<< Kremser, Victor
Kress, Wilhelm >>
Krencker, Daniel
Bauforscher,
* 15.7.1874 Andolsheim (Oberelsaß),
† 10.11.1941 Berlin. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Martin (1840–1918),
D. theol., Pfarrer u.
Insp. d. Inspektion Lützelstein,
S d. Landwirts Sebastian in Lingolsheim, aus alter
elsäss. Bauernfam., u. d. Marie Mey;
M Eugénie (1841–75),
T d.
Joh. Daniel Scherb (1809–81), Pfarrer, seit 1860
Präs. d. Konsistoriums, u. d. Catharina Steib;
⚭ Gütersloh 1906 Johanna Jörgens, aus Westfalen; 2
S (1
⚔).
Leben ↑
K. besuchte das
prot. Gymnasium in Straßburg und leistete anschließend als Einjähriger den Militärdienst ab. In Straßburg studierte er 2 Semester Naturwissenschaften und Mathematik, 1894-98 an der
TH Berlin-Charlottenburg Architektur. 1898 trat er als Baumeister in den
preuß. Staatsdienst und leitete verschiedene Bauprojekte. Erste Gelegenheit zur archäologischen Bauforschung erhielt
K. bei seiner Teilnahme an der deutschen Expedition zur Erforschung der Bauten von Baalbek, Palmyra und anderen Städten in Syrien und Jordanien (1900–04), die unter der Leitung von O. Puchstein und B. Schulz stand. Ihr Ergebnis war die erste wissenschaftliche Beschreibung der
röm. Tempel jener Region. 1905/06 wurde
K. die technische Leitung der deutschen Expedition nach Aksum (Äthiopien) übertragen. Weitere Grabungen führte er 1907 in der Türkei bei der Erforschung der hethitischen Hauptstadt Bogazköy durch. In Deutschland war er anschließend bis 1912 Leiter des Hochbauamtes in Quedlinburg und wurde dann mit der Ausgrabung des
sog. „Kaiserpalastes“ von Trier beauftragt, bei der er nachweisen konnte, daß der Bau in Wirklichkeit eine Thermenanlage war. Seine dortige Tätigkeit wurde 1914-18 durch den Kriegsdienst als Hauptmann unterbrochen. In seiner Trierer Zeit entwarf er nach dem Krieg zahlreiche Kriegerdenkmäler für die Ortschaften in der Umgebung. 1922 wurde
K. auf den Lehrstuhl für Baugeschichte an der
TH Berlin berufen. Seit 1930 hatte er daneben eine Honorarpro
|fessur für Geschichte der Bau- und Gartenkunst an der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin. Neben der Lehrtätigkeit war
K.s wichtigste Aufgabe die Publikation der Expeditionsergebnisse der früheren Jahre, vor allem der
syr. Tempel, außerdem weitere Grabungstätigkeit im Vorderen Orient und die Nachprüfung früherer Ergebnisse an Ort und Stelle (1933 mit W. Zschietschmann in Syrien). Bedeutend wurde vor allem die Untersuchung der Tempel von Ankara und Aizanoi (Kleinasien) 1928, zusammen mit M. Schede. Hieraus ergab sich zum ersten Mal eine exakte Publikation des bedeutenden
röm. Baues von Ankara. Eine letzte Reise unternahm er 1939 nach Syrien und untersuchte dort die spätantike Monumentalanlage der Kirche des
hl. Simeon Stylites, was zu grundlegenden neuen Ergebnissen führte. – Mit seinen Forschungen zur
röm. und spätantiken Architektur hat
K. die Baugeschichte um wesentliche Kenntnisse bereichert. Durch die Expeditionen wurden zum ersten Mal größere Baukomplexe im Vorderen Orient der Erforschung der Architektur aus
röm. Zeit zugänglich gemacht. Die Untersuchung der Trierer Kaiserthermen veranlaßte
K. außerdem dazu, als erster eine umfassende Darstellung
röm. Thermenbauten zu bieten. Neben der Bauforschung war
K. sein Leben lang in Verbundenheit zu seiner
elsäss. Heimat mit deren kulturellen und politischen Angelegenheiten beschäftigt. Er wurde 1931 Vorsitzender des „Wissenschaftlichen Institutes der Elsaß-Lothringer im Reich an der
Univ. Frankfurt/Main“, dessen völkisch-nationale Ausrichtung er durch den Wunsch modifizierte, daß das Elsaß die „mögliche Brücke einer sehnsüchtig erwarteten Verständigung der beiden großen Nachbarvölker“ sein könnte (R. Schwander)
|Auszeichnungen ↑
Korr. Mitgl. d.
Dt. Archäolog.
Inst. 1910,
o. Mitgl. 1922;
Dr. phil. h. c.; Dr.-
Ing. E. h.Werke ↑
u. a.
Das
röm. Trier, 1923;
Die Trierer Kaiserthermen, 1929 (mit E.
Krüger);
Der Tempel in Ankara, 1936 (mit M. Schede);
Röm. Tempel in Syrien, Text u. Tafeln, 1938 (mit W. Zschietschmann);
Die Wallfahrtskirche d. Simeon Stylites in Kal'at Sim'ân, 1939. -
Nachaß: Dt. Archäolog.
Inst. Berlin.
Literatur ↑
R. Schwander, in: Elsaß-
lothr. Jb. 20, 1942, S. VII-XXVI
(W-Verz., P);
M. Schede, in:
Dt. Allg. Ztg. 80,
Nr. 553
v. 19.11.1941, Beibl.;
G. Rodenwaldt, in: Archäolog.
Anz. 1942, S. 389-91;
Wi. 1935
(W).
Autor ↑
Christoph SchwingensteinEmpfohlene Zitierweise ↑
Schwingenstein, Christoph, „Krencker, Daniel“,
in: Neue Deutsche Biographie
13
(1982), S.
8 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd101668139.html