<< Bie, Oskar
Biederlack, Franz Joseph Bernhard >>
Bieber, Friedrich Julius
Afrikaforscher,
* 24.2.1873 Wien,
† 3.3.1924 Wien. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Friedrich (1340–66), Bankbeamter;
M Anna Hainisch (1844–1898);
⚭ Wien 1901 Berta Billik (1873–1952); 2
S.
Leben ↑
Schon der Halbwüchsige durchwanderte auf abenteuerlichen Wegen den Balkan bis in die Türkei. Zurückgekehrt, trat er in einer Buchhandlung eine Stelle an. Hier lernte er im Buch Abessinien und das sagenhafte Kaffa kennen. Von nun an widmete sich Bieber, der inzwischen Offizial im Handelsministerium geworden war, mit voller Energie dem Studium des Amharischen und erarbeitete sich schon nach wenigen Jahren den Ruf eines ersten Fachmannes der Abessinienkunde. 1904 fuhr er nach Abessinien, um dort das Handelsabkommen mit Österreich, das 1905 abgeschlossen wurde, vorzubereiten. Von Kaiser Menelik II., dessen Gunst er sich erwarb, erhielt er die Erlaubnis, Kaffa - damals schon eine Provinz Abessiniens - besuchen zu dürfen. Bieber war der erste Europäer, der dieses uralte Kaiserreich mit seiner hohen Kultur betrat. Das äußerst grausame und kriegerische Volk der Kaffitscho hatte sich hermetisch von seiner Umwelt abgeschlossen und seine urtümlichen Sitten und Gebräuche ganz rein bewahrt. Sein Staats- und Religionswesen gipfelte in einem Gott-Kaiser und einem ausgeprägten Phalluskult. Die reiche und umfassende völkerkundliche Sammlung, die Bieber mitbrachte, gehört zu den größten Kostbarkeiten und gibt einen Einblick in eine Kultur, die endgültig der Vergangenheit angehört, da Kaffa heute vollständig in Abessinien aufgegangen ist. Die Sammlung, im Besitz des Sohnes, befindet sich zum größten Teil als Leihgabe im Museum für Völkerkunde in Wien. Neben der Sammeltätigkeit Biebers sind seine Sprachforschungen, seine Grammatik und Wörterbuch der Kaffasprache von größter Bedeutung, wie auch seine kartographischen Aufnahmen des Reiches Kaffa die ersten aus diesem Gebiet waren. Seine reiche wissenschaftliche Bibliothek erwarb nach Biebers Tod das Hamburger Völkerkundemuseum.
Werke ↑
Das Hochland
v. Südäthiopien, 1908; Das Land Kaffa u. seine Bewohner,
Btrr. z. Ethnogr. Nordost-Afrikas, in: Revue des études ethnographiques et sociologiques, Paris 1909; Die geistige Kultur d. Kaffitscho, ebenda 1909; Kaffa,
Nachrr. üb. Land u. Volk, Sitte u. Brauch d. Kaffitscho u. d.
Gesch. d. Kaiserreiches Kaffa in Innerafrika, 1916;
Gesch. d. Könige
v. Kaffa, Überlieferungen d. Kaffitscho
od. Gonga, in:
Mitt. d. Seminars f.
oriental. Sprachen,
Bd. 19, 1916,
Abt. II; Kaffa, ein altkuschit. Volkstum in Innerafrika, 2
Bde., Wien 1920–23;
Gesch. d. kaffaisch-äthiop. Krieges, Eine Überlieferung d. Kaffitscho
od. Gonga. Übers, u. erläutert, in:
Mitt. d. Seminars f.
oriental. Sprachen,
Bd. 23-24, 1922,
Abt. II.
Literatur ↑
O. Bieber, Geheimnisvolles Kaffa, Wien 1948
(vollst. W-Verz);
Mitt. d. Anthropolog.
Ges., Wien 1924, S. 22.
Portraits ↑
ölgem.
v. O. Rainer (im Besitz d.
S Otto
B.);
Phot. (
Mus. f.
Völkerkde. Wien).
Autor ↑
Annemarie Schweeger-HefelEmpfohlene Zitierweise ↑
Schweeger-Hefel, Annemarie, „Bieber, Friedrich Julius“,
in: Neue Deutsche Biographie
2
(1955), S.
220
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118663046.html
Bieber, Friedrich
Name: Bieber, Friedrich
Namensvariante: Bieber, Friedrich Julius
Lebensdaten: 1873 bis 1924
Geburtsort: Wien
Sterbeort: Wien
Beruf/Lebensstellung: Afrikaforscher
Konfession: evangelisch
Autor NDB:
Schweeger-Hefel, AnnemariePND: 118663046