisierung d. Strafvollzugs, beteiligt an d. Vorbereitung d. bad. Strafgesetzbuchs v. 1845 (s. Bad. Biogr. II); - 1) Freiburg 1849 Marie (1823–50), T d. Heinr. Casimir Dürr, Uhrenfabr. u. Kunsthändler in K., u. d. Carol. Cath. Salome Goßweyler, 2) Mannheim 1852 Marie (1824–1918), T d. Jak. Frdr. Dyckerhoff (1776–1845), bad. Bauinsp., Obering. in Mannheim, u. d. Catharina Renner; 5 K , u. a. August (1856–1930), Bildnis- u. Landschaftsmaler (s. ThB); E Hubert (1896–1981), General.

Leben  
Wie kaum eine andere Gestalt des südwestdeutschen Liberalismus verkörpert L. Leistungen und Grenzen des hier nach 1860 zur Regierungsverantwortung gelangten liberalen Bürgertums. L., der als Verwaltungsjurist begann und dann in die Justiz überwechselte, gehörte früh zu jenen, die auf schrittweise Reformen im Bündnis mit der Staatsmacht setzten, dabei allerdings, ungeachtet aller taktischen Flexibilität, an Grundsätzen unbeirrt festhielten. Schon im Vorfeld der Revolution von 1848 zum inneren Kreis der „gemäßigten“ Liberalen zählend, für die er seit Mai 1848 im bad. Landtag saß, wurde er in den 50er Jahren, der Zeit der Reaktion, zu ihrem unbestrittenen Führer. Als Chef der liberalen Mehrheitsfraktion übernahm er bei dem Regierungs- und Systemwechsel von 1860 das Innenministerium und leitete eine umfassende Reformpolitik im Innern ein. Neben der Neuregelung des Verhältnisses zwischen Kirche und Staat, das zum entscheidenden Streitpunkt zwischen Konservativen und Liberalen geworden war und die Auseinandersetzungen, zumal im Streit um die Schule, auch weiterhin bestimmte, ging es vor allem um die konsequente Liberalisierung von Verwaltung und Wirtschaftsleben. Weitgehende Selbstverwaltung, Gewerbefreiheit, Freihandel und Handelsfreiheit, dazu Beseitigung aller noch bestehenden Sonderrechte und Sonderbeschränkungen – etwa für den jüd. Bevölkerungsteil – waren die leitenden Prinzipien, in deren Zeichen die von L. souverän gelenkte liberale Mehrheit in den folgenden Jahren die innere Verfassung des Landes von Grund auf umgestaltete und Baden zum „liberalen Musterstaat“ machte. Demgegenüber wurde die Außenpolitik, die in ihrem Hauptproblem, der nationalen Frage, zwischen „Großdeutschen“ und „Kleindeutschen“ in der Partei heftig umstritten war, von L. bewußt zurückgedrängt und der direkten Leitung durch den Großherzog und dessen persönlichen Vertrauensmann, den Außenminister Franz von Roggenbach, überlassen. Dies wie die Fehleinschätzung der Dynamik und des Charakters jener Kräfte, die sich in der sogen. Katholischen Bewegung zusammenfanden, führte 1866, nach Königgrätz, zu L.s Sturz und zum Ende der direkten Vorherrschaft der liberalen Kammerfraktion. Sein Nachfolger, Julius Jolly, kehrte faktisch wieder zu dem System der „Regierung über den Parteien“ zurück. Daß die Verbindung zwischen Regierung und liberaler Partei in Baden trotzdem auch in den nächsten Jahrzehnten enger blieb als in den meisten anderen deutschen Staaten, war nicht zuletzt ein Verdienst L.s. Nach anfänglicher Opposition gegen die neue Regierung entwickelte er sich mehr und mehr zu einem Exponenten des Ausgleichs und einer Politik der Kooperation unbeschadet persönlicher und sachlicher Differenzen im einzelnen. Als Mannheimer Reichstagsabgeordneter in den ersten Jahren nach Gründung des neuen Reiches und dann vor allem als langjähriger Präsident des Karlsruher Parlaments 1876-92 setzte er seine ganze Kraft und seinen Einfluß in der Partei daran, das bad. „Modell“ zu bewahren und seine werbende Kraft zu erhalten. Daß er durch sein zähes Festhalten an den Allianzen und Frontstellungen der fünfziger und sechziger Jahre im Laufe der Zeit selber zu einem Hindernis für eine zeitgemäße Fortentwicklung dieses „Modells“ zu werden drohte, ließ ihn sein ausgeprägtes Selbstbewußtsein, das durch eine ständig wachsende Popularität zusätzlich genährt wurde, bis zuletzt nicht erkennen.

Werke  
Verteidigungsschr. f. Se. Exe. d. Herrn Erzbischof zu Freiburg, 1866. |

Nachlass  
Nachlaß: Gen.landesarchiv Karlsruhe.

Literatur  
F. Lewald, A. L., 1904, auch in: Bad. Biogrr. V, 2, 1906, S. 453-505; L. Blum, Staatsmin. A. L., Ein bad. Pol. d. Reichsgründungszeit, 1934; K. O. Watzinger, A. L. als Schöpfer d. Gesetzes üb. d. Gleichberechtigung d. Juden, in: Mannheimer Hh. 1962, H. 3, S. 23-27; L. Gall, Der Liberalismus als regierende Partei, Das Ghzgt. Baden zw. Restauration u. Reichsgründung, 1968; BJ I.

Portraits  
Lith., Abb. in: F. Walter, Gesch. Mannheims, 1907, S. 464.

Autor  
Lothar Gall
Empfohlene Zitierweise  

Gall, Lothar, „Lamey, August“, in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 446 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118778536.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 13 (1982), S. 446
Erwähnungen: 
NDB 4 (1959), S. 211*

PND: 118778536
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Index

Lamey, August

Name: Lamey, August
Lebensdaten: 1816 bis 1896
Geburtsort: Karlsruhe
Sterbeort: Heidelberg
Beruf/Lebensstellung: badischer Staatsminister; Politiker
Konfession: lutherisch
Autor NDB: Gall, Lothar
PND: 118778536

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Lamey, August

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118778536

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