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Kleinfercher, Johann (Pseudonym Fercher von Steinwand)

Dichter, * 22.3.1828 Steinwand bei Stall im Mölltal (Kärnten), 7.3.1902 Wien. (katholisch)


GenealogieLebenWerkeLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
V Georg Frohnwisser, aus Feldkirchen/Kärnten, später Bauer „Am Moos“ b. Penk im Mölltal; M Anna Kleinfercher, aus Latzendorf, Gem. Stall im Mölltal, Magd.

Leben  
Nach Schulbesuch in Klagenfurt (1840–49) und Schlußprüfungen in Görz (1849) machte sich Kleinfercher an der Universität Graz mit der Gedankenwelt Fichtes, Schellings und Hegels vertraut und legte so die Grundlage seiner Weltanschauung. In Wien hörte er seit 1850 Astronomie, Geschichte und Geographie; eine schwere Typhuserkrankung (1852/53) stellte seine berufliche und dichterische Zukunft in Frage. Ein Vermächtnis des Anatomen J. Hyrtl sicherte jedoch Kleinferchers Lebensunterhalt, L. A. Frankl und R. Hamerling förderten seine dichterischen Pläne. 1854 schrieb er für die Zeitschrift „Der Wanderer" die Dichtungen „Der Eisenbahnzug" und „Grabbe". Von einem geplanten Zyklus, aus der Sehnsucht nach einem deutschen Nationaldrama entstanden, sind erhalten „Drahomira", „Der Thronwechsel“, „Dankmar“ (hierfür erhielt Kleinfercher 1867 den Literaturpreis des österreichischen Reichsrats) und das Fragment „Berengar“. „Ein Prometheus“ ist eine Künstlertragödie um Grabbe. Pathos und Leidenschaftlichkeit dieser Werke erinnern an Schillers Jugenddramen. Kleinferchers Lyrik (Gräfin Seelenbrand, 1874; Deutsche Klänge aus Österreich, 1881; Johannisfeuer,|1898; Kryptofloreu, 1904) manifestiert ebenso wie seine hochfliegenden epischen Pläne (Ahasver, Der Geisterzögling und andere Fragmente) die Auseinandersetzung des deutschen Idealismus mit dem Materialismus. In seiner Ablehnung des Materialismus bekämpfte er als Programmatiker der Wiener Schriftstellervereinigung „Iduna“ (1890) den Naturalismus. Mit seinen Dichterfreunden der „Norischen Schule“ (E. Rauscher, F. Pichler, Fr. Marx und R. Hamerling) stand er in regem Briefwechsel, Rudolf Steiner wurde von Kleinfercher entscheidend beeinflußt. In seinen literarhistorischen Aufsätzen erwies sich Kleinfercher als origineller und kluger Kritiker. Sein Schaffen hatte jedoch keine Breitenwirkung.

Werke  
Sämtl. Werke, hrsg. v. J. Fachbach Edler v. Lohnbach, 3 Bde., 1903 (mit Einl. v. F. Christel u. W. Madjera); Briefe, hrsg. v. J. Fachbach Edler v. Lohnbach, 1905 (P).

Literatur  
E. Winkler, Fercher v. Steinwand im Leben u. in d. Dichtung, 1928; F. Zauner, in: Carinthia I, 143, 1953, S. 455 f.; E. Nußbaumer, Geistiges Kärnten, Lit.- u. Geistesgesch. d. Landes, 1956, S. 394 ff.; BJ VII (u. Tl. 1902, W, L); Nagl-Zeidler-Castle III (bibliogr. Hinweise), IV (P).

Portraits  
Ölgem. v. Bender (im Bes. d. Fam. Cella, Stall im Mölltal).

Autor  
Erich Nußbaumer
Empfohlene Zitierweise  

Nußbaumer, Erich, „Kleinfercher, Johann“, in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 751 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118890832.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 11 (1977), S. 751 f.

PND: 118890832
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Index

Kleinfercher, Johann

Name: Kleinfercher, Johann
Namensvariante: Fercher von Steinwand, Johann
Lebensdaten: 1828 bis 1902
Geburtsort: Steinwand bei Stall im Mölltal (Kärnten)
Sterbeort: Wien
Beruf/Lebensstellung: Dichter
Konfession: katholisch
Autor NDB: Nußbaumer, Erich
PND: 118890832

Weitere Informationen

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Kleinfercher, Johann

PND
118890832

Normdaten
Personennamendatei (PND)
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Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950

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