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NDB-Artikel

<< Köffiller, Johann Leopold Ritter von     Kögel, Rudolf >>

Kögel, Gustav (Ordensname Raphael)

Photochemiker, * 16.1.1882 München, 27.11.1945 Petersthal (Allgäu). (katholisch, dann glaubenslos)


GenealogieLebenAuszeichnungenWerkeLiteraturQuellenAutorZitierweise

Genealogie  
Unehel.; M Kreszenz K. (* 1849), Butterversandgeschäftsinhaberin, T d. Landwirts u. Bgm. Alois K. in Riedis (Allgäu) u. d. Theresia Sommer; Pflege-V (seit 1898) Josef Bindel, Schneidermeister in Obernzell b. Passau; - 10.11.1924 Katharina (* 1893, luth.), T d. Amtsgerichtsrats Theodor Emil Winkler in Zwickau u. d. Maria Luise Werner; 1 S, 1 T .

Leben  
Nach dem Besuch des Gymnasiums in Kempten ging Kögel im Oktober 1898 zunächst nach Beuron. Er war für den Missionsdienst der Benediktiner in Brasilien gewonnen worden und wurde im Frühjahr 1899 nach Brügge zur Sankt Andreas-Abtei versetzt, die ihn im Oktober 1899 in die Abtei São Bento de Olinda (Brasilien) als Novizen entsandte. Kögel kehrte im Juni 1903 krank zurück und nahm noch im selben Jahr im November in Rom (Sant’ Anselmo) das Studium der Philosophie und Theologie auf, setzte es seit Oktober 1904 in Löwen fort und beendete es 1907 (1906 Weihe zum Priester); er gehörte dem Orden seit März 1902 zumindest bis 1922 an. Als die Sankt Andreas-Abtei in Wessobrunn (Oberbayern) eine Außenstelle („domus non-formata“) einrichtete, ging Kögel Ende 1907 dorthin. Er hielt sich dann mehrmals in Wien auf, wo er bei den Chemikern Elbert und Edder arbeitete, denn Kögel hatte in diesen Jahren an der Technischen Hochschule München mit dem Studium der Chemie begonnen (Volontärassistent 1916–18). Hier erhielt er von seinem Lehrer in Chemie, dem durch seine Arbeiten und Tabellenwerke über Farbstoffe bekannten Gustav Schultz, die seinen beruflichen Werdegang bestimmende Ausrichtung. Seine ersten Arbeiten, die er wohl zumeist noch in Wessobrunn, seit 1911/12 aber auch in Beuron betrieb, galten neben der Farbphotographie vor allem der Entwicklung eines materialerhaltenden Verfahrens zur Sichtbarmachung von ausradierten und wieder überschriebenen Erstschriften auf Pergament („Codex rescriptus“ oder „Palimpsest“). Kögel verwendete für seine „Palimpsestphotographie“ UV-Licht und konnte damit die bisherigen materialzerstörenden chemischen Methoden ablösen. 1913 wurde in der Erzabtei Beuron ein Institut für Palimpsestphotographie unter der Leitung von Pater Alban Dold gegründet, dem Kögel als ständiger Berater zur Seite stand. Zuvor hatte er einige Zeit auch in Italien für den Vatikan gearbeitet (Rom, Assisi). Er erschloß für sein Verfahren wichtige neue Anwendungsgebiete, so vor allem in der Kriminologie, und verbesserte es entscheidend, als er nur die UV-bedingte Fluoreszenz aufnehmende, das UV-Licht selbst aber abweisende Linsen zur „UV-Photographie“ verwendete (Deutsches Reichspatent 288 237 von 1914). Kögel nahm während des 1. Weltkriegs Kontakte zur Firma Kalle & Compagnie, Wiesbaden, auf, die ihm zunächst Farb|stoffe für seine Versuche lieferte. Bei Kriegsende konnte er sein Studium an der Technischen Hochschule Wien abschließen und wurde dort 1922 zum Doktor-Ingenieur promoviert. Bereits seit 1921 war er an der Technischen Hochschule Karlsruhe tätig, wurde zunächst zum nichtplanmäßigen außerordentlichen Professor für Chemie (planmäßiger außerordentlicher Professor seit 1928) berufen und richtete dort ein „Institut für Technische Photochemie und Wissenschaftliche Photographie“ ein, dem er bis zu seinem Tode vorstand. Er befaßte sich im weitesten Sinne mit der Photographie, zum Beispiel Ultramikroskopie, Röntgenfluoreszenzanalyse und -Kinematographie, für die er sowohl die chemisch-physikalischen als auch die anwendungstechnischen Grundlagen erarbeitete. Von besonderer Bedeutung sind seine Untersuchungen der UV-Spektren farbloser und farbiger organischer Substanzen, aus denen er seine Lehre von der „Hochlichtempfindlichkeit“ organischer Verbindungen ableitete. Als 1925 die Kalle & Compagnie Aktiengesellschaft sich produktemäßig durch Abgabe bisheriger Fabrikationsschwerpunkte völlig umstellen mußte, bildeten Kögels der Firma 1921/22 übertragene Patente die Grundlage für die wirtschaftlich entscheidenden Neuentwicklungen auf dem Gebiet der Diazokopie (zum Beispiel „Ozalid“-Lichtpauspapier).|

Auszeichnungen  
Mitgl. d. Dt. Forschungsanstalt f. Psychiatrie, München (1920), d. Internat. Ak. f. kriminolog. Wiss., d. wiss. u. d. Kunstabt. b. Völkerbund, Genf.

Werke  
Die Phot. unleserl. u. unsichtbarer Schriften d. Palimpseste, in: StMBO, NF 2, 1912, S. 309-15; Die Phot. hist. Dokumente nebst d. Grundzügen d. Reproduktionsverfahren, 1914; Die Palimpsestphot., 1914; Die Photoreflexokopie, 1917; Die unsichtbare Anfärbung, ein neues Hilfsmittel d. forens. Unters., in: SB d. Ak. d. Wiss. Heidelberg, 1918; Phot. d. radierten Schrr. in ihren wiss. Grundlagen u. prakt. Anwendungen, 1920; Der plast. Film, 1934; mehrere Patente; zahlr. Btrr. in: photograph., mikroskop., kolloidchem., biochem. Zss., v. a. üb. Licht- u. Röntgenstrahlenempfindlichkeit v. künstl. wie natürl. Farbstoffen u. biochem. Körperbestandteilen; Röntgenstereokinematograph.; Materialprüfung; Ausgleichfarbstoffe; Erfindung d. Ozalidpapiers, d. Trockenfilms, d. „latenten“ (integralen) Lichtbilds. - Verz. in: Zs. dt. Buch- u. Steindrucker, H. 8, 1925.

Literatur  
H. Voelcker, 75 J. Kalle, 1938, S. 156 f.; A. Dold, Über Palimpsestforschung u. d. Beuroner Palimpsest-Inst., in: Jber. d. Görresges. 1924/25, 1926; Rhdb. (P); Pogg. VI, VII a. |

Quellen  
Qu.: Archivmaterial Brügge.

Autor  
Claus Priesner
Empfohlene Zitierweise  

Priesner, Claus, „Kögel, Gustav“, in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 295 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd116275200.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 12 (1979), S. 295 f.

PND: 116275200
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Index

Kögel, Gustav

Name: Kögel, Gustav
Namensvariante: Kögel, Raphael
Lebensdaten: 1882 bis 1945
Geburtsort: München
Sterbeort: Petersthal (Allgäu)
Beruf/Lebensstellung: Photochemiker; Benediktiner
Konfession: katholisch; konfessionslos
Autor NDB: Priesner, Claus
PND: 116275200

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Kögel, Gustav

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