<< Könneritz, Heinrich
Koepchen, Arthur >>
Könneritz, Julius Traugott
sächsischer Minister,
* 31.5.1792 Merseburg,
† 28.10.1866 Dresden (lutherisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Hans (1753–1829), auf Lossa,
sächs. Landstallmeister im Hochstift Merseburg;
M Armgard (1768–1837),
T d.
Joh. Jakob
Gf. v. Hohenthal (1740–1802), auf Hohenprießnitz
usw.,
kursächs. Kammerdir. zu Merseburg, Domdechant zu Zeitz, u. d.
Joh. Christiane Luise
v. Wuthenau;
Groß-Om Peter Friedrich
Gf. v. Hohenthal (1735–1819),
kursächs. GR u.
Konferenzmin., seit 1779 Reichstagsgesandter (s.
NDB IX);
B Hans
Gf. v. K. (
belg. Gf. 1852, 1790-1863),
sächs. Gesandter in Madrid, Paris, Brüssel, Berlin u. Hannover, Eduard (1802–75),
sächs. WGR,
Präs. d.
ev.-
luth. Landeskonsistoriums;
Vt Karl Hans August (1794–1871),
preuß. Gen.-Lt. (s.
Priesdorff VI, S. 335); -
⚭ 1819 Marianne Wilhelmine (1801–63),
T d. Friedrich
Gf. v. Wallwitz, auf Schmorkau
usw., u. d. Wilhelmine Luise
Gfn. v. d. Schulenburg; 5
T ;
N Hans (1820–1911),
sächs. Gesandter in München u. Stuttgart (1864–66), in Berlin (1866–75), 1873-91 Oberhofmarschall (s.
Wi. 1911;
BJ 16,
Tl.), Richard
Gf. (1828–1910),
Dr. iur. h. c., Diplomat, dann
Präs. d. I.
sächs. Kammer (s.
BJ 15,
Tl.), Léonce (1835–90,
⚭ Maria,
T d. Staatsmanns Friedrich
Gf. v. Beust,
† 1886, s.
NDB II), 1876-90
sächs. Finanzmin., Anna (
⚭ Albrecht
Gf. v. Bernstorff,
† 1873,
preuß. Diplomat, s.
NDB II).
Leben ↑
Könneritz besuchte 1804-08 die Fürstenschule Pforta und studierte 1808-11 in Wittenberg Rechtswissenschaft. Seit 1811 war er in Leipzig beim Kreisamt und als Auditor beim Oberhofgericht tätig, seit 1812 in Merseburg beim dortigen Kammerkollegium. Von Februar bis September 1814 nahm er im sächsischen Husarenregiment als Volontäroffizier am Feldzug nach Belgien teil. Nach seinem 2. Examen war er seit Ende 1814 Assessor der Landesregierung in Dresden. Obgleich seine Heimatstadt Merseburg 1815 preußisch wurde, blieb Könneritz im sächsischen Dienst. 1817 wurde er Supernumerar-Hof- und Justizrat der Landesregierung. Ein schneller, steiler Aufstieg führte den tüchtigen und fleißigen Juristen 1818 als Amtshauptmann nach Grimma, 1821 als Rat an das Appellationsgericht nach Dresden, 1825 als Hof- und Justizrat in die Landesregierung und 1828 als vortragenden Rat ins Geheime Kabinett, wo er den leitenden Minister Detlev Graf Einsiedel in den inneren Angelegenheiten vertrat. Nach Einsiedels Sturz infolge der Volksbewegung von 1830 wurde Könneritz Kanzler der Landesregierung und Mitglied des Geheimen Rates. 1831 trat er als Justizminister in die von dem Liberalen Bernhard August von Lindenau geführte Regierung ein und übernahm bis 1833 auch das Hausministerium. An der lebhaften Reformtätigkeit dieser Regierung beteiligte sich Könneritz auf dem Gebiet des Justizwesens mit Sachkenntnis und Energie. Durch vier Organisations- und Kompetenzgesetze von 1835 wurden Justiz und Verwaltung in den zentralen und mittleren Behörden getrennt, ein Verwaltungsjustizverfahren geschaffen und im Gerichtswesen ein fester, straffer Drei-Instanzenzug mit einem einzigen obersten Gericht eingeführt. Die privilegierten Gerichtsstände wurden dagegen nur eingeschränkt, so daß weiterhin eine große Ungleichheit bestehen blieb. Die von der Regierung vorgeschlagene und von der Zweiten Kammer gewünschte Aufhebung der Patrimonialgerichte sowie Trennung von Justiz und Verwaltung bei den unteren staatlichen Behörden wurden infolge der Ablehnung der Ersten Kammer um Jahrzehnte hinausgeschoben. Könneritz hatte Anteil an dem vom Geheimen Justizrat Johann Carl Groß (1778–1866, siehe Literatur) bearbeiteten sächsischen Kriminalgesetzbuch von 1838 und insbesondere an der jahrzehntelangen Vorbereitung des Bürgerlichen Gesetzbuches von 1863/65. – Mit Lindenau arbeitete der gemäßigt konservative Könneritz zunächst gut zusammen. Aber schon 1831 setzten er und der Finanzminister Heinrich Anton von Zeschau unter dem Druck der benachbarten Großmächte ein wesentlich schärferes Vorgehen gegen die Volksbewegung durch. Die beiden Minister gewannen immer mehr Einfluß. Etwa seit 1840 wollten sie in zunehmend konservativer Haltung über die einmal durchgeführten Reformen keinen Schritt mehr hinausgehen. Als die fortschrittliche Mehrheit der Zweiten Kammer für die Öffentlichkeit und Mündlichkeit des Strafprozeßverfahrens sowie für die Einführung von Geschworenengerichten kämpfte, widersetzte sich Könneritz hartnäckig. Diese Fragen wurden bis 1848 innenpolitische Hauptstreitpunkte. – Nach Lindenaus Rücktritt war Könneritz 1843-48 Vorsitzender des Gesamtministeriums. 1846 gab er das Justizministerium an Albert von Carlowitz ab. Könneritz geriet in einen immer schärferen Gegensatz zu den fortschrittlichen Kräften im Lande, die ihn als die „Säule der Reaktion“ bekämpften. Dazu trug bei, daß Könneritz im Gegensatz zu seinem Vorgänger keine beliebte, schwungvolle und mitreißende Persönlichkeit war. Er war ein sachlicher und strenger Vorgesetzter und wirkte im Umgang kühl. Sein formaljuristisches Denken führte bei Regierungsentscheidungen zu einer gewissen Ängstlichkeit. Die Revolution von 1848 veranlaßte am 13. März den Sturz des Ministers und seiner Regierung. – Danach lebte Könneritz meist auf seinem Rittergut Lossa bei Wurzen. Er war Mitglied des sächsischen Staatsrates und des Staatsgerichtshofes.
|Werke ↑
Aufsätze
üb. d.
Fam. v. K. im 16.
Jh., in: Archiv f. d.
sächs. Gesch. 4-6, 1866-68.
Literatur ↑
C. D.
v. Witzleben, J. T. J.
v. K., in: Archiv f. d.
sächs. Gesch. 7, 1869, S. 1-59;
R.
Frhr. v. Friesen, Erinnerungen aus meinem Leben I, 1880, S. 66 ff.;
Gerh. Schmidt, Die Staatsreform in Sachsen in d. 1. Hälfte d. 19.
Jh., 1966,
bes. S. 115 f.
(L, auch f. Groß). -
Zu J. C. Groß: Das
sächs. u.
thür. Strafrecht,
hrsg. v. C. G.
v. Waechter, 1858;
Frdr. Schulze, in:
Schrr. d.
Ver. f. d.
Gesch. Leipzigs 23, 1939, S. 69 f.
Portraits ↑
Zeichnung u.
Lith. v. C. Lutherer (Dresden, Kupf.kab.),
Abb. b. Schmidt,
n. S. 128;
LIZ 1, 1843, S. 213, u. 6, 1846, S. 68.
Autor ↑
Hans Jürgen RieckenbergEmpfohlene Zitierweise ↑
Rieckenberg, Hans Jürgen, „Könneritz, Julius Traugott“,
in: Neue Deutsche Biographie
12
(1979), S.
364 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116294779.html
Könneritz, Julius Traugott von
Name: Könneritz, Julius Traugott von
Namensvariante: Könritz, Julius Traugott von
Lebensdaten: 1792 bis 1866
Geburtsort: Merseburg
Sterbeort: Dresden
Beruf/Lebensstellung: sächsischer Minister
Konfession: lutherisch
Autor NDB:
Rieckenberg, Hans JürgenPND: 116294779