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Klinghe, Goteke >>
Klinghe, Ghert
* um 1400,
† nach 1474 Bremen (?)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
⚭ N. N.;
wahrsch. 5
S Barthold (
erw. 1472-1514), Berend (
erw. 1456-74), Hermann (
erw. 1453-94?), alle Erzgießer, Goteke (s. 2), Hinrich (s. 3).
Leben ↑
1428 wird Klinghe erstmals als Bremer Neubürger erwähnt. Ob er aus der Familie eines zwischen 1418 und 1426 nachweisbaren „Bruen Klinghe borgemeister in Groningen“ stammt, muß offenbleiben. 1437 und 1438 ist er wiederum in bremischen Urkunden genannt und 1456 als Besitzer eines Hauses in der Altstadt aufgeführt. Das Memorialbuch der Marienkirche zu Lübeck berichtet 1466 ausführlich über den Guß einer großen Glocke durch Klinghe. Auftraggeber fand Klinghe außer in Bremen und seiner näheren Umgebung vor allem in Ostfriesland und Oldenburg, doch reichte sein Wirkungskreis bis nach Schleswig-Holstein, Lüneburg und Holland. Auf Grund von stilistischen Beziehungen Klinghescher Gußwerke zu älteren norddeutschen Bronzearbeiten läßt sich vermuten, daß Klinghe – vielleicht auf einer Wanderschaft – Werke des Halberstädters Jan Apengeter kennengelernt hat (vergleiche besonders den Gießerspruch) und bei dem Lübecker van der Rit in der Lehre gewesen ist (vergleiche den ornamentalen und figürlichen Zierat – Ritzzeichnungen! – der großen Glocke im Lübecker Dom).
An dem frühesten und künstlerisch bedeutendsten Gußwerk Klinghes, der „Gloriosa“ von 1433 im Bremer Dom, sind bereits die wichtigsten der für Klinghe und seine Werkstatt typischen Merkmale zu erkennen: Die mit kräftigem Zopfmuster verzierte Bügelkrone, das meist aus 2, seltener aus 3 unterschiedlich hohen Zeilen gebildete Schriftband am Hals der Glocke mit einer dekorativen Minuskeltype (Klinghe benutzte mindestens 7 verschieden große Alphabete), die in der Regel ornamentalen Anfangs- und Trennungszeichen und der Inhalt der Inschriften (insbesondere der Gießerspruch: „ghert klinghe de mi ghegoten hat / ghot gheve siner sele rad“), eine Hängekante aus ebenfalls in 7 Größen überlieferten stilisierten Blättern – seltener abwechselnd mit Trauben – unter dem Schriftband, und schließlich das in der Technik des „Fadenreliefs“ ausgeführte Gießerzeichen in Form einer kleinen Glocke. Für die 4 bemerkenswerten Ritzzeichnungen der Bremer Domglocke lassen sich stilistische Beziehun
|gen zu wenig älteren westfälischen Kunstwerken nachweisen (Gemälde und Miniaturen des Konrad von Soest und einiger seiner Nachfolger). Seit 1436, dem Entstehungsjahr der großen „Apostelglocke“ in der Lüneburger Johanniskirche, scheint Klinghe seine Gußwerke nur noch mit figürlichen Reliefs geschmückt zu haben. Die Lüneburger Flachbilder stehen stilistisch Lüneburger und Wismarer Holzskulpturen des früheren 15. Jahrhunderts nahe. Auf 2 Glocken in Sillenstede (1440) und Bliedersdorf (1444) bilden 3 Pilgerzeichen eine besondere Form des Zierats. Mit der Bronzetaufe von 1447 in Bad Segeberg beginnt eine Folge von künstlerisch und gußtechnisch besonders sorgfältig ausgeführten Werken Klinghes; die Modelle für die 4 Stützfiguren (Diakone) des Beckens und die zahlreichen Heiligenreliefs – darunter eine dreifigurige Kreuzigungsgruppe, Maria und die 12 Apostel – stammen vermutlich aus einer Oldenburger Bildschnitzerwerkstatt und zeigen deutlich die Abkehr vom „weichen Stil“. An den 1458-74 entstandenen Spätwerken zeigt sich die zunehmende Beteiligung von anderen Mitgliedern der Werkstatt; viele der älteren Model „verschleifen“ sich, und oft treten rohe Nachbildungen an die Stelle der vorher benutzten Gußformen. Typische Kennzeichen fast aller Glocken sind jetzt kleine Apostel-Halbfiguren im breiten Schriftband am Hals und die Verzierung des Schlagringes durch eine schmale Inschriftzeile anstelle der dort vorher angebrachten ornamentalen Zierfriese.
Werke ↑
Weitere erhaltene Gußwerke u. a. Glocken in Walsrode, 1437;
Golzwarden, 1440 (
ehem. Edewecht);
Otterndorf, 1450;
Pewsum, 1458;
Landesmus. Oldenburg, 1465 (
ehem. Langwarden);
Taufbecken in Groothusen, 1454 u. Harsefeld, 1454.
Autor ↑
Barbara HellwigEmpfohlene Zitierweise ↑
Hellwig, Barbara, „Klinghe, Ghert“,
in: Neue Deutsche Biographie
12
(1979), S.
94 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd136060498.html