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Konrad von Gelnhausen

Theologe und Kanonist, * circa 1325 Gelnhausen, 13.4.1390 Heidelberg.


GenealogieLebenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
V Sifrid (Notar ?); M N. N.; 2 B.

Leben  
Konrad immatrikulierte sich im Herbst 1339 an der Sorbonne in Paris, erwarb im Frühjahr 1344 den Grad eines Bakkalars der freien Künste und vor 1347 das Lizentiat. An der Universität Bologna wurde er 1369 Prokurator der Deutschen Nation und schloß gegen 1375 seine juristischen Studien mit der Promotion zum doctor iuris ab. Nach Paris zurückgekehrt, erwarb er im Herbst 1378 den Grad eines Magisters der freien Künste. Als Doktor der Theologie verließ er 1381 Paris, erhielt Ende 1387 eine Professur an der neu gegründeten Universität Heidelberg und blieb bis zum Tode ihr erster Kanzler. Durch seine Stiftung legte er den Grundstock für die Heidelberger Bibliothek und ein Kolleg für 12 Magister.
Seine akademische Laufbahn sicherte ihm die Gunst geistlicher und weltlicher Fürsten. Papst Klemens VI. übertrug ihm 1347 auf Vorschlag des Mainzer Erzbischofs ein Kanonikat am Wormser Dom und auf Bitten des Landgrafen von Hessen eine Pfründe im Stift „Unserer Lieben Frau zu den Staffeln“ in Mainz. Innozenz VI. verlieh ihm 1357 auf Empfehlung Kaiser Karls IV. die Pfarrei Bonndorf (Südbaden) in Nachfolge des Freisinger Bischofs Albrecht von Hohenberg. Der päpstliche Nuntius, Bischof Philipp von Cavaillon, verwandte sich 1360 für den „clericus et servitor“ des Pfalzgrafen Ruprecht I. Papst Urban V. providierte Konrad 1363 zum Stiftsherrn an Sankt Johann in Lüttich. Als Inhaber der Wormser Dompropstei ist er seit 1378 nachzuweisen.
Im großen abendländischen Schisma suchte Konrad mit anderen deutschen Kollegen der Sorbonne (Heinrich Heinbuche von Langenstein, Marsilius von Inghen, Gerhard von Kalkar) einen Standpunkt über den streitenden Parteien einzunehmen. Schon 1378 trug er – wahrscheinlich auf Vermittlung Philipps de Maizières – mündlich Karl V. von Frankreich seine Ansichten zur Beilegung des Schismas vor, die er in der „Epistola Brevis“ schriftlich niederlegte. Die Fürsten sollten geschlossen beiden Päpsten die Obödienz verweigern und ein Allgemeines Konzil einberufen, auf dem die Papstfrage geklärt und die Kirchenreform behandelt werden sollte „… ut, quod omnes tangit, ab omnibus vel vice omnium tractaretur“. Vor allem die Kritik des Kardinals Pietro Amelii veranlaßle Konrad, seine Gedanken 1380 systematischer in der „Epistola Concordiae“ darzustellen, die neben dem deutschen und französischen König auch der Pfälzer Kurfürst erhielt. Als die Sorbonne für den Avignonenser Papst Klemens VII. Partei ergriff, verließ Konrad Paris.
Der Lösungsversuch Konrads für die Beilegung des abendländischen Schismas durch ein Konzil, das sich ohne die Autorität des Papstes versammelt, ist zeitgebunden. Konrad hat das Verdienst, daß er in einer einmaligen Situation der Kirche eine praktikable Notstandstheorie vorlegte und auch juristisch rechtfertigte. Seine Leitgedanken dazu entlehnte er den Werken Augustins und Thomas' von Aquin sowie Marsilius' von Padua und Wilhelms von Ockham. Heinrich Heinbuche von Langenstein, Pierre d'Ailly, Francesco Zarabella, Dietrich von Nieheim, Jean Gerson und andere griffen Konrads Gedanken auf und haben sie zum „Konziliarismus“ weiterentwickelt.

Werke  
Epistola Brevis (1379), ed. H. Kaiser, Der „kurze Brief“ d. K. v. G., in: HV 3, 1900, S. 379-94; Epistola Concordiae (1380), ed. E. Martène u. U. Durand, Thesaurus novus anecdotorum II, 1717, Sp. 1200-26; ungedr.: 2 theol. Unterss. (Qaestiones); Vorlesungen über d. Sentenzen u. z. Hohenlied; einige Predigten (Sermones).

Literatur  
A. Kneer, Die Entstehung d. konziliaren Theorie, Zur Gesch. d. Schismas u. d. kirchl. Schriftst. K. v. G. u. Heinrich v. Langenstein ( 1397), 1893; L. Schmitz, Ein Brief K. v. G. a. d. J. 1379, in: Röm. Quartalschr. 9, 1895, S. 185-89; K. Wenck, K. v. G. u. d. Qu. d. konziliaren Theorie, in: HZ 76, NF 40, 1896, S. 6-61; H. V. Sauerland, Vatikan. biograph. Notizen z. Gesch. d. XIV. u. XV. Jh., in: Jb. d. Ges. f. lothring. Gesch. u. Altertumskde. 13, 1901, S. 341, 18, 1906, S. 519 f., 21, 1909, S. 350; F. P. Bliemetzrieder, Das Generalkonzil im großen abendländ. Schisma, 1904; ders., Die wahre hist. Bedeutung K.s v. G. zu Beginn d. großen abendländ. Schismas, in: StMBO 28, 1907, S. 549-56; ders., Literar. Polemik zu Beginn d. großen abendländ. Schismas, 1910 (darin Epistolae Concordiae, S. 116-40); G. Ritter, Die Heidelberger Univ., 1936.

Autor  
Karl Hengst
Empfohlene Zitierweise  

Hengst, Karl, „Konrad von Gelnhausen“, in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 539 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118713922.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 12 (1979), S. 539

PND: 118713922
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Index

Konrad von Gelnhausen

Name: Konrad von Gelnhausen
Namensvariante: Konrad
Lebensdaten: um 1325 bis 1390
Geburtsort: Gelnhausen
Sterbeort: Heidelberg
Beruf/Lebensstellung: katholischer Theologe; Kanonist
Konfession: katholisch
Autor NDB: Hengst, Karl
PND: 118713922

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Konrad von Gelnhausen

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