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NDB-Artikel

<< Kolborn, Joseph Hieronymus Karl Freiherr von     Koldewey. >>

Kolde, Theodor Ritter von (bayerischer Personaladel 1910)

evangelischer Kirchenhistoriker, * 6.5.1850 Friedland (Oberschlesien), 21.10.1913 Erlangen.


GenealogieLebenWerkeLiteraturQuellenPortraitsNachlassAutorZitierweise

Genealogie  
V Carl K. (1816-86), Pfarrer in Schlesien (s. DW); M Marie (1824–1908), T d. August Hahn ( 1863), Prof. d. Theol. u. Gen.sup. in Breslau (s. NDB VII) u. d. Christiane v. Brück; Vt Max (1854–89), Prof. d. Architektur a. d. TH Hannover; - Hamburg 1881 Anna Piper (1852–1936) aus Ledbury/England; 4 S (1 früh , 1 ), 3 T , u. a. Gerhard (1888–1914), Vikar (s. DW), Erich (* 1892, 1916), stud. phil. (s. W).

Leben  
Nach drückenden Jugend- und Schülerjahren im elterlichen Pfarrhaus und dem Gymnasium in Öls empfing Kolde als Student in Breslau (1869/70) und Leipzig (1871/72) die entscheidende Prägung durch den Kirchenhistoriker Hermann Reuter. Ihm verdankte er die Beherrschung der historischen Methode und die geschichtstheoretische Verankerung in der Rankeschen Tradition. Das führte ihn zu umfangreichen Quellenstudien auf ausgedehnten Archiv- und Bibliotheksreisen sowie zur monographisch-biographischen Einzelforschung. So trat der theologische Charakter der Kirchengeschichte, deren engen Zusammenhang mit der Profangeschichte Kolde stets betonte, bei ihm ganz zurück. Von Reuter wurden auch seine ersten Arbeiten im Gebiet der Reformationsgeschichte angeregt: die Hallenser Dissertation (1873/74) über den Kanzler Gregor Brück, die durch ein Stipendium des preußischen Kultusministers ermöglichte Habilitation in Marburg (1876) über Luthers Stellung zu Konzil und Kirche sowie ein grundlegendes Werk über Johann von Staupitz. Obwohl durch seine Analecta Lutherana (1883) auch als Editor ausgewiesen, beteiligte Kolde sich nicht an der Weimarer Lutherausgabe, begleitete sie aber ständig mit zuweilen scharfer Kritik. Seine für einen weiteren Leserkreis gedachte, gleichwohl gut fundierte 2bändige Lutherbiographie (1884/93) blieb im Schatten des größeren Werkes von Köstlin(-Kawerau). Die Berufung auf das Erlanger Ordinariat (1880) brachte Kolde die ersehnte Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistungen und befreite ihn von ständigen finanziellen Sorgen. In Erlangen schuf sich Kolde bei einer Lehrtätigkeit, die alle Gebiete der historischen Theologie (einschließlich Missionswissenschaft) umfaßte, zwei neue Arbeitsgebiete neben der Reformationsgeschichte. Aus dem Wunsch nach einem lebendigeren Gemeindeleben resultierte sein Interesse an den englischen Sekten, die er in der Heimat seiner Frau intensiv und durch eigene Anschauung studierte. Mit der Gründung des Vereins und einer eigenen Zeitschrift (Beiträge zur bayerischen Kirchengeschichte, 1895 ff.) wurde Kolde zum eigentlichen Initiator der bayerischen Kirchengeschichtsforschung, zu der er selbst und seine Schüler grundlegende Beiträge leisteten. Von den kirchenpolitischen Gruppierungen hielt er sich bewußt fern, konnte aber in der konfessionellen Auseinandersetzung als Redner des Evangelischen Bundes scharfe Töne anschlagen. Politisch den Nationalliberalen nahestehend, wehrte er sich gegen konservative Versuche, den kirchlichen Einfluß auf die theologischen Fakultäten auszudehnen. Seiner Universität, der er als Rektor und langjähriges Mitglied des Verwaltungsausschusses diente, verbunden, lehnte er einen Ruf nach Göttingen ab und setzte ihr mit seiner Universitätsgeschichte (1910) ein Denkmal.

Werke  
Bibliogr. v. Erich Kolde (S), in: Btrr. z. bayer. KG 20, 1914, S. 123-66, 229 f. |

Nachlass  
Nachlaß: Univ.-bibl. Erlangen; vgl. A. Dietzel, Th. v. K.s Briefnachlaß in d. Univ.bibl. Erlangen, in: Zs. f. bayer. KG 29, 1960, S. 252.

Literatur  
Schülerj., Erlebnisse u. Urteile namhafter Zeitgenossen, hrsg. v. A. Graf, 1911, S. 118-29; K. Schornbaum, in: Btrr. z. bayer. KG 20, 1914, S. 97-122 (P); ders., in: Ll. aus Franken II, 1922, S. 234-44; H. Jordan, Th. K., ein dt. Kirchenhistoriker, 1914; BJ 18, S. 142-47; H. Volz, in: D.|Martin Luthers Werke, Krit. Gesamtausg., Briefwechsel 14. Bd., 1970, S. 558-62, 569 f., 630. |

Quellen  
Qu.: Univ.archive Halle, Marburg u. Erlangen.

Portraits  
Ölgem. (Inst. f. Hist. Theol. d. Univ. Erlangen).

Autor  
Gottfried Seebaß
Empfohlene Zitierweise  

Seebaß, Gottfried, „Kolde, Theodor Ritter von“, in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 457 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd116314117.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 12 (1979), S. 457 f.

PND: 116314117
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Index

Kolde, Theodor Ritter von

Name: Kolde, Theodor Ritter von
Namensvariante: Kolde, Theodor
Lebensdaten: 1850 bis 1913
Geburtsort: Friedland (Oberschlesien)
Sterbeort: Erlangen
Beruf/Lebensstellung: evangelischer Kirchenhistoriker
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Seebaß, Gottfried
PND: 116314117

Weitere Informationen

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Kolde, Theodor Ritter von

PND
116314117

Normdaten
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