<< Klingenberg, Georg
Klinger. >>
Klingenheben, August
Afrikanist,
* 11.5.1886 Barmen,
† 26.1.1967 Hamburg. (reformiert)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V August (1850–1928),
Kaufm. in
B.,
S d. Schuhmachers Friedrich
Wilh. Aug. u. d. Amalie
Carol. Christiane Neuhaus;
M Maria (1863–1922),
T d.
Kaufm. Herrmann Gottlieb Ufer (1830–1912) u. d. Emma Ehringhaus;
⚭ Hamburg 1927 Maria (1886–1974),
Dr. phil.,
T d. Pfarrers u. Oberlehrers Wilhelm
v. Tiling u. d. Maria Kupffer; 1
T .
Leben ↑
Klingenheben studierte seit 1905 zunächst Theologie, dann semitische Sprachen in Tübingen, Marburg und Halle. Zu seinen Lehrern zählten Franz Praetorius und insbesondere Carl Brockelmann. 1911 trat er eine Stelle als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am Seminar für Kolonialsprachen des Hamburger Kolonialinstituts an. 1914 begleitete er Carl Meinhof als Assistent und Dolmetscher für das Arabische in den Anglo-Ägyptischen Sudan. 1914-19 nahm Klingenheben am 1. Weltkrieg teil, zuerst an der Ostfront, seit Dezember 1917 als türkischer Oberleutnant in Kleinasien und Mesopotamien. 1920 promovierte er in Leipzig bei H. Stumme über „Die lautliche Gestalt des Hausa-Dialekts von Katagum“; 1924 wurde er in Hamburg für afrikanische und semitische Sprachwissenschaft habilitiert. 1930 erfolgte seine Berufung als Extraordinarius an die Universität Leipzig, wo er die Nachfolge Stummes antrat. Durch seine Gründung eines afrikanistischen Instituts wurde Leipzig – neben Hamburg und Berlin – zur dritten Universität in Deutschland mit einer afrikanistischen Lehr- und Forschungsstätte. 1936, nach der Emeritierung von Meinhof, kam Klingenheben als Ordinarius und Direktor des Seminars für afrikanische Sprachen an die Universität Hamburg, wo er über seine Emeritierung (1954) hinaus bis kurz vor seinem Tode wirkte.
Klingenheben hat entscheidend dazu beigetragen, daß die Afrikanistik, die im Kern afrikanische Sprachwissenschaft ist, als selbständige Disziplin Anerkennung gefunden hat. Von der Semitistik herkommend, richtete er sein Interesse in erster Linie auf solche Sprachen, die entlang der Nordgrenze Schwarzafrikas gesprochen werden, zum Beispiel Hausa, Ful (Fulfulde), Nubisch, Amharisch, Galla, Somali. Darüber hinaus arbeitete er rund 40 Jahre lang an der Erforschung von Sprache und Schrift des Vai-Volkes in Liberia. Die Afrikanistik verdankt Klingenheben wesentliche Fortschritte in der exakten Beobachtung afrikanischer Sprachlaute sowie in der adäquaten Erfassung und Beschreibung schwieriger grammatischer Systeme. In diesem Sinne stellt sein Buch über die Sprache der Ful (das Fulfulde) einen Markstein dar. Wissenschaftsgeschichtlich darf Klingenhebens Ful-Forschung als Präzision und Korrektur der „hamitischen“ Ful-These von Meinhof gelten. Seine jahrzehntelangen Bemühungen um das Amharische, die Staatssprache Äthiopiens, und das Vai, eine Mande-Sprache Liberias mit eigener Silbenschrift, schlugen sich in kleineren Arbeiten nieder, das Werk blieb aber unvollendet. – Klingenheben besaß eine ungewöhnliche Fähigkeit, mit den Menschen, deren Sprache er studierte, in Kontakt zu treten und zu bleiben. Dies und die praktische Beherrschung mehrerer afrikanischer Sprachen förderten seine wissenschaftlichen Arbeiten.
Werke ↑
Weitere W
Die Sprache d. Ful (Dialekt
v. Adamaua), 1963;
Dt.amhar. Sprachführer, 1966.
Literatur ↑
Neue Afrikanist.
Stud.,
hrsg. v. J. Lukas (
Festschr. z. 80.
Geb.tag), 1966
(P);
Afrika u. Übersee 50, 1967, S. 241-43
(W, L).
Autor ↑
Herrmann JungraithmayrEmpfohlene Zitierweise ↑
Jungraithmayr, Herrmann, „Klingenheben, August“,
in: Neue Deutsche Biographie
12
(1979), S.
80
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd12318231X.html