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Kornhäusel, Joseph

Architekt, * 13.2.1782 Wien, 31.10.1860 Wien. (katholisch)


GenealogieLebenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
V Georg (1752–97), Baumeister, Vorsteher d. Bau- u. Steinmetzinnung, S d. Maurerpoliers Thomas u. d. Susanna Beitzer; M Anna Josepha (1757–97), T d. Bierwirts Lorenz Schwaiger u. d. Susanna Landsteiner; 1) 1807 (?) Friederike N. N. ( 1814), 2) 1821 Eleonore Frimmel (Trimmel); kinderlos.

Leben  
Kornhäusel ging bei seinem Vater in die Lehre (1795 Freispruch als Maurergeselle). Über seine weitere Beschäftigung und Ausbildung herrscht Unklarheit. 1802 entwarf er in Wien das Hotel „Zur Kaiserin Elisabeth“ (1802-05, Weihburggasse 3). 1804 erfolgte die Eintragung als „Zögling“ des Bauhandwerks und begann die Ausbildung beim Baumeister Joseph Reymund. Kornhäusel legte keinerlei Meisterprüfung bei der Innung ab, möglicherweise jedoch eine Architektenprüfung an der Akademie. 1806 bewarb er sich als Architekt um die von der Akademie ausgeschriebene Architekturlehrkanzel in Krakau. Er gewann die Konkurrenz mit seinem Entwurf für eine Domkirche, verzichtete jedoch persönlicher Umstände wegen auf die Berufung. 1808 wurde Kornhäusel Mitglied der Akademie der bildenden Künste in Wien. Sein Gesuch (1807) um Mitgliedschaft stellt die wertvollste Quelle für sein Schaffen bis zu diesem Zeitpunkt dar; Um- und Neubauten von Wohnhäusern in Wien und Baden und Umbau von Schloß Jeutendorf. 1812 folgte er Joseph Hardtmuth als Baudirektor des Fürsten Johann I. von Liechtenstein, für den er verschiedene Bauten nach Hardtmuths Plänen fertigstellte (1812 Jagd-Rendezvous und Reistenkolonnade in Eisgrub) und Neubauten wie die Zubauten an Schloß Eisgrub (1814–17), das Teichschloß (1814–16) und den Apollotempel (1818–20) bei Eisgrub sowie den Husarentempel (1812/13) in Brühl errichtete. Für Baden entstanden das Stadttheater (1811/12, 1909 abgerissen) und das Rathaus (1813–15), in Wien das Theater in Hietzing (1816, nicht mehr erhalten). Nach Hohenbergs Tod bewarb sich Kornhäusel 1817 um die Direktorenstelle der Architekturschule der Wiener Akademie, die jedoch mit Peter Nobile besetzt wurde. 1818 reiste er nach Italien und in westeuropäische Länder und schied im selben Jahr aus dem Liechtensteinschen Dienst aus.
1820 begann sein eigentlicher Aufstieg. Kornhäusel entwarf für Erzherzog Karl Schloß Weilburg bei Baden (1820–23, 1945 abgebrannt), das man als sein Hauptwerk bezeichnen kann. Er fand zu einer ungewöhnlichen Synthese barocker und revolutionsklassizistischer Tendenzen: Über einem barock inspirierten Grundrißschema entstanden klar voneinander abgesetzte Baublöcke. Dazu kommt eine am bürgerlichen Wohnhaus orientierte Aufteilung meist kleiner Innenräume, deren Gestaltung bis ins kleinste Detail von ihm entworfen war. Joseph Klieber arbeitete als Bildhauer mit. – Die Veränderungen des Palais „Albertina“ auf der Augustinerbastei in Wien (1822–24) für denselben Bauherrn dokumentieren auch den Einbruch der bürgerlichen Grundhaltung der Zeit im Adelspalais: Intimere, weniger auf Repräsentation berechnete Räume lösten die von Montoyer um 1800 gestalteten ab.
Der Schwerpunkt von Kornhäusels Tätigkeit lag im bürgerlichen Wohnhausbau. In der Frühphase dominierten die kleinen Familienhäuser (1802–12), später trat Kornhäusel mit großen Miethausbauten hervor (1823-33), wobei er der lokalen Wiener Tradition verpflichtet war. Seine eigentliche Leistung liegt in der Entwicklung eines eigenen Zinshaustyps. Kornhäusel brachte die Gestaltungsprinzipien des strengen Mietshauskonzeptes der Zeit um 1800 mit den Schmuck- und Gliederungselementen der kleinen Wohnhäuser in Einklang. Barocke Gliederungsschemata wurden eliminiert, die rangmäßige Gleichheit aller Fassadenteile wurde zum Prinzip erhoben, der Mietshauscharakter sollte nicht verschleiert werden.
Kornhäusel trat nicht durch große Neuschöpfungen hervor, er war vielmehr ein Meister der Synthese traditioneller und ihrer Radikalität entkleideter moderner Elemente. Auseinandersetzungen mit modernen Richtungen (zum Beispiel dem Revolutionsklassizismus) fanden dort deutlich ihren Niederschlag, wo es sich um von der Tradition weniger abhängige Bauaufgaben handelte. So prägt das Arbeiten mit stereometrischen Blöcken Kornhäusels Zirkus- und Badebauten. Auch die freistehenden Villenbauten und Schloß Weilburg schließen stilistisch an diese Gruppe an. Bei den Theaterbauten orientierte er sich nicht|an den modernsten Lösungen. Auch hier folgte er der lokalen Tradition und setzte das kleine bürgerliche Theater in revolutionsklassizistische Formensprache um. – In die letzte Phase seines Schaffens fallen die Klosterbauten, bei denen es sich vor allem um Adaptionsunternehmungen handelte. Kornhäusels Verbundenheit mit barocker Tradition und seine auf Synthese beruhende Gestaltungsweise zeichneten ihn für diese Aufgaben aus. Nach Abschluß der Tätigkeit in Klosterneuburg (1842) zog er sich ins Privatleben zurück.
Kornhäusel war kein Architekt öffentlicher Bauten – seine Entwürfe für das Niederösterrische Landhaus (1828–31), die seinen bürgerlichen Wohnhausbauten entsprachen, wurden abgelehnt. Seine Bautätigkeit endete zu einem Zeitpunkt, da die bürgerlichen Elemente zurücktraten, der Verwaltungsbau zur herrschenden Bauaufgabe wurde. Er kann als der führende Repräsentant der Wiener Biedermeierarchitektur bezeichnet werden. Seine schlichte, klare Formensprache hebt sich deutlich von dem aufwendigen Neoklassizismus der Jahrhundertwende, wie ihn zum Beispiel L. Montoyer vertrat, ab. Die ihm näherstehende Grundhaltung der Revolutionsklassizisten, die Kornhäusel von Moreau in Wien vertrat, wird deutlich entschärft und mit Elementen der Lokaltradition verbunden.

Werke  
Weitere W u. a. in Wien: Zirkus Bach, Prater, 1807/08 (1852 abgerissen); Liechtensteinsches Lusthaus am Schüttel, 2, Jägerzeile 12, 1814-16; Parktor d. Liechtensteinschen Gartenpalastes, 1814; Josefstädtertheater, 1822; Bethaus d. Isr. Kultusgemeinde, Seitenstettengasse 4, 1823-26; Haus Franz Jäger u. Jos. Kornhäusel, Rechte Wienzeile 3, 1824/25; Haus f. dies., Seitenstettengasse 2, 1825-27; Seitenstettenerhof, Seitenstettengasse 5, 1825-27; Schottenkloster, Um- u. Neubau, 1826-35; Göttweiger-Hof, Spiegelgasse 6, Seilergasse 10, 1828/29. - in Baden: Haus Apollonius Hebenstreit, Theresiengasse 10, vor 1807; Haus Anton v. Jäger, Theresiengasse 8, 1810; Haus Karl Gf. Esterhazy, Pfarrgasse 7/Theaterplatz 1 (Emilienhof), 1810/11, Neubau nach Brand 1812; Sauerhof f. Karl Frhr. v. Doblhoff, 1820-22; Engelsbad f. dens., 1820-22. - in Klosterneuburg: Mechitaristenkloster mit St. Jakobskapelle, 1828-31; Fertigstellung d. Baukomplexes um d. NO-Hof d. Stifts im Anschluß an d. Pläne D. F. Allios, 1833-42.

Literatur  
E. Leisching, Kunst u. Industrie in Österreich vor 100 J., in: Kunst u. Kunsthandwerk 18, 1915, S. 1 ff.; P. Tausig, J. K., 1916; Kunsttopogr. Baden, 1924; E. Kaufmann, Die Kunst d. Stadt Baden, 1925; R. Wagner-Rieger, Das Wiener Bürgerhaus d. Barock u. Klassizismus, 1957; dies., Wiens Architektur im 19. Jh., 1970; dies., Gesch. d. Architektur in Wien: Vom Klassizismus b. z. Sezession, in: Gesch. d. Stadt Wien, NR VII, 1973; H. Schöny, Das angebl. K.-Porträt, in: Wiener Gesch.bll. 13-16, 1958-61, S. 347 ff.; H. Herzmansky, J. K., Diss. Wien 1964 (W-Verz.; ungedr.); ders., Die Baugesch. d. Albertina, 2. Forts.: Das Palais Erzhzg. Carl, in: Albertina Stud. 3, 1965, H. 3, S. 111 f.; Wurzbach XII; ThB; Wasmuths Lex. d. Baukunst III, 1931, S. 423; ÖBL (W, L); Dizionario Enciclopedico di Architettura e Urbanistica III, 1969, S. 303; W. G. Rizzi, J. K.s Wiener Bauten f. d. Fürsten Liechtenstein, in: Alte u. moderne Kunst, 22. Jg., H. 152, 1977, S. 23 ff.

Autor  
Renate Goebl
Empfohlene Zitierweise  

Goebl, Renate, „Kornhäusel, Joseph“, in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 593 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118841548.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 12 (1979), S. 593 f.

PND: 118841548
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Index

Kornhäusel, Joseph

Name: Kornhäusel, Joseph
Lebensdaten: 1782 bis 1860
Geburtsort: Wien
Sterbeort: Wien
Beruf/Lebensstellung: Architekt
Konfession: katholisch
Autor NDB: Goebl, Renate
PND: 118841548

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Kornhäusel, Joseph

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