<< Agricola, Karl Josef Aloys
Agricola, Philipp >>
Agricola (eigentlich Sore), Martin
Musikpädagoge und Komponist,
* wahrscheinlich 6.1.1486 Schwiebus,
† 10.6.1556 Magdeburg. (lutherisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Hans Sore (vermutlich).
Leben ↑
Aus begüterter und angesehener Ackerbürger-Familie des Kreises Schwiebus stammend, lief Agricola „vom Pflug weg in die Welt“ und kam 1519/20 nach Magdeburg. Bereits vorher stand er den Kreisen um Luther nahe, Freundschaft verband ihn mit Georg Rhaw. Nach Einführung der Reformation 1524 wurde er, wahrscheinlich bei Erweiterung der protestantischen Lateinschule, um 1527 erster Kantor in Magdeburg. Agricola ist einer der wichtigsten Musikschriftsteller des frühen Protestantismus. Seine größtenteils deutsch geschriebenen und mit vielen musikalischen Beispielen versehenen theoretischen Werke gehören zu den ersten und wichtigsten Zeugnissen der Schulmusik. Von seinen Kompositionen - vokalen und instrumentalen Kirchenliederbearbeitungen, Motetten
u. a. - sind viele durch die Wirren des 30jährigen Krieges verloren gegangen.
Werke ↑
Eyn kurtz deudsche Musica …, Wittenberg 1529,
31533 als Musica choralis deudsch …; Musica instrumentalis deudsch …, Wittenberg 1529 (völlige
Neubearb. 1545,
Neuausg. v. R.
Eitner,
|1896); Musica Figuralis …, Wittenberg 1532; Scholia in musicam planam …, Wittenberg 1538 (mit Anhang: Libellus de octo tonorum regularium compositione); Rudimenta musices, Wittenberg 1539; Ein Sangbuchlein aller Sontags Evangelien …, Magdeburg 1541
u. ö.; Duo libri musices …, Wittenberg 1561 (
v. S. Sack zusammengestellt, enthält auch Musica choralis u. Musica figuralis); Hymni aliquot sacri …, 1552; viele Kompositionen in zeitgenöss. Drucken; Werk-
Ms. in Leipzig, Dresden, Zwickau, Grimma, Heilbronn u. Regensburg;
Neuausg. v. J. Wolf u. H. Funck, s.
MGG.
Literatur ↑
ADB I;
A. Prüfer, Unters,
üb. außerkirchl. Kunstgesang in d.
ev. Schulen d. 16. Jh.s, 1890;
B. Engelke. Musikalisches aus unseres Herrgotts Kanzlei. 1924;
E. Valentin, Alt-Magdeburger Musikschrr., 1932;
H. Funck, M.
A., ein frühprot. Schulmeister, 1933;
T. Haapanen, Agricolan messu (Die finnische Messe M.
A.s vom Jahre 1549), Helsinki 1936;
W. Hillemann, Die Blockflöte bei S. Virdung, M.
A. u. M. Praetorius, in:
Ztschr. f. Hausmusik 6, 1937, S. 163 ff.;
B. Engelke, in:
MGG.
Autor ↑
Georg von DadelsenEmpfohlene Zitierweise ↑
Dadelsen, Georg von, „Agricola, Martin“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
102-103
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd119209314.html
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Agricola, Martin
Leben
| Autor
| Literatur
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Leben ↑
Agricola: Martin
A.
, Cantor und Musikdirector zu Magdeburg, gelehrter Musikschriftsteller und achtbarer Tonsetzer, geb. um 1486 zu Sorau
in Schlesien, † 10. Juni 1556. Anscheinend von geringer Herkunft und ganz ohne Mittel, trieb er
doch schon frühe wissenschaftliche Studien, als Hauptfach und mit
besonderem Eifer jedoch Musik. Einen "activum
praeceptorem" hat er dabei niemals gehabt, sondern war, nach
seinen eigenen Worten, ein "selbwachsen Musicus". Im J. 1510
wandte er sich nach Magdeburg, wo er sich durch Privatunterricht
in Musik und Wissenschaften mühsam forthalf, bis er 1524 an der
neuen öffentlichen Schule daselbst als Cantor und Musikdirector
angestellt wurde, in welchem Amte er bis zu seinem Tode auch
verblieb. Er war der erste protestantische Cantor zu Magdeburg,
und als solcher ein würdiger Vorgänger einer Reihe tüchtiger
Musiker (sein erster Amtsnachfolger war Gallus Dreßler). Sein
Schulamt brachte viel Arbeit und sehr wenig Lohn, so daß er sich
kümmerlich behelfen mußte; dennoch war er fleißig als
Musikschriftsteller und Tonsetzer, wodurch er sich auch bei
angesehenen Zeitgenossen und Nachkommen Anerkennung erwarb; Männer
wie Georg Rhaw, Friedrich Weissensee, Michael Prätorius, Wolfg.
Casp. Printz sprachen mit Achtung von ihm. Seine
|jetzt schon sehr seltenen Schriften, in denen er sich
zugleich als heftigen Gegner des Papstthums zeigt, müssen zu ihrer
Zeit ziemlich begehrt gewesen sein, wenigstens erlebten
verschiedene derselben, und noch nach seinem Tode, neue Auflagen.
Auch gegenwärtig haben sie immer noch geschichtlichen Werth, schon
weil sie zu den frühesten in Deutschland gedruckten Büchern über
Musik gehören; einige sind in Knittelversen abgefaßt und voll
belustigender Einfälle. Wichtig für die Instrumentenkunde ist noch
jetzt seine "Musica instrumentalis"; aber
das von Mattheson (Ephorus 124) ihm zugeschriebene Verdienst, "die
alte Tabulatur etc. abgeschafft" zu haben, hat er schwerlich
irgendwo anders gehabt als in Mattheson's Phantasie. Denn sowol
die Orgel- als besonders die Lauten-Tabulatur haben noch geraume
Zeit nach
A.
in schönster Blüthe gestanden, ihm ist die Abschaffung
der Tabulaturen auch gar nicht in den Sinn gekommen, sondern nur
die Beseitigung der älteren Lauten-Tabulatur, über deren
handwerksmäßige und zu weiterer Entwickelung unfähige
Beschaffenheit er sich in seinen Versen mit vielem Behagen und
komischer Derbheit hermacht, und an deren Stelle er die Anwendung
der besseren Orgel-Tabulatur auch auf die Laute vorschlägt (Musica instrum. von 1529, Cap. V. Blatt 28). Seine Biographie gab schon Elias
Casp. Reichard, bei Marpurg, Beiträge V.
125.
Literatur ↑
Seine fast sämmtlich bei G. Rhaw in Wittenberg gedruckten
Schriften, deren Inhalt man zum Theil bei Marpurg a. a. O.,
Forkel, Litteratur, und Gerber findet, sind: "Eine kurtz deutsche
Musica etc.", 1528; "Musica instrumentalis
deudsch", 1529, fernere Auflagen 1532 und sehr vermehrt 1545; "Musica figuralis deudsch", 1532, und
derselben angehängt: "Von den Proporcionibus etc."; "Rudimenta musices", 1539, 2. Ausg. unter dem
Titel "Questiones vulgariores in musicam"
(Magdeb., Lotther 1543); "Scholia in musicam
planam Wencesl. Philomatis de Nova Domo", 1540; angehängt
unter dem Verfassernamen Martinus Sore: "Libellus de octo Tonorum etc.", 1 Bogen in
Versen. Nach seinem Tode erschien eine neue Auflage der Schrift
von den Proportionen und den Rudimenten zusammen, 1561. —
Tonwerke: "Melodiae scholasticae sub horarum
interv. decantandae", Magdeb. 1512 (noch mehrfach wieder
aufgelegt); "Georgii Thymi Cantiones cum melod.
Mart. Agricolae et P. Schalenreuteri", Zwickau 1553. Die "123
Gesänge für die gemeinen Schulen", Wittenb. bei Rhaw 1544,
enthalten drei Tonsätze von
A.
Autor ↑
v. Dommer.
Empfohlene Zitierweise ↑
Dommer, Arrey von, „Agricola, Martin“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
150-151
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd119209314.html?anchor=adb
Agricola, Martin
Name: Agricola, Martin
Namensvariante: Sore, Martin
Lebensdaten: wahrscheinlich 1486 bis 1556
Geburtsort: Schwiebus
Sterbeort: Magdeburg
Beruf/Lebensstellung: Komponist; Musikpädagoge; Cantor
Konfession: katholisch; lutherisch
Autor NDB:
Dadelsen, Georg vonAutor ADB:
Dommer, Arrey vonPND: 119209314