<< Agricola, Johann
Agricola, Karl Josef Aloys >>
Agricola, Johann Friedrich (Pseudonym Olibrio)
Komponist, Kapellmeister und Musikschriftsteller,
* 4.1.1720 Dobitschen bei Altenburg,
† 2.12.1774 Berlin. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Johann Christoph Agricola, Fürstlich Altenburgischer Kammeragent und Gerichtsdirektor in Dobitschen;
M Maria Magdalena,
T des Kornschreibers M. Mancke in Giebichenstein;
⚭ 1751 Emilia Molteni, Opernsängerin (1721–80).
Leben ↑
|Agricola, 1738 an der Universität Leipzig immatrikuliert, war Schüler Johann Sebastian Bachs im Orgelspiel und in der Komposition, weitere Ausbildung erhielt er durch J. J. Quantz in Berlin. 1750 wurde er auf Grund seines Lustspielerfolges mit „Il Filosofo convinto in amore“ Hofkomponist König Friedrichs II. und 1759 Dirigent der königlichen Kapelle in Berlin (Nachfolger von K. H. Graun). Agricola wirkte auch als Sänger und wurde als guter Instrumentalist geschätzt. Als ständiger Mitarbeiter an der „Allgemeinen Deutschen Bibliothek“ nahm er vielfach gegen die deutsche Opernreform Glucks Stellung, auch gegen
F. W. Marpurg polemisierte er. Seine Kompositionen, mit denen er eine „natürliche“ Musik des Gefühls anstrebt, tragen keine sehr eigenen Züge und erreichen kaum den Durchschnitt der Berliner Schule. Von Bedeutung aber war seine Mitarbeit an J. G. Sulzers „Theorie der Schönen Künste“ und seine deutsche Bearbeitung von P. F. Tosis Gesangsschule (Opinioni de'cantori antichi, 1557); auch schrieb er mit Philipp Emanuel Bach den Nekrolog auf Johann Sebastian Bach.
Werke ↑
Weitere W Anleitung
z. Singekunst, übers, u. erläutert
v. Agricola nach P. F. Tosi, Berlin 1757; Kantate auf d. Sieg
v. Zorndorf, 1758; Schauspielmusik
z. Voltaires „Semiramis“, 1767; Beleuchtung
v. d. Frage
v. d. Vorzuge d. Melodie vor d. Harmonie, entstanden 1771,
gedr. in: K. F. Cramer,
Mgz. d. Musik II, Hamburg 1784–86;
s. a. MGG.
Literatur ↑
ADB I;
H. Wucherpfennig, J. F.
A., sein Leben u. seine Werke,
Diss. Berlin 1922
(ungedr.);
Auszug in:
Jb. d. Dissertationen d.
Phil. Fak. Berlin, 1926, S. 298 ff.;
F. Blume, in:
MGG.
Autor ↑
Rudolf ElversEmpfohlene Zitierweise ↑
Elvers, Rudolf, „Agricola, Johann Friedrich“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
101-102
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118917382.html
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Agricola, Karl Joseph Aloys >>
Agricola, Johann Friedrich
Leben
| Autor
| Literatur
| Zitierweise
Leben ↑
Agricola: Johann
Friedrich
A.
, Componist, Capellmeister und
Musikschriftsteller, geb. 4. Jan.
1720 auf dem Rittergute Dobitschen im Altenburgischen, †
nach Forkel, Bibl. I. S. 305 12. Nov.,
nach Schneider, Gesch. d. Berl. Oper S. 177 1. Dec. 1774.
Unterricht in der Musik empfing er schon seit dem fünften
Lebensjahre durch einen im Clavier- und Orgelspiele wohl
bewanderten Schulmeister Namens Martini. Ostern 1738 kam er nach
Leipzig auf die Universität und wurde zugleich Joh. Seb. Bach's
Schüler, zuerst auf dem Clavier und der Orgel, später in der
Composition, wobei sich ihm nebenher auch mancherlei Gelegenheit
zur praktischen Uebung darbot. Nachdem er inzwischen eine Reise
nach Dresden gemacht und dort Ostermusiken und Hasse'sche
Passionen gehört hatte, wandte er sich im Herbst 1741 nach Berlin,
wo er durch sein Orgelspiel sehr bald Aufmerksamkeit erregte und
fleißig Arien und Cantaten componirte, wobei ihn Quanz durch Rath
und Urtheil wesentlich förderte. Vorzugsweise wandte er sich dem
dramatischen Stile zu, worin nun besonders Graun und Hasse seine
Vorbilder wurden, wie es früher schon Händel und Telemann gewesen
waren. Daß er auch von den älteren und neueren Italienern selbst,
desgleichen von den Franzosen sich einige Kenntnisse verschaffte,
zeigen seine beiden Briefe des Olibrio über den italienischen und
französischen Geschmack (1749). Im Herbst 1750 brachte er ein
italienisches Scherzspiel, "Il Filosofo
convinto in amore", zu Potsdam mit Beifall auf die Bühne, in
Folge dessen er 1751 unter dem Titel eines Hofcomponisten in
königl. preußische Dienste aufgenommen wurde. Nachdem er noch ein
zweites Intermezzo, "La Ricamatrice", für
Potsdam geschrieben hatte, machte er eine zweite Reise nach
Dresden, wo er die Faustina und die Salimbeni hörte, Hasse kennen
lernte und in anregendem Umgange mit Pisendel stand. Im Sommer des
Jahres 1751 verheirathete er sich mit der ausgezeichneten Sängerin
Benedetta Emilia Molteni von der Berliner Hofoper (s. Burney,
Reise III. 61. 65). Seine erste große Oper
für die Berliner Bühne, "Cleofide" von
Metastasio, componirte er 1754; ihr folgte das Singspiel "Il tempio d'amore" 1755, "Achille in Seiroe"
1765 (mit Beifall), "Amore e Psyche"
1767 (ohne Glück zu machen), endlich "Oreste e Pylade" 1772, welche jedoch dem
Könige so wenig gefiel, daß sie erst in einer Umarbeitung unter
dem Titel "I Greci in Tauride" mit Erfolg
auf die Bühne kam. Daneben setzte
A.
Kirchencantaten und Instrumentalmusiken, unterrichtete
im Gesange, spielte Orgel, und entfaltete eine namhafte
schriftstellerische Thätigkeit; auch hatte er im Vereine mit Benda
Friedrichs Compositionen in Partitur auszuarbeiten, da der König
sich darauf beschränkte, nur die Melodien zu notiren und seine
Ideen für die weitere Ausführung durch schriftliche Notizen
anzudeuten. Als Graun 8. Aug. 1759 starb,
ging die Leitung der Capelle auf
A.
über, doch erhielt er nicht auch zugleich den
Capellmeistertitel. In dieser Wirksamkeit verblieb der fleißige
und vielseitig thätige Mann bis zu seinem Tode.
Mit seinen Compositionen hat er durchschnittlich nur sehr
mäßige Erfolge gehabt. Da er von der modern italienischen Manier
des Hasse und Graun völlig abhängig und überdieß weit schwächer an
Erfindung war, reichten seine sonst correcte Satztechnik und
manche angenehme Melodien nicht hin, selbst den besten unter
seinen Tonwerken mehr als vorübergehende Anerkennung zu
verschaffen. Bis auf den 21. Psalm und Choräle im Contrapunkt der
Octav sind auch alle Manuscript geblieben. Als Orgelspieler galt
er für den besten in Berlin, und ebenso war sein Ruf als
vortrefflicher Gesangmeister keineswegs unbegründet; wiewol L.
Schneider (a. a. O. 153) erzählt, der Sänger Concialini hätte sich
nur ungern dazu verstanden, bei
A.
den Achill in dessen gleichnamiger Oper einzustudiren,
"weil
A.
wol ein tüchtiger Instrumental-Componist war, aber zu
einem Gesangslehrer weder Talent noch Erfahrung besaß".
Jedenfalls aber zeugen seine Anmerkungen zum Tosi wenigstens von
guter Kenntniß des Gesanges, und Marpurg spricht auch in dieser
Beziehung mit großer Achtung von ihm. Seine Schriften endlich
verrathen Geist und Kenntnisse; ähnlich wie Scheibe war auch
A.
stärker in der Kritik als in der Production. Gedruckt
sind: die erwähnten zwei Briese des Olibrio an den kritischen
Musikus an der Spree (Marpurg), Berlin 1749; der zweite ist die
Antwort auf Marpurg's Entgegnung (Kritischer Musikus 1749, 25.
März ff.). Ferner verschiedene Aufsätze in Marpurg's Krit. Briefen
und in der Allgem. deutsch. Bibliothek; "Beleuchtung der Frage von
dem Vorzuge der Melodie für der Harmonie", in Cramer's Magaz. IV. 809; "Anleitung zur Singkunst, a. d.
Italien. des Herrn Peter Franz Tosi etc.", Berlin 1757. Es ist
dies das berühmte Werk "Opinioni de' Cantori
antichi e moderni etc.", welches der genannte große
Singmeister 1723 zu Bologna herausgab, von
A.
übersetzt und mit schätzbaren und ausführlichen
Anmerkungen und Zusätzen bereichert. Außerdem hat er Zusätze
geliefert zu Adlung's Mus. mech.
organoedi; auch als Mitarbeiter an Sulzer's Theorie wird er
genannt, augenscheinlich aber ohne allen Grund.
Literatur ↑
Marpurg's Beiträge I. 148.
Autor ↑
v. Dommer.
Empfohlene Zitierweise ↑
Dommer, Arrey von, „Agricola, Johann Friedrich“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
149-150
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118917382.html?anchor=adb
Agricola, Johann Friedrich
Name: Agricola, Johann Friedrich
Namensvariante: Olibrio
Lebensdaten: 1720 bis 1774
Geburtsort: Dobitschen bei Altenburg
Sterbeort: Berlin
Beruf/Lebensstellung: Komponist; Kapellmeister; Musikschriftsteller
Konfession: evangelisch
Autor NDB:
Elvers, RudolfAutor ADB:
Dommer, Arrey vonPND: 118917382