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<< Koch, Richard     Koch, Rudolph von >>

Koch, Rudolf

Graphiker, * 20.11.1876 Nürnberg, 9.4.1934 Offenbach/Main. (evangelisch)


GenealogieLebenAuszeichnungenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
V Paul (1845–86), Bildhauer, Insp. d. Kunstgewerbemus. in N. (s. ThB), S d. Joh. Heinr. Martin, Stickmusterzeichner in Hamburg, u. d. Kunst|stickerin Ida Evers; M Louise (1843–1928), T d. Strumpfwirkers Gottlob Stumpf in Pausa u. d. Caroline Wilhelmine Wohlfahrt; Ov Rudolf (1834–85), Maler u. Graphiker (s. ThB); Vt Walter (1875–1915), Landschaftsmaler, Graphiker u. Innenarchitekt, vor allem in Davos; Cousine Ilse (* 1869, Hugo Amberg, * 1872, Landschaftsmaler in Hamburg), Malerin u. Kunstgewerblerin; - Leipzig 1903 Rosa (1872–1946), T d. Kupferdruckers Adolf Koch (* 1827) in Leipzig u. d. Clara Klemm; 1 S, 3 T , u. a. Paul (* 1906), Schriftkünstler u. Graphiker, seit 1933 mit eigener Druckanstalt in Frankfurt/M.

Leben  
Nach dem Besuch der Realschule in Nürnberg absolvierte Koch eine Lehre als Ziseleur in einer Metallfabrik in Hanau. 1892 ging er an die Nürnberger Kunstschule und wechselte 1897 mit dem Vorsatz, Zeichenlehrer zu werden, zur Technischen Hochschule München über. Dort wurde er aus verwaltungstechnischen Gründen nicht zum Abschlußexamen zugelassen. 1898 arbeitete er für die Buchbinderei Wezel und Naumann in Leipzig und entwarf vor allem Bucheinbände. Im selben Jahr ging er für einige Monate nach London, wo er für „Raphael Tucks and Sons“ Kalenderentwürfe anfertigte. 1899 kehrte er nach Leipzig zurück. Dort arbeitete er als Zeichner für die Großbinderei A.-G., vormals Gustav Fritzsche und besuchte die Akademie für Buchgewerbe. Erst 1903 entdeckte er, wie er selbst schreibt, „zufällig“ seine Begabung als Schreiber und Schriftzeichner. Durch eine Annonce kam er 1906 in Kontakt mit der Offenbacher Schriftgießerei Gebrüder Klingspor. Bald danach übersiedelte er nach Offenbach und arbeitete dort bis zu seinem Tode für diese Firma. Die ersten Schreibarbeiten Kochs wurden 1908 bekannt. 1911-17 erschienen 5 Bände der sogenannten Rudolfinischen Drucke, deren Drucker Rudolf Gerstung war. 1919-24 gaben Koch und Gerstung 15 weitere Bände heraus: Einige dieser Bücher umfassen nur wenige geschriebene Seiten. Sie enthalten kurze literarische oder biblische Texte nach Art der alten Blockbücher in kunstvoller Schrift gedruckt und oft mit Holzschnitten versehen. Darunter sind: Schillers „Das Lied von der Glocke", 1919, und Luthers „Das Gesicht des Jesaja", 1919, „Die Heilung des Besessenen", 1920, „Die Weihnachtsgeschichte“, 1921, „Das Evangelium des Markus“, 1923. 1915 wurde Koch zum Militärdienst eingezogen, 1917 krankheitshalber wieder entlassen. In einem 1934 erschienenen Buch „Die Kriegserlebnisse des Grenadiers Rudolf Koch“ beschreibt er diese für ihn tieferschütternde Zeit. 1918 wurde die „Gemeinschaft Offenbacher Schreiber“ gegründet, die sich aus dem von Koch geleiteten Schreibunterricht der Offenbacher Kunstgewerbeschule entwickelt hatte. 1921 wurde an der Technischen Lehranstalt Offenbach eine Schreibwerkstatt unter Kochs Leitung eingerichtet. Seit 1920 wandte er sich einem neuen Tätigkeitsfeld zu: Er entwarf und fertigte mit seinen Schülern zahlreiche liturgische Geräte für den evangelischen Gottesdienst; 1922 entstanden die ersten Schriftteppiche mit Psalmtexten. Da sich Koch jedoch nicht als Künstler oder Lehrer, sondern in erster Linie als Handwerker verstand, beschränkte sich seine Tätigkeit nicht auf den Entwurf, vielmehr konzentrierte er sich auf die praktische Arbeit in der Werkstatt und in der Weberei. 1930 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Münster verliehen. Aus Dankbarkeit widmete er der Universität das Buch „Vorarbeiten zu einem Bibeldruck“, das aus der engen Zusammenarbeit mit der Württembergischen Bibelgesellschaft entstanden war.
Koch ist einer der bedeutendsten deutschen Schriftzeichner des 20. Jahrhunderts Er entwickelte circa 30 Druckschriften, meistens von seiner eigenen Handschrift ausgehend. Die gotisierenden Schrifttypen nahm Koch zum Ausgangspunkt seiner Schreibkunst. Die wichtigsten Typen sind: die Koch-Antiqua (1916), die Wilhelm-Klingspor-Schrift (1926), die Peter-Jessen-Schrift (1925), die Offenbacher Schrift (1927) und die Wallau (1933). Im Mittelpunkt seines Schaffens stand die Auseinandersetzung mit biblischen Texten. Es war sein Ziel, den Ausdrucksgehalt und den Symbolwert der Schrift wieder ins Bewußtsein der Menschen zu bringen, die Schrift zu ihrer Zeichenhaftigkeit zurückzuführen und damit das Symbolgefühl des Lesers wieder zu beleben. Schriftzeichen waren für ihn Symbole des Glaubens und sichtbare Zeichen des Transzendenten. Er wollte dem „geistigen Gehalt der Schrift im Buchdruck ein entschiedenes Übergewicht gegenüber formaler Ästhetik verschaffen“ (G. Haupt). Mit dieser Auffassung der Schreibkunst zeigt sich Koch dem expressionistischen Denken verwandt. Für seine Teppiche und liturgischen Geräte forderte er eine möglichst einfache und schlichte Form, die „die ruhige Erscheinung des Kirchenraumes nicht stören“ dürfe. Neben den religiösen Arbeiten schuf Koch das „Blumenbuch“ (1928) und die Deutschlandkarte (1933), zahlreiche graphische Arbeiten, Stempelschnitte, Urkunden, Notgeld, Postwertzeichen, Standarten, Exlibris und Plakatentwürfe. Seine Schüler waren die Schreiber Karl Vollmer und sein Sohn Paul Koch, der Holzschneider Fritz Kredel sowie die Goldschmiede Kurt Jobst und Berthold Wolpe. Hans Kühn wurde sein Nachfolger als Leiter der Schreibwerkstatt.|

Auszeichnungen  
Gedächtnisausstellung im|Frankfurter Kunstver. (1951) u. im Mus. f. Kunst u. Gewerbe in Hamburg (1951).

Werke  
Weitere W Das Schreiben als Kunstfertigkeit, 1921; Die Offenbacher Schrift, 1928; Das Schreibbüchlein, 1930, 51941 (mit Holzschn. v. F. Kredel); Das Kirchengerät im ev. Gottesdienst, 1930; Antiqua-Schriften, n. Zeichnungen v. R. K., hrsg. v. Gebr. Klingspor, o. J. (ca. 1930); Christl. Symbole, 1932; Das ABC-Büchlein, 1934, Neudr. 1976; Briefe, 1961.

Literatur  
J. Rodenberg, Dt. Pressen, 1925; F. Matthäus, R. K., e. Werkmann Gottes, 1935 (P); G. Haupt, R. K. d. Schreiber, 1936 (W, P); W. Lange, R. K., e. dt. Schreibmeister, 1938 (P); W. Michel, R. K., e. dt. Meister, 1938; Kunst u. Kirche 9, 1932, S. 63 ff., 10, 1933, S. 83-97 (mit zahlr. Abb.); ThB; Vollmer.

Autor  
Eva-Suzanne Bayer-Klötzer
Empfohlene Zitierweise  

Bayer-Klötzer, Eva-Suzanne, „Koch, Rudolf“, in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 275-277 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd116273356.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 12 (1979), S. 275-277

PND: 116273356
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Index

Koch, Rudolf

Name: Koch, Rudolf
Lebensdaten: 1876 bis 1934
Geburtsort: Nürnberg
Sterbeort: Offenbach/Main
Beruf/Lebensstellung: Graphiker
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Bayer-Klötzer, Eva-Suzanne
PND: 116273356

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Koch, Rudolf

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