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NDB-Artikel

<< Bloch, Hermann     Bloch, Iwan >>

Bloch, Joseph Samuel

Rabbiner und Publizist, * 20.11.1850 Dukla (Galizien), 1.10.1923 Wien.


GenealogieLebenWerkeLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
V Bäcker in Dukla; Kobylin (Provinz Posen) Laura Lachmann, aus angesehener Breslauer Familie; Zahl der K unbekannt.

Leben  
Bloch, der schon als Kind eine stupende Kenntnis des Talmud an den Tag legte, studierte nach unsteter rabbinischer und allgemeiner Vorbereitungszeit in Zürich und München und wurde 1875 in Zürich zum Dr. phil. promoviert. Danach war er Prediger in Rendsburg, Rabbiner in Kobylin, Brüx und 1877-83 in Floridsdorf bei Wien und ließ sich dann in Wien nieder. Als glänzender Redner in Arbeitervereinen wie auch im Reichsrat (1883–85, 1891-95), als Redakteur der von ihm als Gegenstück zu Heinrich Friedjungs „Deutscher Wochenschrift“ ins Leben gerufenen „Österreichischen Wochenschrift“ (1884-1921) und als Gründer der noch im Nachkriegsösterreich bestehenden Österreichisch-Israelitischen Union (1885) suchte er die nichtjüdische Welt über das Wesen des|Judentums aufzuklären, machte sich zu dessen Anwalt gegenüber den von der christlich-sozialen und deutschnationalen Bewegung vorgebrachten Verleumdungen und widmete sich daneben besonders der Sozialpolitik. Er trat stets für ein religions- und rassebewußtes Judentum ein und wandte sich gegen die Annäherungsversuche bestimmter jüdischer Kreise an die deutschen Parteien Österreichs, lehnte aber den politischen Zionismus seines zeitweiligen Mitarbeiters Theodor Herzl entschieden ab. Seine Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus faßte er in seinem Hauptwerk „Israel und die Völker“ (1922, englisch 1927) zusammen, dem „ersten Kompendium einer jüdischen Apologetik“ (Grunwald). Er galt in Österreich als bedeutender Repräsentant des Judentums. Bei zwei Amerikareisen 1912 und 1920, auf denen er um Hilfe für die notleidenden Juden Ost- und Mitteleuropas warb, bestätigte sich sein internationaler Ruf.
Großes Aufsehen erregte Bloch vor allem durch seinen - von dem irenischen deutsch-liberalen Teil der Wiener Juden sehr ungern gesehenen - Kampf gegen den Prager Professor der Theologie und der hebräischen Altertümer August Rohling (1839–1931), früher Kanoniker in Münster, den 'wissenschaftlichen' Hintermann des Antisemitismus, dessen Schrift “Der Talmudjude“ (1871, Neudruck 1933) in 17 Massenauflagen z. T. kostenlos verbreitet wurde. Da es Bloch nicht gelang, seinen u. a. auch von dem Leipziger Alttestamentler Franz Delitzsch heftig befehdeten Gegner zu wissenschaftlich-publizistischem Kampf zu stellen - z. B. bot er ihm 3000 Gulden an, wenn er auch nur eine Seite im Talmud richtig lesen und übersetzen könne -, bezichtigte er öffentlich Rohling des angebotenen Meineids, als dieser gelegentlich des sog. Tisza-Eszlár-Prozesses als wissenschaftlicher Gutachter die Übung von Ritualmorden bei den Juden beeiden wollte. So zwang er ihn zu einem Ehrenbeleidigungsprozeß, in dem Bloch - bestätigt von christlichen Sachverständigen (Th. Nöldeke in Straßburg und August Wünsche in Dresden) - der Wahrheitsbeweis gelang, daß Rohlings Zitate aus der jüdischen und nichtjüdischen Literatur z. T. erfunden, z. T. gefälscht waren. Dieser trat daraufhin 1885 von seiner Anklage zurück und mußte seine Professur niederlegen. Ähnlich erfolgreich war Bloch in anderen Prozessen; so half er 1893 in einem von ihm veranlaßten Prozeß gegen den Pfarrer Jos. Deckert eine Ritualmordlüge entlarven. Kulturgeschichtlich gesehen ist bedeutsam, wie Bloch mit seinem Vorgehen gegen seine Gegner bewußt eine angesichts der Wirkungslosigkeit publizistischer Kontroversen „der neuen Zeit angepaßte Methode“, dem Antisemitismus entgegenzutreten, „zum ersten Mal gezeigt und gelehrt“ hat (Erinnerungen I, S. 64). Auch diese führte freilich nicht zu dem von ihm angestrebten Enderfolg.

Werke  
Weitere W Zur Reform d. Armenpflege u. d. Heimatrechtes in Wien. Eine sozial-talmud. Studie, 1884; Der nat. Zwist u. d. Juden in Österr., 1886; Erinnerungen aus meinem Leben, Bd. 1 u. 2, 1922 (bis 1893); Unterss. d. Arbeitertums u. d. Erziehungswesens im Altertum; zahlr. wiss. Arbb. üb. d. Talmud sowie d. jüd. Lit. u. Gesch.; Flugschrr. u. Aktenveröff.

Literatur  
M. Grunwald, in: Österr. Wschr., 20.11.1920; ders., in: DBJ V, S. 33-37 (W, u. Totenliste 1923, L); Wininger I, Czernowitz 1925, S. 392-94; Enc. Jud. IV (W). - Zu Aug. Rohling: Enc. Jud. II (im Art. Antisemitismus); Wi. I, 1905 (W); Der Große Herder X, 41935.

Portraits  
Büste v. Gustino Ambrosi (Nat.mus. Jerusalem).

Autor  
Erich Angermann
Empfohlene Zitierweise  

Angermann, Erich, „Bloch, Joseph Samuel“, in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 306 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd119136724.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 2 (1955), S. 306 f.

PND: 119136724
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Index

Bloch, Josef

Name: Bloch, Josef
Namensvariante: Bloch, Joseph Samuel
Lebensdaten: 1850 bis 1923
Geburtsort: Dukla (Galizien)
Sterbeort: Wien
Beruf/Lebensstellung: Rabbiner; Publizist
Konfession: jüdisch
Autor NDB: Angermann, Erich
PND: 119136724

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Bloch, Josef

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119136724

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