<< Klaar, Alfred
Klabund >>
Klaatsch, Hermann
Paläontologe,
* 10.3.1863 Berlin,
† 5.1.1916 Eisenach.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V August (1827–85), Arzt,
Geh. Sanitätsrat in
B. (s.
ADB 51;
BLÄ),
S d. Medizinalrats
Dr. med. Hermann (1792–1829) in
B. u. d. Ida Elisabeth Eimbeck;
M Julie (1829–98),
T d. Ernst Schwendler (1754–1853),
Kaufm. u. Konsul d. USA in Frankfurt/M., u. d.
Joh. Clara Heim;
Ur-Gvv Joh. Gottlieb (1754–1834),
preuß. Geh. Oberfinanzrat, Karl
Wilh. Eimbeck (
† 1840),
preuß. Geh. Oberjustizrat,
Vizepräs. d. Kammerger.,
Mitgl. d. Staatsrats (s.
NND 18);
Groß-Ov Eduard Friedrich (1796–1865),
preuß. Geh. Archivrat, Historiker; - ledig (?).
Leben ↑
Klaatsch war bereits früh an Zoologie interessiert und begann sein Studium mit naturwissenschaftlichen Fächern in Heidelberg. Seine erste wissenschaftliche Arbeit „Zur Morphologie der Säugetierzitzen“ entstand 1883; im gleichen Jahr betrieb er an der französischen Riviera Studien, vor allem über den Bau von Coelenteraten. 1885-88 war er Assistent bei W. Waldeyer am Anatomischen Institut der Universität Berlin und wurde 1885 mit einer Arbeit über die Eihüllen von Phocaena communis zum doctor medicinae promoviert. Seit 1888 war Klaatsch bei Karl Gegenbaur am Anatomischen Institut der Universität Heidelberg tätig, habilitierte sich dort 1890 in Anatomie und wurde 1895 zum außerordentlichen Professor für die Anatomie des Menschen ernannt. 1894 hielt er sich auf den zoologischen Stationen in Neapel und Messina auf und vertiefte seine Kenntnisse über niedere Wirbeltiere. 1904-07 unternahm er im Auftrag der Akademie der Wissenschaften zu Berlin eine umfassende Forschungsreise, die ihn nach Neu-Guinea, Java (1905, dabei Besuch der Pithecanthropus-Fundstellen) und schließlich nach Australien führte. Die hierbei aus dem anthropologisch-ethnographischen Studium der Ureinwohner gewonnenen Erkenntnisse über die menschliche Paläontologie beeinflußten Klaatschs wissenschaftliche Entwicklung entscheidend. Nach der Rückkehr erhielt er eine Berufung als außerordentlicher Professor für Anatomie, Anthropologie und Ethnographie nach Breslau, zugleich als Kustos der Sammlungen des Anatomischen Instituts und des Ethnographischen Museums, dessen Ausbau er sich besonders zuwandte. 1914 wurde er zum Leiter der neueröffneten anthropologisch-ethnographischen Sammlung bestellt.
|Klaatsch, dessen Leistungen heute vor allem forschungsgeschichtliches Interesse haben, befaßte sich sowohl mit der vergleichenden Anatomie und Stammesgeschichte der Wirbeltiere als auch mit der speziellen Stammesgeschichte des Menschen und seiner Rassenmorphologie. Seine Bedeutung als einer der großen zeitgenössischen Anthropologen liegt in seinen grundlegenden Untersuchungen zur Primatenmorphologie, besonders anhand fossiler Menschenfunde.
Werke ↑
u. a.
Grundzüge d. Lehre Darwins, 1900;
Die Entwicklung d.
Menschengeschl., in: H. Krämer, Weltall, Erde u. Menschheit II, 1902;
Reiseergebnisse
üb. d. Uraustralier, in:
Zs. f. Ethnol., 1906/07;
Homo Mousteriensis Hauseri, in: Archiv f.
Anthropol. NF 7, 1909, S. 288 f. (mit O. Hauser);
Homo Aurignacensis Hauseri, in: Prähistor.
Zs. 1, 1910, S. 273-338;
Über fossile Menschenrassen d. Eiszeit, 1910 (mit
dems.);
Der Werdegang d. Menschheit u. d. Entstehung d. Kultur,
hrsg. v. A. Heilborn, 1916.
Literatur ↑
Th. Mollison, in:
Dt. med. Wschr., 1916, S. 263;
A. Heilborn, in: Die Umschau, 1916, S. 213;
H. Mötefindt, in:
Naturwiss. Wschr. 31,
NF 15, 1916, S. 297-99;
R. Wegner, in:
Zbl. f. Mineral., 1916, S. 353-60;
ders., in: Anatom.
Anz. 48, 1916, S. 611-23
(W, P);
H. Hahne, in: Mannus,
Zs. f.
Vorgesch. 7, 1916, S. 366-75;
H. Seger, in: Prähist.
Zs. 7, 1916, S. 242-46;
E. Fischer, in:
Zs. f. Ethnol. 47, 1916, S. 385 f.;
G. Heberer, Schwalbe,
K. u. Mollison, in: Forscher u. Wissenschaftler im heut. Europa,
hrsg. v. H. Schwerte u. W. Spengler, II, 1955;
E. Banse,
Lex. d.
Geogr. I, 1923, S. 737;
Pagel (W);
Fischer.Autor ↑
Gaston MayerEmpfohlene Zitierweise ↑
Mayer, Gaston, „Klaatsch, Hermann“,
in: Neue Deutsche Biographie
11
(1977), S.
697-698
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11752297X.html