Logo der Deutschen Biographie
schwarzer Menuepunkt Schnellsuche
schwarzer Menuepunkt Erweiterte Suche
roter Menuepunkt Namen A-Z
schwarzer Menuepunkt Aktuelles
schwarzer Menuepunkt Hilfe
schwarzer Menuepunkt Über das Projekt
schwarzer Menuepunkt Impressum

NDB-Artikel

<< Kneipp, Sebastian     Kneller, Sir Godfrey >>

Kneißl, Max

Geodät, * 9.9.1907 München, 15.9.1973 München. (katholisch)


GenealogieLebenAuszeichnungenLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
V Sebastian (1877–1931); M Walburga Schmidbauer (1875–1942); 1936 Marianne Heigenmoser (* 1912); 1 S, 2 T , u. a. Max (* 1938), Architekt u. Bildhauer.

Leben  
Kneißl studierte seit 1928 an der Technischen Hochschule München Vermessungswesen, wo er die stärkste Prägung von seinen Lehrern Martin Näbauer und Sebastian Finsterwalder erhielt. Nach dem Diplom als Vermessungsingenieur 1931 unterzog er sich 1934, nach dreijähriger Referendarzeit, der Großen Staatsprüfung. Während der anschließenden Assistentenzeit bei Näbauer wurde er mit der Dissertation „Versteifung eines geodätisch ausgeglichenen Dreiecksnetzes durch die rechnerische Einbeziehung astronomischer Beobachtungen“ 1936 an der Technischen Hochschule München promoviert. 1941 folgte die Habilitation mit der Abhandlung „Näherungsverfahren zum Zusammenschluß von Dreiecksnetzen“. 1936-46 und 1948-49 gehörte er dem Bayerischen Landesvermessungsamt an; in dieser Zeit betätigte er sich unter anderem beim Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und – im Rahmen seines Kriegsdienstes – beim Chef Kriegskarten- und -Vermessungswesen. 1949 erfolgte die Berufung zum ordentlichen Professor und Direktor des Geodätischen Instituts an die Technische Hochschule München (Rektor 1958–60). Damit begann die eigentliche wissenschaftliche Laufbahn Kneißls, dessen bisherige praktische Erfahrungen ihm zeitlebens von größtem Nutzen waren. Seine Lehrtätigkeit zog einen großen Schülerkreis an, aus dem bedeutende Geodäten hervorgingen; sie veranlaßte ihn aber auch zu außerordentlichen ingenieurtechnischen Vermessungsarbeiten (unter anderem Einrichtung einer Basis und Normalstrecke im Ebersberger Forst (1958) als Maßstab für übergeordnete Netze und als Eichstrecke für moderne elektro-optische und elektronische Streckenmessung; Senkungsmessungen zum Beispiel der Sankt Martinskirche in Landshut; Dammvermessungen am Sylvensteinspeicher; Brückenvermessungen) und Gutachtertätigkeit. Hierher gehört auch die Organisation und Durchführung der „Internationalen Streckenmeßkurse“ (1953, 1955, 1957, 1961, 1965 und 1970) und der „Internationalen Kurse für Landkartendruck und -reproduktion“ (1956, 1960).
1953 wurde Kneißl zum ordentlichen Mitglied der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gewählt; vorausgegangen war 1950 die Wahl zum Ständigen Sekretär der Bayerischen Kommission für die Internationale Erdmessung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Damit konnte er zwei Vorhaben realisieren, die sein Lebenswerk werden sollten: Nach dem 2. Weltkrieg war für die Geodäten der Bundesrepublik das „Geodätische Institut Potsdam“ mit seinen Forschungseinrichtungen nicht mehr zugänglich. Auf Initiative von Kneißl wurde 1949 (juristisch 1952) die Deutsche Geodätische Kommission (DGK)|bei der Akademie gegründet, deren erster Vorsitzender, dann Ständiger Sekretär von 1955 bis zu seinem Tode er war. Als weitere Neugründung geht auf Kneißl das von dieser Kommission betriebene Deutsche Geodätische Forschungsinstitut (DGFI, 1952) zurück, dessen Direktor er ebenfalls bis zu seinem Tode war. Seitdem besitzt die Bundesrepublik Deutschland ein effektives wissenschaftliches Forum (die Kommission) und eine leistungsfähige Forschungseinrichtung für Geodäsie. – 1916 schloß die 1862 in Deutschland begründete, bis dahin von Potsdam aus geleitete Internationale Assoziation für Geodäsie (IAG) Deutschland von der Mitgliedschaft, damit von der internationalen Zusammenarbeit aus. Diesen Zustand beendet zu haben, war wiederum ein Verdienst von Kneißl (Mit der Aufnahme Deutschlands verbunden war auch die Mitgliedschaft in der Dachorganisation, der Internationalen Union für Geodäsie und Geophysik.) Hier entfaltete Kneißl mit organisatorischem Geschick eine fruchtbare wissenschaftliche Tätigkeit: 1954 gründete die IAG die „Kommission für die Neuausgleichung der europäischen Hauptnetztriangulationen (RETrig) “ und übertrug Kneißl deren Leitung. Die Aufgabe erwies sich als schwierig (wissenschaftlich, technisch, politisch, sprachlich), konnte aber in Jahrzehnten zum Abschluß der ersten Phase gebracht werden. Seinem Weitblick ist auch zu verdanken, daß das Forschungsinstitut auf neuen Gebieten international Schritt halten, auf Teilgebieten sogar führend werden konnte. – Weitere internationale Aufgaben, die er leitend im Auftrag der IAG wahrnahm, war die Schaffung eines europäischen Gravimetereichsystems und einer Gravimetereichlinie von Nord-Norwegen bis Sizilien und, im gleichen Ausmaße, die Schaffung einer europäischen Basis-Traverse für ein geodätisches Satelliten-Weltnetz. – Neben zahlreichen Aufsätzen und Monographien aus dem Gesamtgebiet der Geodäsie und des Vermessungswesens gab Kneißl die 10., völlig neu bearbeitete und neu gegliederte Ausgabe des 1877 von Wilhelm Jordan verfaßten, seit 1910 von H. P. O. Eggert weitergeführten, jetzt 12bändigen Werkes „Handbuch der Vermessungskunde“ heraus. Ferner begründete er die „Veröffentlichungen der Deutschen Geodätischen Kommission“.|

Auszeichnungen  
Dr.-Ing. E. h. (Braunschweig 1957), Dr. d. techn. Wiss. E. h. (TH Graz 1966); Ehrenmitgl. d. Österr. Ver. f. Vermessungswesen (1956) u. d. Präsidiums d. IAG (1967); Friedrich-Robert-Helmert-Denkmünze in Gold (1969); Gr. Bundesverdienstkreuz (1972).

Literatur  
H. Wolf, Zum 65. Geb.tag v. M. K., = Veröff. d. DGK, R. E, H. 15, 1972 (vollst. W-Verz., P); ders., Das Leben u. Wirken v. M. K., in: Berr. üb. d. Vollsitzung d. DGK am 12. u. 13.4.1973 u. üb. d. Verwaltungssitzung am 23.11.1973 in München, 1974, S. 55-65; G. Eichhorn, in: Zs. f. Vermessungswesen 98, 1973, S. 477-79; E. Messerschmidt, in: Mitt.-Bl. d. Dt. Ver. f. Vermessungswesen, Landesver. Bayern, 25, 1973, S. 220-27 (P); F. Kobold, in: Bull. géod. 111, 1974, S. 5-8; K. Rinner, in: Österr. Zs. f. Vermessungswesen u. Photogrammetrie 61, 1973, S. 81 f.

Autor  
Gottlob Kirschmer
Empfohlene Zitierweise  

Kirschmer, Gottlob, „Kneißl, Max“, in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 175-176 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118723731.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 12 (1979), S. 175-176
Erwähnungen: 
NDB 24 (2010), S. 401 in Artikel Sigl, Rudolf

PND: 118723731
Artikel drucken

Index

Kneißl, Max

Name: Kneißl, Max
Lebensdaten: 1907 bis 1973
Geburtsort: München
Sterbeort: München
Beruf/Lebensstellung: Geodät
Konfession: katholisch
Autor NDB: Kirschmer, Gottlob
PND: 118723731

Weitere Informationen

Informationsangebote zu

Kneißl, Max

PND
118723731

Normdaten
Personennamendatei (PND)
Virtual International Authority File (VIAF)

Lexika

Bibliothekskataloge und Bibliographien
Bibliotheksverbund Bayern (BVB)
OPAC der BSB München
Rektoratsreden im 19. und 20. Jahrhundert

Nachlassdatenbank beim Bundesarchiv

Nachlässe
Kalliope