<< Korodi, Lutz
Korsch, Karl >>
Korrodi, Eduard, Literaturkritiker
* 20.11.1885 Zürich,
† 4.9.1955 Zürich. (reformiert)
Genealogie
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| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Aus weitverzweigter
Fam. d.
Kt. Zürich (s.
NDB III;
HBLS, unter Corrodi);
V Hans Heinrich (1834–1910,
ref.), Lehrer;
M Maria Zurgilgen (
* 1852,
kath.) aus Sarnen (
Kt. Obwalden); ledig
Leben ↑
Korrodi besuchte das Gymnasium in Schwyz, studierte in Zürich und Berlin Germanistik und Kunstgeschichte und doktorierte 1910 bei Adolf Frey. Der Dissertation – einer Stiluntersuchung zu C. F. Meyer (1912) – war bereits eine Schrift über Enrica von Handel-Mazzetti vorangegangen (1909). Nach kurzer Tätigkeit im Lehramt und einem schriftstellerischen Versuch (Das poetische Zürich, 1913, mit Robert Faesi) wurde Korrodi 1915 zum Feuilleton-Redakteur der Neuen Zürcher Zeitung berufen, wo er rasch in die Rolle eines einflußreichen und umworbenen Kritikers hineinwuchs. Sein Wirken bis zum Rücktritt 1950 umfaßte die Zeit zweier Weltkriege, und so galt seine Sorge immer wieder einem schweizerischen Standpunkt zwischen Weltoffenheit und Seldwylerei sowie der Entdeckung und Förderung junger Talente. Den programmatischen „Schweizerischen Literaturbriefen" von 1918 folgte eine Essayreihe über die „Schweizer Dichtung der Gegenwart“ (1924) und die erste Fassung von „Geisteserbe der Schweiz“ (1929, Neufassung 1943), eine magistrale Anthologie angewandter Prosa seit Haller, die er hier als den eigentlichen Beitrag der Schweiz zur europäischen Geistesgeschichte zu versammeln suchte. Der hohen Zeit der Zwanzigerjahre, in denen Korrodi im Umgang und Austausch mit den großen Zeitgenossen stand (Gerhart Hauptmann, George, Hesse, Hofmannsthal, Thomas Mann, Carl J. Burckhardt), folgten die für seine Sensibilität qualvollen Ereignisse seit 1933. Hatte er
|eben noch mit seiner seit 1932 geplanten Briefsammlung die „Deutsch-Schweizerische Freundschaft“ (1934) beschworen, so mochte er auch die Literatur der Emigration nicht bedingungslos anerkennen; sein Aufsatz „Deutsche Literatur im Emigrantenzirkel“ (in: Neue Zürcher Zeitung von 26.1.1936) bewirkte einen offenen Brief Thomas Manns, der sich darin erstmals mit den Emigranten voll solidarisierte. Korrodi blieb darauf angewiesen, im Bunde mit Freunden wie Fritz Ernst, Robert Faesi, Max Rychner, Martin Bodmer die Balance zwischen einer „eigenkräftigen“ Schweiz und einem ersehnten Weltbürgertum durchzuhalten, so etwa auch in einer späten Zuwendung zum angelsächsischen Roman. Korrodi war ein Meister der knappen, brillanten, vielfach angeregten und anregenden Kritik, nervös und ahnungsreich im Spiel der Aperçus und Zitate, für das schweizerische Bewußtsein in schwieriger Zeit eine maßgebende, wenn auch nicht unbestrittene Instanz.
Werke ↑
Weitere W
u. a. Schweizer Biedermeier, Ausgew. Geschichten
v. David Hess u. Rudolphe Toepffer, 1936;
Goethe im Gespräch, 1944;
Erlebte
Lit., 1952;
Aufsätze
z. Schweizer
Lit.,
hrsg. v. H. Weder, 1962
(P).
Literatur ↑
Freundesgabe an E.
K., 1945;
W. Weber, in: Neue
Rdsch. 67, 1956;
H. Jacobi, in: Schweizer
Rdsch. 55, 1955/56;
Thomas Mann im Urteil s. Zeit,
hrsg. v. K. Schröter, 1969, S. 266 f.;
Thomas Mann,
Ges. Werke in 12
Bdn. XI, 1960, S. 788-93.
Portraits ↑
Gem. v. H. Sturzenegger,
Abb. in: Aufsätze
z. Schweizer
Lit., 1962.
Autor ↑
Max WehrliEmpfohlene Zitierweise ↑
Wehrli, Max, „Korrodi, Eduard, Literaturkritiker“,
in: Neue Deutsche Biographie
12
(1979), S.
598 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118881809.html