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<<  Kopisch, August      Kopp.  >>

Kopitar, Bartholomäus (slowenisch Jernej)

Slavist und Bibliothekar, * 23.8.1780 Répnje (Oberkrain), 11.8.1844 Wien. (katholisch)


Genealogie | Leben | Werke | Literatur | Autor | Zitierweise

Genealogie  
V Jakob († 1795), Bauer, Dorfrichter; M N. N. († 1795); ledig.

Leben  
Nach Besuch des Gymnasiums in Laibach (1791–1800) besorgte Kopitar 8 Jahre lang Sekretärs- und Bibliothekarsarbeiten bei Baron Sigmund Zois, einem slowenischen Patrioten und Mäzen der jungen Literaten und Gelehrten. 1808-10 studierte er Jura in Wien; mehr interessierte ihn aber die slavische Philologie. Dank seiner Sprachkenntnisse wurde er 1810 Zensor für das slavische, neugriechische und später auch für das rumänische und albanische Schrifttum. Mit Hilfe J. M. Ossolińskis wurde er 1810 vierter Skriptor der Wiener Hofbibliothek, 1819 Leiter der Handschriftensammlung, 1827 zweiter Kustos, 1844 erster Kustos (= Direktor) und Hofrat. Besondere Verdienste um die Bibliothek erwarb er sich bei der Rückführung der in den napoleonischen Kriegen verschleppten Handschriften.
Kopitars erstes wissenschaftliches Werk, die „Grammatik der Slavischen Sprache in Krain, Kärnten und Steyermark“ (1808) mit kurzgefaßter slowenischer Literaturgeschichte hatte großen Erfolg und diente als Basis bei der Formierung der slowenischen Schriftsprache. Erst nach 30 Jahren erschien sein zweites Werk „Glagolita Clozianus“ (1836), die erste wissenschaftliche Edition zweier wichtiger kirchenslavischer Texte – eines glagolitischen Homiliars und der Freisinger Denkmäler – mit einer Wortliste und einer grammatikalischen, kultur- und sprachgeschichtlichen Charakteristik; 1839 edierte er noch eine Wiener mittelgriechische Handschrift mit russisch-kirchenslavischen Glossen „Hesychii Glossographi discipulus“. Kopitars weltoffene und kritische Persönlichkeit spiegelt sich in seiner umfangreichen Korrespondenz (herausgegeben von V. Jagić, M. Vasmer, J. J. Sreznevskij, F. Valjavec und anderen). Schon in Laibach korrespondierte er mit dem Vater der Slavistik, J. Dobrovský, später in Wien unter anderem mit W. von Humboldt, F. Schlegel, J. Grimm, A. Vostokov. Kopitars ‚pannonische’ Theorie über den Ursprung des Kirchenslavischen setzte sich nicht durch. Erfolgreich war er mit seinen scharfsinnigen Enthüllungen der Falsa alttschechischer Handschriften, die er V. Hanka zuschrieb. Unter den jungen tschechischen Gelehrten schätzte er P. J. Šafaůík und besonders F. Palacký. Große Verdienste um das serbische Schrifttum erwarb er sich durch die gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Hilfestellungen, die er dem Reformer der modernen serbokroatischen Schriftsprache, Vuk Stefanović Karadžić, leistete. Seine Abneigung gegen Rußland entstammte seiner austroslavischen kultur-politischen Konzeption. Vor allem für die katholischen Slawen sah er Wien als Zentrum des Austroslavismus, kritisierte die russophilen Tschechen (J. Dobrovský, J. Kolár) und wollte besonders die Südslaven noch enger an Wien binden. Seine Träume von einem Lehrstuhl für Slavistik an der Wiener Universität verwirklichte erst sein Schüler und Nachfolger F. Miklosich.

Werke  
Weitere W   Antitartar od. Herstellung d. Thatbestandes in Sachen d. Wiener Editio princeps (1834) d. ältesten Denkmales d. poln. Sprache, 1837;  Kleinere Schrr. sprachwiss., geschichtl., ethnograph. u. rechtshist. Inhalts, hrsg. v. F. Miklosich, 1857;  Jerneja Kopitarja spisi II, hrsg. V. R. Nahtigal, 2 Bde., 1944-45;  Aufsätze in: Ann. d. österr. Lit. u. Kunst, Vaterland. Bll., Wiener Allg. Lit.ztg., Wiener Jbb., u. a. -  Briefwechsel zw. Dobrowsky u. K., hrsg. v. V. Jagić, in: Istočniki dlja istorii slavajnskoj filologii, 2 Bde., 1885/97;  B. K.s Briefwechsel mit J. Grimm hrsg. v. M. Vasmer, 1938;  K.s Briefwechsel mit K. G. Rumy, hrsg. v. F. Valjavec, 1942;  Kopitarjeva spomenica, Sammelbd., hrsg. v. J. Marn, 1880.

Literatur  
  M. N. Petrovskij, Pervye gody dejatel’nosti B. K., 1906;  E. Winter, Eine grundlegende Urk. d. Austroslavismus, d. Brief B. K.s an Metternich, in: Zs. f. Slavistik 3, 1958, S. 107-24;  S. Hafner, Zwei Briefe d. Brüder Grimm an B. K., in: Welt d. Slawen 5, 1960, S. 182 ff.;  J. Pogačnik, J. K., 1977;  Wurzbach XII;  Slovenski biografski leksikon I, 1925, S. 496-513 (Bibliogr.)ÖBL;  J. Hahn, in: Biogr. Lex. z. Gesch. Südosteuropas, 1976.

Autor  
Josef Vintr
Empfohlene Zitierweise  

Vintr, Josef, „Kopitar, Bartholomäus“, in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 566 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd11856529X.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 12 (1979), S. 566


GND: 11856529X

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Index

Kopitar, Bartholomäus

Name: Kopitar, Bartholomäus
Namensvariante: Kopitar, Jernej
Lebensdaten: 1780 bis 1844
Geburtsort: Répnje (Oberkrain)
Sterbeort: Wien
Beruf/Lebensstellung: Slawist; Bibliothekar
Konfession: katholisch
Autor NDB: Vintr, Josef
GND: 11856529X

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