<< Delbrück, Berthold Gustav Gottlieb
Delbrück, Gottlieb Adelbert >>
Delbrück, Clemens Gottlieb Ernst von (seit 1916)
preußischer Staatsmann,
* 19.1.1856 Halle,
† 17.12.1921 Jena.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Ernst (1814–92), Dr. med., Kreisphysikus,
GMR in Halle,
S des Gottlieb (
s. Genealogie 1
u. 3)
u. der Charlotte Klein
s. Genealogie (1);
M Anna (1826–79),
T des Clemens Klenze (1795–1838),
Prof. des römischen Rechts in Berlin (
s. ADB XVI),
u. der Therese Bremer;
Ov Adelbert
s. (3), Rudolph
s. (6);
B Anton (1862–1944),
Prof.,
Dir. der Bremischen Heil- und Pflegeanstalt in Bremen-Ellen (
s. BLÄ);
Vt Berthold
s. (1), Hans
s. (4), Max
s. (7), Heinrich
s. (5);
⚭ Lowinek 1883 Meta (1857–1914),
T des Rittergutsbesitzers
Wilh. Liedke auf Lowinek
u. der Hulda Krüger; 3
S, 1
T,
u. a. Joachim (1886–1951), Schriftsteller (
s. Kosch, Lit.-Lex.).
Leben ↑
Nach seiner Gymnasialzeit in Halle führte Delbrück das juristische Studium (1873–77) an die Universitäten Halle, Heidelberg, Greifswald und Berlin. Im September 1882 bestand er die Prüfung für den höheren Verwaltungsdienst und begann eine erfolgreiche Beamtenlaufbahn als Regierungsassessor in Marienwerder und Landrat des Kreises Tuchel. 1892 kam er als Regierungsrat an das Oberpräsidium in Danzig, wurde 1896 Oberbürgermeister von Danzig und 1902 Oberpräsident der Provinz Westpreußen. Am 18. Oktober 1905 wurde er zum preußischen Minister für Handel und Gewerbe ernannt. In dieser Position als Chef der Bergwerksverwaltung und Minister für alle sozialpolitischen Fragen wurde Delbrück zu einem entschiedenen Vertreter einer Weiterführung der staatlichen Sozialpolitik als eines Mittels, die Arbeiterschaft interessenpolitisch
|an das wilhelminische Reich zu binden. 1909 Staatssekretär des Innern und seit 1914 Vizepräsident des Preußischen Staatsministeriums, wurde Delbrück zum eigentlichen Leiter der Innenpolitik des Reiches. Die Zusammenfassung und Ergänzung des deutschen staatlichen Versicherungswesens in der Reichsversicherungsordnung von 1911 und die Verfassung von Elsaß-Lothringen waren die Hauptergebnisse seiner gesetzgeberischen Arbeit, die ihm die Mitarbeit der christlichen Gewerkschaften und auch einzelner sozialdemokratischer Abgeordneter einbrachte, ihn aber auch, besonders nach seiner Forderung einer Neuorientierung der inneren Politik nach dem Kriegsausbruch 1914, in immer schärfere Spannungen zur Konservativen Partei brachte. Seit Herbst 1911 mit der Vorbereitung der wirtschaftlichen Mobilmachung betraut, in seinen vorbereitenden Maßnahmen aber durch die Reserve Bethmann Hollwegs und die Obstruktion des Reichsschatzsekretärs Kühn behindert, war Delbrück bis zu seinem Abschied am 23.5.1916 der Organisator der deutschen Kriegswirtschaft. Am 14.10.1918 übernahm Delbrück unter bewußter Akzeptierung der im kaiserlichen Erlaß vom 30.9.1918 angekündigten Parlamentarisierung der Reichsverfassung den Posten als Chef des Geheimen Zivilkabinetts des Kaisers, in der Hoffnung, bei der Umwandlung der konstitutionellen Monarchie in eine neue Form der demokratischen Monarchie mitzuwirken. Nach dem Zusammenbruch des Reiches im November 1918 war Delbrück maßgeblich an der Gründung der Deutschnationalen Volkspartei beteiligt, als deren Vertreter er in den Verfassungsausschuß der Nationalversammlung entsandt wurde. Delbrücks Konzeption einer nach links reformierten konservativen Partei, die die Sozialpolitik bejahte und bereit war, auf der Basis der bestehenden Verhältnisse loyal im Staate mitzuarbeiten, ist jedoch in seiner Partei, deren zunehmende Radikalisierung er ablehnte, nicht zum Zuge gelangt.
Werke ↑
Reden 1906-16,
hrsg. v. M.
Frhr. v. Braun, 1917; Die Ausbildung f. d. höheren Verwaltungsdienst in Preußen, 1917; Die wschftl. Mobilmachung in
Dtld. 1914,
hrsg. v. J.
v. Delbrück, 1924
(Memoiren);
Verhh. d. Verfassungsgebenden Dt. Nat.vers.,
Bd. 336, Anlagen
z. d. Stenograph.
Berr. Nr. 391:
Ber. d. Verfassungsausschusses, 1920; Das Werk d. Untersuchungsausschusses d. Verfassungsgebenden Dt. Nat.vers.
u. d. Dt. Reichstages 1919-28, 4. Reihe, 2.
Abt.: Der Innere Zusammenbruch, 12.
Bd., 1. Halbbd., Anlage 12, 1929.
Literatur ↑
R. Bahr, C.
v. D., 1916;
Joachim
v. D., C.
v. D., Ein Charakterbild, 1922
(P);
Soz. Praxis 30, 1921, S. 1337;
M.
v. Braun, Von Ostpreußen bis Texas, 1955, S. 75
ff., 98
ff.;
DBJ III (
Tl. 1921,
L).
Autor ↑
Gerhard A. RitterEmpfohlene Zitierweise ↑
Ritter, Gerhard A., „Delbrück, Clemens Gottlieb Ernst von“,
in: Neue Deutsche Biographie
3
(1957), S.
575 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116057866.html
Delbrück, Clemens von
Name: Delbrück, Clemens von
Namensvariante: Delbrück, Clemens
Namensvariante: Delbrück, Clemens Gottlieb Ernst
Namensvariante: Delbrück, Clemens Gottlieb Ernst von
Lebensdaten: 1856 bis 1921
Geburtsort: Halle
Sterbeort: Jena
Beruf/Lebensstellung: preußischer Staatsmann
Konfession: evangelische Familie
Autor NDB:
Ritter, Gerhard A.PND: 116057866