<< Kohlrausch, Eduard
Kohlschütter. >>
Kohlrausch, Friedrich
Physiker,
* 14.10.1840 Rinteln/Weser,
† 17.1.1910 Marburg/Lahn.
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Rudolf (1809–59),
Prof. d. Physik, ihm gelang 1856 mit
Wilh. Weber d. Zurückführung d. Stromintensitätsmessungen auf mechan. Maß (s.
ADB 16;
Pogg. I),
S d. Friedrich (
† 1867, s.
Einl.);
M Marie,
T d. Apothekers Dempwolff in Lüneburg;
⚭ Göttingen 1867 Hermine,
T d. Arztes Dr. Eduard Schilling in Frankfurt; 1
S, 4
T , Eduard (s. 1), Marie (
⚭ Wilhelm Hallwachs,
† 1922, Physiker, s.
NDB VII).
Leben ↑
Kohlrausch studierte 1858-62 Physik in Erlangen und Göttingen. Er war Schüler von W. von Beetz (Erlangen) und von W. Weber, bei dem er 1863 mit der Arbeit „Über die elastische Nachwirkung bei der Torsion“ (in:
Pogg. Annalen 119, 1863) promoviert wurde. Nach einer Zwischentätigkeit als Dozent des physikalischen Vereins in Frankfurt/Main (1864–66) kehrte Kohlrausch als Privatdozent und Assistent Webers nach Göttingen zurück, 1867 wurde er außerordentlicher Professor. Kohlrauschs exakte experimentelle Arbeiten, das von ihm neu geschaffene physikalische Praktikum, das anderen Instituten als Vorbild diente, wie auch seine hervorragenden Fähigkeiten als Forscher und Lehrer machten ihn bald so bekannt, daß er wiederholt zwischen mehreren gleichzeitigen Berufungen zu entscheiden hatte. Er lehrte nacheinander an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (1870), der Technischen Hochschule Darmstadt (1871), der Universität Würzburg (1875) und der Universität Straßburg (1888). Die für ihn wohl schaffensfroheste und glücklichste Zeit waren die Jahre in Würzburg. Seine letzte Entscheidung, Übernahme eines Lehrstuhls in Bonn oder Berlin oder die Leitung der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt (PTR) als Nachfolger von H. von Helmholtz, fiel zugunsten der PTR aus, als deren Präsident Kohlrausch 1895-1905 wirkte. 1899 kam noch eine Honorarprofessur an der Universität Berlin hinzu. Die letzten 5 Lebensjahre verbrachte Kohlrausch in Marburg.
Die Schwerpunkte der Arbeiten von Kohlrausch liegen auf dem Gebiet physikalischer Präzisionsmessungen, beginnend mit Fragen der elastischen Nachwirkung, vor allem aber der fundamentalen (absoluten) Bestimmung von elektrischen und magnetischen Größen, besonders von Widerstand und Strom; es folgen zahlreiche wichtige Untersuchungen über die elektrolytische Leitung sowohl des reinen Wassers wie verdünnter und starker Elektrolyte (1876 „Gesetz von der unabhängigen Beweglichkeit der Ionen“), schließlich grundsätzliche Fragen der allgemeinen Meßkunde, darunter mit seinem Bruder Wilhelm erarbeitete wesentliche Befunde (Das elektrochemische Äquivalent des Silbers, in: Wiedemann's Annalen Phys. Chem. 27, 1886).
Aus dem letzten Bereich heraus entwickelte sich „der Kohlrausch“, bis heute ein Lehrbuch von hervorragender Bedeutung, das auch die Einrichtung von physikalischen Übungen an den deutschen Universitäten
|maßgebend beeinflußt hat: Erstauflage (1870) als „Kleiner Leitfaden der praktischen Physik“ (123 S.), seit Kohlrauschs letzter eigener Auflage (
111910) „Lehrbuch der praktischen Physik“, seit letzter = 22. Auflage (1968) als „Kohlrausch, Praktische Physik“ (3 Bände, circa 1 500 S. und 169 Tabelle).
|Auszeichnungen ↑
Mitgl. d. Ak. d. Wiss. Göttingen (1867), München (1877), Berlin (1895,
Ehrenmitgl. 1905)
u. Turin; Orden Pour le mérite
f. Wiss. u. Künste (1896).
Werke ↑
Weitere W u. a.
Gesammelte
Abhh. v. F.
K., I/II,
hrsg. v. W. Hallwachs, A. Heydweiler,
K. Strecker, O. Wiener, 1910 f.
(Biogr., P);
Das Leitvermögen d. Elektrolyte,
insbes. d. Lösungen (mit L. Holborn), 1898,
21916;
Elektrochem. Äquivalent u. Temperatur (mit R. H. Weber), in:
Ann. d. Physik 26, 1908;
Über Ionenbeweglichkeiten in Wasser, in:
Zs. Elektrochemie 13, 1907.
Literatur ↑
E. Warburg, in:
Verhh. d.
Dt. Physikal.
Ges. 12, 1910, S. 911 f.;
L. Holborn, in: Elektrotechn.
Zs. 9, 1910;
E. Riecke, in: Physikal.
Zs. 11, 1910, S. 73;
W. Wien, in:
Ann. d. Physik, 4. Folge 31, 1910, S. 3 f.;
W. C.
v. Roentgen, in:
SB d.
math.-physikal.
Kl. d.
Bayer. Ak. d. Wiss. v. 9.3.1910, 1910, S. 26-28;
F. Rosenberger,
Gesch. d. Physik, T. 3, 1887/89, S. 615 f.;
F. Auerbach,
Entwicklungsgesch. d. mod. Physik, 1923;
Pogg. III-VI;
BJ 15 (
Tl. 1910).
Portraits ↑
Forschung u. Prüfung - 50 J. PTR, 1937;
Bildnisse berühmter
Mitgl. d.
Dt. Ak. d. Wiss. zu Berlin, 1950;
Forschung u. Prüfung, 75 J. PTB/PTR, 1962.
Autor ↑
Walter FritzEmpfohlene Zitierweise ↑
Fritz, Walter, „Kohlrausch, Friedrich“,
in: Neue Deutsche Biographie
12
(1979), S.
430-431
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118777718.html