<< Knapp, Fritz
Knapp, Johann Michael >>
Knapp, Hermann
Augenarzt,
* 17.3.1832 Dauborn bei Limburg/Lahn,
† 30.4.1911 Mamoroneck (New York, USA). (evangelisch)
Genealogie
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| Werke
| Literatur
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Genealogie ↑
Aus wohlhabender
Bauernfam.;
V Johann (1807–75). Landwirt,
Reichstagsabg. 1867-75 (Fortschrittspartei) u.
Landtagsabg.,
S d. Philipp, Hofbeständer in Gnadenthal, u. d. Elisabeth Wagner aus Eufingen;
M Elisabeth Preußer;
⚭ 1) Adolfine Becker (
† 1874) aus Pforzheim, 2) Hedwig,
T d. Oberarztes Sachsowsky in Kassel; 2
K aus 1), 2
K aus 2),
u. a. Arnold Herman (1869–1956), Augenarzt.
Leben ↑
Knapp promovierte 1854 in Gießen zum doctor medicinae und bildete sich in Paris, London (W. Bowman, G. Critchett) und Berlin (A. von Graefe) zum Augenarzt aus. Für dieses Fach habilitierte er sich als Assistent von Helmholtz im WS 1859/60. Eine von der chirurgischen Klinik getrennte Augenklinik gab es in Heidelberg noch nicht. So eröffnete Knapp, dem Beispiel Graefes in Berlin folgend, 1862 eine eigene Klinik (21 Betten) für stationäre und ambulante Patienten aller Stände; bald gliederte er ihr ein Ambulatorium in Mannheim an. 1865 zum Extraordinarius ernannt, erhielt er hinfort für seine Klinik einen jährlichen Staatszuschuß von 3 000 Gulden. Knapp plante den Bau der Universitäts-Augenklinik, der aber erst 1876/78 verwirktlicht wurde. Ungeduldig über die Verzögerung und fasziniert von der Aussicht auf ein viel weiteres Wirkungsfeld, wanderte er 1868 mit Frau und Kind nach New York aus. Die deutsche Augenheilkunde stellte damals das Musterbeispiel eines auf solid naturwissenschaftlicher Grundlage aufgebauten medizinischen Spezialfaches dar. Deshalb konnte Knapp nicht nur als Arzt und Organisator, sondern auch als Forscher und Lehrer zur Entwicklung der amerikanischen Ophthalmologie von vornherein Wesentliches beitragen. Dem amerikanischen Brauch entsprechend, bezog er die Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten in seine Tätigkeit ein und gründete sogleich das „New York Aural and Ophthalmie Institute" als Krankenhaus mit Poliklinik. Ebenfalls lancierte er die Fachzeitschrift „Archives of Ophthalmology and Otology“, die gleichzeitig in Karlsruhe als „Archiv für Augen- und Ohrenheilkunde“ herauskam und damit eine Verbindung zwischen amerikanischer und deutscher Medizin darstellte. Knapp hielt auch den persönlichen Kontakt mit seiner alten Heimat aufrecht, erregte aber bei seinen deutschen Kollegen Anstoß durch „seinen republikanischen Freimut, seine offene Kritik“ (Hirschberg).
An seiner New Yorker Klinik bildete Knapp Augenärzte aus. 1882 wurde er Professor für Ophthalmologie an der University of the City of New York, 1888 am College of Physicians and Surgeons der Columbia University. 1902 wurde er emeritiert, blieb aber noch etwa 5 Jahre ärztlich und wissenschaftlich tätig, ehe er sich, leidend geworden, aufs Land zurückzog. Knapp war ein hervorragender Augenchirurg, berühmt durch seine Technik der Staroperation mit Erhaltung der runden Pupille. Er setzte sich für die Anwendung der örtlichen Anästhesie mit Kokain ein, gleich nachdem der junge Carl Koller diese seine Entdeckung 1884 bekanntgegeben hatte. Er veröffentlichte Arbeiten über Probleme der physiologischen Optik, über Augentumoren und vieles andere mehr.
Werke ↑
Die Krümmung d. Hornhaut d. menschl. Auges, 1859;
Über Krankenhäuser,
bes. Augenkliniken, 1866;
Die intraocularen Geschwülste nach eigenen
klin. Beobachtungen u. anatom.
Unterss., 1868 (
engl. 1869);
On Cocaine and its use in Ophthalmic and general surgery, in: Archives of
Ophthalmol. 13, 1884, S. 402-48;
On cataract extraction without iridectomy,
ebd. 16, 1887, S. 54-71;
Operations usually performed in eye surgery, in: System of diseases of the eye III,
hrsg. v. W. F. Norris u. C. A. Oliver, 1898. -
130 Aufsätze in
Zss.Literatur ↑
Th. Leber, Die Gründung d.
Univ.-Augenklinik u. ihre ersten Direktoren, in: Heidelberger Professoren aus d. 19.
Jh., 1903, S. 191-205;
J. Hirschberg, in:
Cbl. f.
prakt. Augenheilkde. 35, 1911, S. 129-34,
gekürzt in:
Dt. Med. Wschr. 37, 1911, S. 1179 f.;
ders., in:
Gesch. d.
Augenheilkde. VII, 1915/18, §§ 759 f., S. 120-29, 131 f.
(Verz. d Zss.-Aufsätze, P);
K. Hubert, in: Nassau.
Lb. III, 1948, S. 233-36
(W, L);
Ch. Snyder, Our ophthalmic heritage, 1967, S. 9-12
(P);
ders., Archives of Ophthalmology - a 100-year survey, in: Archives of
Ophthalmol. 81, 1969, S. 605-11;
H. Honegger u. B. Hessler, Die Gründung d. ersten Augenklinik in Heidelberg durch J. H.
K.,
o. J. (L, P);
S. Duke-Elder, System of Ophthalmology 14, Injuries, T. 2, 1972, S. 1011
(P);
Fischer;
DAB X.
Autor ↑
Huldrych M. KoelbingEmpfohlene Zitierweise ↑
Koelbing, Huldrych M., „Knapp, Hermann“,
in: Neue Deutsche Biographie
12
(1979), S.
155
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116244070.html