<< Beyer, Hartmann
Beyer, Christian >>
Beyer, Johann Hartmann
Mediziner und Mathematiker,
* 15.4.1563 Frankfurt/Main,
† 1.8.1625 Frankfurt/Main. (lutherisch)
Genealogie
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| Autor
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Genealogie ↑
V Hartmann s. (1);
⚭ 2) Ursula Botzheim; kinderlos.
Leben ↑
Beyer studierte in Straßburg und Tübingen, wo er sich großes Ansehen erworben hat, wie aus vielen erhaltenen Briefen an ihn zu ersehen ist. Nach der Tübinger Promotion zum
Dr. med. wurde er bald in seiner Vaterstadt ein sehr geschätzter Arzt, der mit vielen Medizinern in Briefwechsel stand. Beyer wurde auch bald Mitglied des Rates und Bürgermeister während des durch die Mißstände in der Stadtverwaltung entstandenen Fettmilchaufstandes. Er hat sich in diesem Amt als sehr gerecht denkender und sozial empfindender Mann erwiesen. Als Arzt wurde er
u. a. durch die Frankfurter Pillen berühmt, deren geheimes Rezept noch erhalten ist. Trotz der starken Beanspruchung hat er, wie er in seinen Briefen schreibt, sich sehr mit mathematischen Problemen beschäftigt und ist dadurch mit mehreren berühmten Mathematikern in Verbindung gekommen, vor allem mit Kepler, der ihn in seiner Faßberechnung erwähnt. Beyer hat auch Schriften darüber veröffentlicht und wendet dabei Dezimalbrüche an, auf die er nach seiner eigenen Angabe schon 1596 gekommen ist. Daß er die Dezimalbrüche in Deutschland eingeführt hat, erkennt auch ausdrücklich der Wittenberger Professor der Mathematik Aegidius Strauch in seinen 1662 veröffentlichten 342 Aphorismen „De numerorum doctrina“ an. Zu Beyers mathematischen Korrespondenten gehörte auch Ludolf van Ceulen, der ihm 1609 brieflich Grenzen für die Zahl π auf elf Dezimalstellen mitgeteilt hat. Beyer hat zusammen mit seiner zweiten Frau im Dezember 1624 große Stiftungen zu wohltätigen Zwecken, aber auch für die Wissenschaft, testamentarisch gemacht. Dazu gehört seine große, an mathematischen Werken sehr reichhaltige Bibliothek; der handschriftliche Katalog ist noch vorhanden, die Bibliothek aber ein Opfer der Bomben geworden. Für Studierende der Medizin hat er ein noch bis in die neueste Zeit verwandtes Stipendium hinterlassen. Es sollten die Stipendiaten die Möglichkeit bekommen, im Ausland, besonders in Italien, ihre medizinischen Kenntnisse zu erweitern, vor allem auf dem Gebiet der Chirurgie. Als Stipendiaten durften aber auch solche in Betracht kommen, die sich in den vorklinischen Semestern,
d. h. im Philosophicum, besonders ausgezeichnet haben.
Literatur ↑
A. A.
v. Lersner, Chronica, T. II,
hrsg. v. G. A.
v. Lersner, Frankfurt a. M. 1734, Appendix S. 217, W. Stricker,
Gesch. d.
Heilkde. … in d. Stadt Frankfurt a. M., 1847, S. 104 ff.;
W. Lorey, in:
Festschr. z. 200. privaten
math. Colloquium,
gegr. v. Prof. Lorey, Pfingsten 1945, 1954 (
Veröff. d.
Inst. f. angewandte Geodäsie, Frankfurt a. M.);
W. Kallmorgen, 700 J.
Heilkde. in Frankfurt a. M., 1936;
eigene Archivstud.
Portraits ↑
in: Frankfurter Wochenschau, 1938, S. 266 (Original im
Hist. Mus. Frankfurt).
Autor ↑
Wilhelm LoreyEmpfohlene Zitierweise ↑
Lorey, Wilhelm, „Beyer, Johann Hartmann“,
in: Neue Deutsche Biographie
2
(1955), S.
204
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd100815170.html
Beyer, Johann Hartmann
Name: Beyer, Johann Hartmann
Lebensdaten: 1563 bis 1625
Geburtsort: Frankfurt/Main
Sterbeort: Frankfurt/Main
Beruf/Lebensstellung: Mathematiker; Mediziner
Konfession: lutherisch
Autor NDB:
Lorey, WilhelmPND: 100815170