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NDB-Artikel

<< Bezold, von     Bezold, Johann Friedrich Wilhelm >>

Bezold, Friedrich Gustav Johannes von

Historiker, * 26.12.1848 München, 29.4.1928 Bonn. (evangelisch)


GenealogieLebenWerkeLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
V Gustav (1810–85), Ministerialrat und Generalsekretär im bayerischen Kultusministerium, Abteilung Protestantische Kirche und Kunst, S des Daniel Gustav von Bezold (schon 1840 persönlicher Adel, 1783–1870), Geheimer Rat im bayerischen Ministerium des Äußeren, und der Maria Eva Theresa Boveri (1789–1827); M Luise (1822–77), T des Öttingen-Wallersteinschen Verwaltungsbeamten Mayer auf Schloß Harburg im Ries; Berlin 1884 Elisabeth (1863–1942), T des Kreisrichters Edmund Wolff in Halberstadt und der Elise Panzer; 2 S, 2 T.

Leben  
Bezold studierte 1867-68 in München, 1868-69 in Berlin und 1869-70 in Göttingen, dann wieder 1870-72 in München, wo er promoviert und 1875 habilitiert wurde, nachdem er im gleichen Jahre Mitarbeiter der Historischen Kommission geworden war. 1884 erfolgte die Berufung als ordentlicher Professor nach Erlangen; 1896-1921 lehrte er in gleicher Eigenschaft an der Universität Bonn.
Für die Entwicklung zum Geschichtsforscher war bestimmend nicht das München von W. von Giesebrecht und C. A. Cornelius, sondern die strenge Göttinger Schule von G. Waitz. In Berlin war es Th. Mommsen, der entscheidenden Einfluß auf ihn gewann, nicht Ranke oder J. G. Droysen. Im Hinblick auf den geschichtsmethodologischen Streit Sybel-Ficker hat sich Bezold unter dem Einfluß von Waitz gegen die kleindeutsche Richtung Sybels entschieden. Ausgehend von kulturgeschichtlichen Studien zur Geschichte des Hussitentums (1872–77), dem Bezold als Bayer fränkischen Stammes sich durch die Nähe Böhmens nachbarlich verbunden fühlte (W. Andreas), entwickelte er sich zum führenden Geschichtsschreiber der deutschen Reformation nach Ranke (1890). Den Vergleich mit Ranke brauchte er nicht zu scheuen. Zwar trat in der Gesamtbeurteilung die Einheit des abendländischen Christentums etwas zurück. Dafür vermochte Bezold um so tiefer die wirtschaftlich-soziale Sprengkraft der Reformation als Revolution zu erfassen, die Mitarbeit des Humanismus und die nationale Kraft. Auch auf seinem zweiten Hauptforschungsgebiet, der Geschichte der Renaissance, erschloß Bezold durch selbständige Fragestellungen neue Horizonte. Es galt den philosophischen Gegensatz zwischen Aristotelismus und Platonismus als die große Entscheidung der Geister seit dem 11. Jahrhundert herauszustellen entsprechend der Forderung von E. Cassirer. Was Bezold von Jacob Burckhardt, dem bewunderten Vorbild, unterscheidet, hat neuerdings H. von Srbik mit feinsinniger Verteilung der Akzente hervorgehoben: „Bezold war europäisch gesinnt wie Burckhardt, aber er war weit mehr Forscherpersönlichkeit, er schaute die geschichtlichen Bilder mit weit kritischerem Blick, er ging weit mehr dem Werden und den Kausalverbindungen nach; er, der im evangelischen Bekenntnis geboren war, lebte dann im Geist der griechischen Antike und Goethes, er wurde von einem 'heimlichen Platonismus' erfüllt und wollte mit der Kraft seines starken Denkens vom Individuum aus das Ganze des abendländischen, nicht nur des italienischen Menschen in seiner inneren Entwicklung sehen; er war kein Ästhetiker, sondern ein herber und strenger, unmetaphysischer und ganz unromantischer Denker und Künstler, und in ihm lag ein weit stärkeres Interesse an der Geschichte der juristisch-politischen Theorien.“ - Bezold war seit 1883 Mitglied der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, seit 1907 Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften und erhielt den D. theol. und Dr. rer. pol. h. c.

Werke  
u. a. Gesch. d. dt. Ref., 1890, in: Allg. Gesch. in Einzeldarst., hrsg. v. W. Oncken; Staat u. Ges. d. Ref.-Za., 1908, in: Die Kultur d. Gegenwart, hrsg. v. P. Hinneberg; Aus MA u. Renaissance. Kulturgesch. Stud., 1918; Gesch. d. Rhein. Friedr.-Wilh. Univ. v. d. Gründung bis z. J. 1870, 1920; Das Fortleben d. antiken Götter im ma. Humanismus, 1922.

Literatur  
E. Cassirer, Das Erkenntnisproblem in Philos. u. Wiss. d. neueren Zeit, 31922, S. 74; F. Kern. in: Archiv f. Kulturgesch. 18, 1928, S. 241-45; G. Beyerhaus, in: HZ, Bd. 141, 1929, S. 315-26; ders., F. v. B.s innere Entwicklung, in Rhein. Vjbll. 1, 1931, H. 4 (vollst. W-Verz., P); ders., F. v. B. u. d. Problem d. universalen Sympathie, 1951; H. v. Srbik, Geist u. Gesch. vom dt. Humanismus bis z. Gegenwart II, 1951, S. 172 f. u. ö.

Portraits  
Gem. (Hist. Seminar d. Univ. Bonn).

Autor  
Gisbert Beyerhaus
Empfohlene Zitierweise  

Beyerhaus, Gisbert, „Bezold, Friedrich Gustav Johannes von“, in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 211 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118662880.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 2 (1955), S. 211
Erwähnungen: 
NDB 2 (1955), S.  210 Familienartikel

PND: 118662880
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Index

Bezold, Friedrich von

Name: Bezold, Friedrich von
Namensvariante: Bezold, Friedrich Gustav Johannes von
Lebensdaten: 1848 bis 1928
Geburtsort: München
Sterbeort: Bonn
Beruf/Lebensstellung: Historiker
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Beyerhaus, Gisbert
PND: 118662880

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Bezold, Friedrich von

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118662880

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