<< Rainer Joseph
Raiser. >>
Rainer Ferdinand (Rainer der Jüngere)
Erzherzog von Österreich, Militär, Politiker, Förderer von Kunst und Wissenschaften,
* 11.1.1827 Mailand,
† 27.1.1913 Wien. (katholisch)
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Aus d.
Geschl. d. Habsburger (s.
NDB VII);
V Ehzg. Rainer (1783–1853), Vizekg.
v. Lombardo-Venetien (s.
NDB 21);
M Maria Elisabeth
v. Savoyen-Carignan (1800–56);
⚭ 1852
Ehzgn. Maria Karolina (1825–1915,
Cousine), T d.
Ehzg. Karl (1771–1847),
FM (s.
NDB XI), u. d. Henriette
Prn. v. Nassau-Weilburg (1797–1829).
Leben ↑
R. verbrachte die Kindheit und fugend im
österr. Italien, hauptsächlich auf dem Schloß zu Monza. Mit 17 Jahren kam er nach Wien, wo er
jur. Studien –
v. a. Staats- und Völkerrecht – aufnahm, um schließlich 1843 als Oberst die Militärlaufbahn zu ergreifen; 1854 wurde er Generalmajor, 1861 Feldmarschalleutnant, 1874 Feldzeugmeister. 1872-1906 war er Oberkommandant der neu errichteten Landwehr der im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder, an deren Aufbau er wesentlichen Anteil hatte und deren militärische Gleichwertigkeit mit der
k. u. k. Armee er erreichte. Der als liberal geltende und populäre Erzherzog wurde 1857 zum Präsidenten des ständigen Reichsrates (bis 1861) und 1860 des verstärkten Reichsrates berufen. Als Kompromißkandidat übernahm
R. 1861 die Leitung der ersten Regierung der neuen konstitutionellen Ära (
sog. Reg. R.-Schmerling), von der er 1865 hauptsächlich wegen des Scheiterns der Ungarnpolitik zurücktrat. 1866 nahm er (als
FML) am Krieg in Oberitalien teil.
R. war von 1867 bis zu seinem Tod Mitglied des Herrenhauses, bekleidete sonst aber kein politisches Amt mehr. Er blieb jedoch am politischen Geschehen weiter interessiert, was sich
u. a. in seiner Kritik an der Regierung Taaffe manifestierte. Große Verdienste erwarb sich
R. in der Förderung von Wissenschaft und Kunst. 1861 Kurator der Akademie der Wissenschaften, förderte er deren Unternehmungen auf allen Gebieten. Seit 1863 fungierte er als Protektor des neugegründeten
österr. Museums für Kunst und Industrie (heute
Mus. f. Angewandte Kunst), an dessen Zustandekommen er gemeinsam mit Rudolf Eitelberger (1817–85) beteiligt war. 1873 übernahm er die Stelle des Kommissionspräsidenten für die – nicht erfolgreiche – Wiener Weltausstellung. Der über das übliche Maß seines Standes gebildete und weitgereiste Erzherzog trat auch als bedeutender Sammler von Büchern und Handschriften hervor. Er erwarb
u. a. die
ca. 100 000 Stück zählende Papyrussammlung „El Fayum“ (mit Joseph Karabacek, 1845–1918), die Dokumente, Briefe und Urkunden von etwa 1400 vor bis 1400 nach Christus umfaßte und die er 1899 der
ksl. Hofbibliothek (jetzige
Österr. Nat.bibl.) schenkte.
Literatur ↑
ADB 27, S. 187 f.;
V Silberer (
Hg.), Die Generalität d.
k. k. Armee, 1877, S. 39-42;
W.
v. Hartel, Über d.
griech. Papyri
Ehzg. R.s, 1886;
J.
v. Karabacek, Papyrus
Ehzg. R., Führer durch d.
Ausst., 1894;
E. Deutsch, Zur Feier d. Goldenen Hochzeit d. Herrn
Ehzg. R. u. d.
Ehzgn. Maria Karolina, 1902;
Neue Freie Presse (M.)
v. 28.1.1913;
Voss.
Ztg. (M.)
v. 28.1.1913;
E.
v. Plener, in:
Österr. Rdsch. 34, 1913, S. 247-52.;
E. Kux, Die innere
Pol. d.
Reg. Ehzg. R.-Schmerling u. ihre
dt. Außenpol. im Spiegel
v. „Ost u. West“,
Diss. Wien 1937;
H. Hunger, Aus d.
Vorgesch. d.
Papyrusslg. d.
Österr. Nat.bibl., 1962;
Papyrus
Ehzg. R.,
FS z. 100j. Bestehen d.
Papyrusslg. d.
Österr. Nat.bibl.,
hg. v. d.
Österr. Nat.bibl., 1983;
D. Fruehmann,
Ehzg. R. Ferdinand 1827-1913, Eine Darlegung seines Lebens 1850-1913,
Diss. Wien 1985;
R. A. Kann u. P. Leisching (
Hg.), Ein Leben f. d. Kunst u. Volksbildung, Eduard Leisching 1858-1938, Erinnerungen, 1978;
Wurzbach VII;
BJ 18, 1917, S. 149-54;
Kosch, Biogr. Staatshdb.;
ÖBL;
Biogr. Lex. Südosteuropa;
Hist. Lex. Wien.
Autor ↑
Thomas KleteckaEmpfohlene Zitierweise ↑
Kletecka, Thomas, „Rainer Ferdinand“,
in: Neue Deutsche Biographie
21
(2003), S.
122
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd117700886.html