Name
Besserer von Rohr, Bernhard
Namensvarianten
Besserer, Bernhard
Lebensdaten
1471 bis 1542
Geburtsort
-
Sterbeort
-
Beruf/Lebensstellung
Bürgermeister von Ulm
Konfession
katholisch,lutherisch
Autor NDB
Max Huber
Autor ADB
Fr. Pressel.
GND
135546478

Bernhard Besserer von Rohr

Bürgermeister in Ulm. * 1471, 21.11.1542 (lutherisch)

  • Genealogie

    V Nik. Besserer von Rohr und Wattenweiler (seit 1469, 1491), S des Heinrich Besserer und der Barb. Löw; M Dorothea Haid ( 1492); 1) vor 1499 Katharina Vetter (von der Gilge), 2) Anna Krafft (von Delmensingen), 3) 1513/14 Barb. Ungelter ( 1529), Witwe des Dr. Johann Wespach, Richter in Ulm, 4) Juli 1531 Marg., Witwe des Laux Ehinger ( 1529), T des Kaufmanns Hans Gienger, Tante des Georg Gienger ( nach 1548), Kanzler König Ferdinands I.; K aus 1) u. 2) u. a. Georg Besserer zu Rohr und Bernstadt (1502–69), 1531 Bürgermeister, Matthäus Besserer ( zwischen 1558 und 1569), 1531-40 Ratsmitglied, Anna ( 1529 Johann Walther Ehinger von Balzheim, 1558, Bürgermeister in Ulm).

  • Leben

    Besserer war als Bürgermeister oder Fünfer 1514 bis 1539 der führende Mann in Ulm. Er vertrat die Stadt auf den Reichstagen 1521 und 1526 und unterschrieb 1529 die Protestation gegen den Reichstagsabschied von Speyer. Im folgenden Jahr bemühte er sich, der drohenden Isolierung durch Bündnisse mit den Lutherischen, den oberdeutschen Städten, den Schweizern und schließlich durch einen Anschluß an Karl V. zu begegnen. Nach Ablehnung des Reichstagsabschieds von Augsburg durch die Bürgerabstimmung vom November 1530 trat Ulm 1531 dem Schmalkaldischen Bund bei und berief die Reformatoren M. Butzer, J. Ökolampad und A. Blarer. Bestrebt, die Stellung der Städte zu festigen, versuchte Besserer noch 1531 einen Zusammenschluß mit den Eidgenossen, lehnte eine Fortsetzung des Schwäbischen Bundes und weitere Bindungen an die Fürsten ab und erreichte 1533 ein engeres Bündnis mit Augsburg und Nürnberg. Er stand den Ideen Sebastian Francks und der Frömmigkeit Kaspar Schwenckfelds nahe, schied streng zwischen Religion und Politik und vermied so lange wie möglich einer Bruch mit dem Kaiser. Seiner religiösen Toleranz und politischen Vorsicht verdankte Ulm die Einführung der Reformation ohne schwere Widerstände und Unruhen.

    • Literatur

        ADB II;  F. v. Gaisberg-Schöckingen, Das Königshaus u. d. Adel v. Württ., 1909 ff., S. 330-37;  J. Rieber, Zur Gesch. d. Fam. v. B., in: Ulm-Oberschwaben, H. 17, 1911, S. 19-36;  W. Gußmann, Qu. u. F z. Gesch. d. Augsburger Glaubensbekenntnisses, 1911;  H. Steck, Die Reichsstadt Ulm u. d. Augsburger Reichstag 1530, Diss. Tübingen 1926 (ungedr.);  H. Walther, B. B. u. d. Politik d. Reichsstadt Ulm während d. Ref.zeit, 1929;  W. Fleischhauer, Ein Ulmer Bildnis im dt. Mus., in: Berliner Mus., Berr. aus d. Preuß. Kunstslgg., Jg. 55, 1934, S. 110-11 (P);  M. Ernst, B. B., Bürgermeister in Ulm (1471–1542), in: Zs. f. württ. Landesgesch., Jg. 5, 1941, S. 88-113 (L, P)ders., B. B., in: Lb. Schwaben II, 1941, S. 35-46 (L, P).

    • Portraits

      Ölgem. auf Holz, um 1513 (Dt. Mus. Berlin); Ölgem. auf Holz, 1513 (Mus. d. Stadt Ulm).

  • Autor

    Max Huber
  • Empfohlene Zitierweise

    Huber, Max, "Bernhard Besserer von Rohr" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 183 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn135546478.html

Besserer, Bernhard

  • Leben

    Besserer: Bernhard B., ulmischer Bürgermeister in der Reformationszeit, aus dem alten Geschlechte dieses Namens, dem eine Reihe bedeutender Männer entstammten, wie Heinrich B., gefallen als Stadthauptmann bei Altheim gegen Graf Eberhard den Greiner von Würtemberg 1372, Konrad B., einen der Gründer des Münsters 1377, gefallen bei Döffingen 1388, u. A. Von Bernhard B., dem Vertreter seiner damals so wichtigen Stadt in Worms 1521, in Nürnberg 1524, in Augsburg 1525, in Speier 1526, in Regensburg 1527, in Speier, Schmalkalden, Biberach 1529, in Augsburg 1530, in Regensburg 1532 etc., kann man sagen, daß alles, was in Betreff des Kirchenwesens zu jener Zeit in Ulm geschah, seinem unmittelbaren oder mittelbaren Einfluß beizumessen ist. Von Anfang an für die Reformation eingenommen und besonders mit dem Landgrafen von Hessen befreundet, hat er der Sache derselben in dem von ihm regierten Gemeinwesen wol hauptsächlich dadurch gedient, daß er gleich kraftvoll dem Widerstand der Gegner, deren Haupt der Bürgermeister Ulrich Neithart war, begegnend, als klug den ungestümen Eifer der Freunde, namentlich der Prädicanten, mäßigend die Bewegung aus der Bahn der Umwälzung in die Bahn der Entwickelung lenkte, ein staatsmännisches Verfahren, das ihm von Zwingli gelegentlich den Vorwurf der Treulosigkeit eingetragen hat. Sein Todesjahr ist nach seinem Zeitgenossen Sebastian Fischer, dem Neffen des ulmischen Reformators Sam (München Staatsbibl. Cod. bav. 3091 S. 216), nicht das Jahr 1542, wie bisher angenommen worden, sondern 1544.|Schmid, Denkwürdigkeiten der Reformationsgesch. von Ulm. —

    • Literatur

      Keim, Reformat. der Reichsst. Ulm. — Weyermann, Nachrichten von Gelehrten etc. von Ulm II. 33 ff.

  • Autor

    Fr. Pressel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Pressel, Friedrich von, "Besserer, Bernhard" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 572-573 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn135546478.html?anchor=adb

Besserer von Rohr, Bernhard

Portrait(nachweise)

Besserer von Rohr, Bernhard

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Besserer von Rohr, Bernhard