<< Kittel, Johann Joseph
Kittlitz, Heinrich Freiherr von >>
Kittel, Kaspar
Komponist,
* 1603 Lauenstein,
† 9.10.1639 Dresden.
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Eltern
unbek.;
B Jonas (
† n. 1656), Bassist;
⚭ N. N.;
S Christoph (
† n. 1663), Hoforganist in
D., Christian (
† 1705), Bassist u. Lautenist;
E Joh. Heinrich (1652–82), 2. Hoforganist, sämtl. in d. Dresdner Hofkapelle;
Verwandter Christoph (
† n. 1680),
Komp. d. geistl. Konzerts „O süßer Jesu Christ“,
Hrsg. d. „Zwölf geistl. Gesänge
v. Heinr. Schütz“ (1657); -
nicht verwandt Joh. Christian (1732–1809), letzter Bachschüler, Orgellehrer, dessen
Kompp. (Choralvorspiele, Orgel-Kompositionsschule, Orgel-Präludien) po
|lyphone, galante u. sinfon. Stilmerkmale zeigen (s.
ADB 16;
MGG VII,
W, L;
Riemann u. Erg.bd.).
Leben ↑
Die Dresdener Musikerfamilie Kittel hat in Kittel ihren ältesten nachweisbaren Vertreter. Er stand in enger Verbindung mit Heinrich Schütz, dessen Schüler er ebenso wie sein Bruder Jonas und sein Sohn Christoph gewesen ist. 1624 wurde Kittel vom sächsischen Kurfürsten nach Venedig geschickt, 1629 kehrte er mit Schütz nach Dresden zurück und war als Theorbist und Lehrer der Kapellknaben, 1632 auch als Instrumenten-Inspektor bei der Hofkapelle angestellt. In seinem einzigen Kompositionswerk „Arien und Cantaten … Sambt beygefügtem Basso continuo“ (1-4stg. Dresden 1638) nennt er sich auch „Churfürstlicher Cammer-Musicant“. Sein Vorwort richtet er an die „noch ungeübten Sänger … damit sie in der Höhe zu singen gewehnet und der Stimmen mächtig und geläufig werden möchten“. Mit diesem Werk, in dem sich pädagogische Absichten mit erstaunlichen künstlerischen Fähigkeiten verbinden, brachte Kittel den monodischen Kompositionsstil des Italieners Giulio Caccini nach Deutschland. Das Werk wurde dadurch beispielhaft für die spätere deutsche weltliche und geistliche Kantate. Die Bezeichnung „Kantate“ taucht damit zum erstenmal in Deutschland auf. Kittel nennt so seine durchkomponierten mehrstrophigen Gesänge über ostinatem Baß, für den er zweimal die seinerzeit sehr beliebte „Aria di Ruggiero“ wählt. Besonders wertvoll sind die mancherlei ausgeschriebenen Verzierungen für die damalige Gesangspraxis. Auch in der Textwahl verfährt Kittel sehr sorgfältig: neben 9 Gedichten von Martin Opitz stehen 21 weitere qualitätvolle Texte unbekannter Herkunft. Die abschätzigen Urteile von Riemann und Kretzschmar können heute nicht mehr aufrecht erhalten werden.
Literatur ↑
H. Kretzschmar,
Gesch. d. neueren
dt. Liedes
v. Albert bis Zelter, 1912;
E. Schmitz,
Gesch. d. weltl. Solokantate, 1914;
W. Vetter, Das Frühdt. Lied, 1928;
E. Müller
v. Asow, Heinrich Schütz,
Ges. Schrr. u. Briefe, 1931;
H. Moser, Corydon, das ist d.
Gesch. d. mehrstimm. Liedes u. Quodlibets im
dt. Barock, 1933;
ders., Heinrich Schütz, 1936,
21954;
G. Ilgner, Einige klärende
Nachrr. üb. d. Leben d.
Musikerfam. Kittel am Dresdner Hofe zur Schützzeit, in: Musik u. Kirche 10, 1938;
I. Becker-Glauch, Die Bedeutung d. Musik f. d. Dresdner Hoffeste bis in d. Zeit Augusts d. Starken, 1950;
Das
dt. Sololied u. d. Ballade, in: Das Musikwerk 14, 1957;
Ch. Engelbrecht. Die Kasseler Hofkapelle im 17.
Jh. u. ihre anonymen Musik.-
Hss. a. d. Kasseler
Landesbibl., 1958;
Riemann (W, L) u. Erg.bd.
(L) (auch f. Fam.);
MGG VII
(W, L;
auch f. Fam.).
Autor ↑
Christiane Bernsdorff-EngelbrechtEmpfohlene Zitierweise ↑
Bernsdorff-Engelbrecht, Christiane, „Kittel, Kaspar“,
in: Neue Deutsche Biographie
11
(1977), S.
693 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd123778247.html