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NDB-Artikel

<< Krauss, Friedrich Salomo     Krauß, Louis >>

Krauss, Georg Ritter von (bayerischer Personaladel 1905)

Lokomotivkonstrukteur, Industrieller, * 25.12.1826 Augsburg, 5.11.1906 München. (evangelisch)


GenealogieLebenAuszeichnungenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
V Joh. Georg (* 1789), Webermeister, S d. Goldschmieds Joh. Gottlieb in Mönchsdeggingen u. d. Anna Katharina Ostertag; M Anna Margarethe (* 1787), T d. Taglöhners Georg Stahl in Scholdach u. d. Eva Joh. Niemeyer; 1) 1853 Lydia Jacobine (* 1826), T d. Seifensiedermeisters Friedrich Jacob Vierlinger in Wassertrüdingen u. d. Margarethe Barbara Stark, 2) Neuhausen b. München 1878 Maria ( 1911), T d. Schreinermeisters Johann Römer in Zürich u. d. Anna Maria Egg; 1 S aus 1).

Leben  
Krauss besuchte die Polytechnische Schule in Augsburg und trat 1847 als Schlosser in die Lokomotivfabrik von J. A. Maffei in München ein. 1849 fand er eine Anstellung bei den Bayerisch Staatseisenbahnen, war zunächst 2 Jahre lang Lokomotivführer und wurde dann, nach Beförderung zum Obermaschinisten, mit der Aufsicht über den Fahrdienst und der Unterhaltung des Fahrzeugparkes der Linien um Kempten und Lindau betraut. 1857 berief ihn die Schweizer. Nordostbahn in Zürich auf den Posten des Leitenden Maschinenmeisters. In den Werkstätten dieser Bahn konnte er Lokomotiven ganz nach seinen eigenen Ideen bauen lassen. Diese Tätigkeit, der Krauss sehr selbständig und zum Teil in Zusammenarbeit mit Professoren des Polytechnikums nachging, ließ ihn den Entschluß fassen, Lokomotiven in eigener Werkstatt herzustellen.
Am 17.6.1866 gründete Krauss in München unter Mitwirkung von vorwiegend Augsburger Handels- und Industriekreisen angehörenden Freunden und Interessenten die Kommanditgesellschaft „Lokomotivfabrik Krauss & Comp.“, deren persönlich haftender Gesellschafter er selbst war. Der soeben ausgebrochene Krieg ließ die geschäftlichen Aussichten zunächst wenig günstig erscheinen, doch Krauss vermochte der anfänglichen Schwierigkeiten rasch Herr zu werden. 1867 stellte das Unternehmen seine erste Lokomotive auf der Weltausstellung in Paris vor und errang eine Goldene Medaille. Diese Lokomotive, die 2achsige Personenzug-Tendermaschine „Landwührden“, hat 1868-1900 bei der Oldenburgisch Staatsbahn in Dienst gestanden, wurde 1905 von Krauss dem Deutschen Museum vermacht und steht heute im Verkehrsmuseum in Nürnberg.
Für die Planung und Einrichtung der Werkstätten seiner Münchner Fabrik am „Marsfeld“ (Arnulf-, Ecke Maillingerstraße) hatte Krauss in Carl Linde, dem nachmaligen Schöpfer der Kältetechnik, einen tatkräftigen Ingenieur herangezogen, der der Firma zeit seines Lebens (nach Krausss Tod als dessen Nachfolger im Vorsitz des Aufsichtsrats) die Treue gehalten hat. Ein weiterer wichtiger Mitarbeiter Krausss war der Lokomotivkonstrukteur Richard Helmholtz. Schon bald nach dem Kriege von 1870/71 erwies sich die Fabrik für die Bewältigung der zahlreichen Aufträge, die vor allem von den Bayer, und Württemberg Staatsbahnen und verschiedenen österreichisch und ungarisch Bahnen kamen, als zu klein. Krauss richtete deshalb 1872 am Münchner Südbahnhof ein zweites Werk „Sendling“ ein, in dem vorwiegend kleine Lokomotiven für den Lokalbahn- und Werksverkehr hergestellt wurden. Schließlich wurde 1880 ein drittes Werk in Linz/Donau gebaut, wodurch Verzollungsprobleme bei der Lieferung nach Österreich und in den Balkanraum vermieden wurden. In diesen 3 Werkstätten wurden bis 1882 1000, bis 1894 3 000 und bis Ende 1906, Krausss Todesjahr, mehr als 5 500 Lokomotiven aller Größen gefertigt, von denen 2 200 ins Ausland geliefert wurden. Im Produktionsprogramm überwogen die kleinen Lokomotiven bis etwa 200 PS, die im Laufe der Zeit zur Spezialität des Unternehmens geworden waren und in denen sich das in|zwischen zu Weltruf gelangte „System Krauss“ (leichte Maschinen mit tiefem Schwerpunkt und Ausbildung des Rahmens als Wasserkasten) am besten realisieren ließ.
Um den Absatz seiner Lokomotiven zu steigern, hat Krauss den Bau von Sekundärbahnen gefördert und häufig auch deren Betrieb übernommen. Auf seine Initiative gehen zurück die „Feldabahn" (Salzungen-Vacha-Kaltennordheim) in der Rhön (1880, 44 km), die „Dampftrambahn" in München (von der Seidelstraße nach Nymphenburg, 1881, 4,5 km), die „Kremstalbahn" in Oberösterreich (1881–84, 61 km), die „Dampftramway“ in Wien (1884–86, 42 km) und die „Kaysersberger Talbahn“ am Ostrand der Vogesen (1885, 25 km). 1887 beteiligte sich Krauss mit seinem Unternehmen an der Gründung der „Lokalbahn Aktiengesellschaft, München“. Diese baute weitere Sekundärbahnen, unter anderem, und andere 1888 die Eisenbahn Murnau-Garmisch/Partenkirchen, 1890-98 die Isartalbahn ab Thalkirchen, im endgültigen Ausbau bis Bichl reichend, wo sie mit der Linie Tutzing-Kochel zusammentraf. 1904 wurde die Strecke Murnau-Oberammergau von der Lokalbahn Aktiengesellschaft als erste elektrische Einphasen-Wechselstrombahn Deutschlands von dem damaligen Oberingenieur Hermann Heimpel (1859–1939) eingerichtet und betrieben. So hat Krauss den Beginn der Vollbahn-Elektrifizierung noch erlebt.
Die Firma, die über vorbildliche Sozialeinrichtungen (Arbeiterunterstützungsfonds, Arbeiterwitwen- und Waisenkasse, Pensionskasse für Beamte) verfügte, beschäftigte um die Jahrhundertwende zeitweilig mehr als 2 000 Personen. 1887 war sie in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden, deren Aufsichtratsvorsitzender Krauss bis zu seinem Tode war. – 1931 wurde die Krauss Aktiengesellschaft mit der Firma f. A. Maffei vereinigt. Das neue Unternehmen führte seit 1940 den Namen Krauss-Maffei Aktiengesellschaft. Nach 1945 entwickelte es sich zu einem führenden Konzern des Maschinen- und Fahrzeugbaus mit breitem Produktionsprogramm, in dem der Lokomotivbau noch immer einen wichtigen Platz einnimmt.|

Auszeichnungen  
Dr.-Ing. E. h. (TH München 1905), Grashof-Denkmünze d. VDI (1896).

Werke  
Verbesserter Dampfkolben, in: Organ f. d. Fortschritte d. Eisenbahnwesens, 1856; Dampfkolben mit beseitigter Kolbenreinigung, ebd., 1857; Über Locomotivsteuerungen …, ebd., 1861; Über Construction d. Treib- u. Kuppelstangen …, ebd., 1865; Eisenbahnschienen und rollende Reibung, ebd., 1866; Einige Details v. d. Lokomotiven d. Oldenburg. Staatsbahn, ebd., 1868; Über d. v. d. Locomotivfabrik Krauss & Co. f. secundäre Eisenbahnen erbauten Locomotiven, ebd., 1871; Verfahren z. Wiederbefestigung losgewordener Bandagen v. Eisenbahnrädern, ebd., 1877; Engl. u. amerikan. Wagensystem, in: VDI-Zs., 1865.

Literatur  
Die 1 000. Locomotive d. Locomotivfabrik Krauss & Comp., 1882; Denkschr. z. Ablieferung d. Locomotive Nr. 3 000 d. Locomotivfabrik Krauss & Comp., 1882; Denkschr. z. Ablieferung d. Lokomotive Nr. 5 000, 1905 (P); 100 J. Krauss-Maffei, 1837–1937, 1937 (P); Münchens Großindustrie u. Großhandel, 21913; Matschoss, Technik, 1925; VDI-Zs. 1906, II, S. 2007; Die Lokomotive, Jg. 1906, S. 12.

Autor  
Johannes Pfeifer
Empfohlene Zitierweise  

Pfeifer, Johannes, „Krauss, Georg Ritter von“, in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 715 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd119470799.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 12 (1979), S. 715 f.

PND: 119470799
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Index

Krauss, Georg Ritter von

Name: Krauss, Georg Ritter von
Namensvariante: Krauss, Georg
Lebensdaten: 1826 bis 1906
Geburtsort: Augsburg
Sterbeort: München
Beruf/Lebensstellung: Lokomotivkonstrukteur; Industrieller
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Pfeifer, Johannes
PND: 119470799

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Krauss, Georg Ritter von

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119470799

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