Logo der Deutschen Biographie
schwarzer Menuepunkt Schnellsuche
schwarzer Menuepunkt Erweiterte Suche
roter Menuepunkt Namen A-Z
schwarzer Menuepunkt Aktuelles
schwarzer Menuepunkt Hilfe
schwarzer Menuepunkt Über das Projekt
schwarzer Menuepunkt Impressum

NDB-Artikel

<< Birkmaier, Anton     Birlinger, Anton >>

Birkmeyer, Karl von (persönlicher Adel)

Jurist, * 27.6.1847 Nürnberg, 29.2.1920 München. (evangelisch)


LebenWerkeLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Leben  
Familie bis Anfang des 17. Jahrhunderts nachweisbar in Neuffen bei Nürtingen; V Johann Matthäus, Arzt in Nürnberg, S des Gottlieb, Seifensieder und Magistratsrat, später in Ansbach, und der Kunigunda Johanna Paulina Gebhardt; M Rosette Seger; 1880 Marie, T des Kaufmanns, Bankiers und Magistratsrats Karl Pullich und der Josefina Kleespiess; 3 S, 3 T.
Birkmeyer studierte in München, Heidelberg und Würzburg, wurde 1874 in München außerordentlicher, 1877 ordentlicher Professor für Strafrecht und Zivilprozeß in Rostock und 1886 in München für Strafrecht, Strafprozeß und Rechtsphilosophie. Von 1903 ab gehörte er dem Komitee für die Vorarbeiten zur Revision des Strafgesetzbuchs an, das die „Vergleichenden Darstellungen des deutschen und ausländischen Strafrechts" in die Wege leitete (darin von Birkmeyer die Abschnitte „Teilnahme" und „Bestechung"). Er war 1881 Mitbegründer der „Mecklenburgischen Zeitschrift für Rechtspflege und Rechtswissenschaft", in München Mitglied der Schriftleitung der „Kritischen Vierteljahresschrift", ferner Mitarbeiter des „Archivs für Strafrecht" und des „Gerichtssaals". Mit Johannes Nagler begründete er die „Kritischen Beiträge zur Strafrechtsreform“, ferner gab er mit einem Stab von Mitarbeitern seine „Enzyklopädie der Rechtswissenschaft“ heraus (1901, 21904, darin von Birkmeyer Darstellung des Strafrechts und Militärstrafrechts).
Auf rechtsphilosophischem Gebiet war Birkmeyer Anhänger der idealistischen Rechtsphilosophie im Sinne von Heinrich Ahrens und Adolf Lasson. Er hielt eine materielle Bestimmung des Rechts im Sinne eines absoluten und ewigen Grundstocks von Regelungsinhalten für erforderlich. - Birkmeyer begründete eine eigene individualisierende Strafrechtstheorie der Kausalität (Ursache ist nicht jede, sondern nur die wirksamste Bedingung), die ihm auch als Unterbau für die Scheidung von Täterschaft und Beihilfe diente. Er trat ferner für die damals noch nicht allgemein anerkannte Trennung von Rechtswidrigkeit und Schuld ein. Am bekanntesten wurde Birkmeyer als einer der Hauptführer in dem leidenschaftlichen Streit zwischen der klassischen und der soziologischen Strafrechtsschule Franz von Liszts: er gehörte zu den entschiedensten Vertretern der Vergeltungsstrafe im Sinne der absoluten Strafrechtstheorie. Ausgehend von dem Gedanken, daß es absolute und ewige, über alle Zweckstrebungen erhabene Regelungen gibt, kämpfte er gegen Relativismus und Utilitarismus im Strafrecht. In der Zweck- und Sicherungsstrafe erblickte er eine Zersetzung, letztlich eine Abschaffung des Strafinstituts überhaupt.

Werke  
Weitere W Üb. d. Vermögen im jur. Sinne, 1879, Üb. Ursachenbegriff u. Kausalzusammenhang im Strafrecht, 1885; Die Lehre v. d. Teilnahme im Strafrecht, 1890; Grundriß z. Vorlesung üb. dt. Strafrecht, 1890, 71908; Dt. Strafprozeßrecht, 1898; Reform d. Urheberrechts, 1900; Gedanken z. bevorstehenden Reform d. dt. Strafgesetzgebung, 1902; Strafe u. sichernde Maßnahme, Rektoratsprogr. 1906; Was läßt v. Liszt vom Strafrecht übrig?, 1907; Die Teilnahme am Verbrechen, 1909; Stud. zu d. Hauptgrundsatz d. neuen Richtung im Strafrecht, 1909; Btrr. z. Kritik d. Vorentwurfs z. einem dt. Strafgesetzbuch I-III, 1910; Schuld u. Gefährlichkeit in ihrer Bedeutung f. d. Strafbemessung, 1914; Mitarb. an Holtzendorffs Rechtslex.

Literatur  
Chronik d. Univ. München, 1888/89-1920; Kukula; E. v. Beling, Zum 70. Geb. B.s, in: DJZ, 1917, S. 593; ders., ebenda, 1920, S. 374; ders., in: Krit. Vjschr. f. Gesetzgebung u. Rechtswiss., F. 3, Bd. 20, 1923, S. 307 ff. (L, W); E. Schmidt, Einführung in d. Gesch. d. dt. Strafrechtspflege, 1947, S. 357, 362, 364; DBJ II (Totenliste 1920, L).

Portraits  
Holzschnitt in: LIZ 105, 1895, S. 160.

Autor  
Dietrich Lang-Hinrichsen
Empfohlene Zitierweise  

Lang-Hinrichsen, Dietrich, „Birkmeyer, Karl von“, in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 258 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd116191791.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 2 (1955), S. 258

PND: 116191791
Artikel drucken

Index

Birkmeyer, Karl von

Name: Birkmeyer, Karl von
Lebensdaten: 1847 bis 1920
Geburtsort: Nürnberg
Sterbeort: München
Beruf/Lebensstellung: Jurist
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Lang-Hinrichsen, Dietrich
PND: 116191791

Weitere Informationen

Informationsangebote zu

Birkmeyer, Karl von

PND
116191791

Normdaten
Personennamendatei (PND)
Virtual International Authority File (VIAF)

Lexika

Professorenkataloge
Catalogus Professorum Rostochiensium

Bibliothekskataloge und Bibliographien
Bibliotheksverbund Bayern (BVB)
OPAC der BSB München
Rektoratsreden im 19. und 20. Jahrhundert

Nachlässe
Kalliope