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NDB-Artikel

<< Kerr, Alfred     Kerschensteiner. >>

Kerrl, Hanns

Reichskirchenminister, * 11.12.1887 Fallersleben, 14.12.1941 Paris. (lutherisch)


GenealogieLebenWerkeLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
V Eduard (1841–1920), Rektor in F.; M Auguste Heimbach ( 1935); Braunschweig 1914 Marga (1887–1969), T d. Hofbes. Joh. Wilhelm Schrader in Garmissen u. d. Juliane Kaune; 2 T .

Leben  
Kerrl besuchte das Gymnasium in Hameln und schlug dann die Laufbahn eines mittleren Justizbeamten ein. 1914-1918 nahm er am 1. Weltkrieg teil, seit 1915 als Leutnant und Kompanieführer. Als Justizoberrentmeister in Peine tätig, stieß er früh zur nationalsozialistischen Bewegung und gehörte zu den ersten Kampfgefährten Hitlers in Norddeutschland. 1928 wurde er Mitglied, am 25.5.1932 erster NS-Präsident des preußischen Landtages, im März 1933 wiedergewählt, und wurde am 23.3.1933 zum Reichskommissar für das preußische Justizministerium ernannt. Seit 21.4.1933 war er preußischer Justizminister, nach der Übertragung der Justizverwaltung von den Ländern auf das Reich seit 17.6.1934 Reichsminister ohne Geschäftsbereich. Im September 1933 wurde er preußischer Staatsrat, am 12.11.1933 Mitglied und am 12.12.1933 Vizepräsident des Reichstages, im April 1935 Leiter des Zweckverbandes „Reichsparteitag Nürnberg“, Leiter der Reichsstelle für Raumordnung und am 16.7.1935 Reichsminister für die kirchlichen Angelegenheiten.
Die Einsetzung Kerrls zum Reichskirchenminister war ein staatlicher Hoheitsakt gegenüber allen Religionsgesellschaften, der aber besonders wegen der Verhältnisse in der evangelischen Kirche erfolgt war. Nach 1933 hatten die nationalsozialistischen „Deutschen Christen“, zunächst unterstützt von den neuen politischen Instanzen, die Synthese von Christentum und Nationalsozialismus propagiert und wollten auf dieser Basis die verschiedenen Landeskirchen zu einer einheitlichen evangelischen Reichskirche mit dem Reichsbischof Ludwig Müller an der Spitze zusammenschließen. Gegen diesen Versuch einer ideologischen und organisatorischen Anpassung an den Nationalsozialismus und gegen die Person Müllers hatte sich ein erheblicher innerkirchlicher Widerstand gebildet. Die faktische Kirchenspaltung meinte Kerrl – der wie die „Deutschen Christen“ eine Synthese zwischen Christentum und Nationalsozialismus im Sinne H. St. Chamberlains für möglich hielt – durch Herausstellung eines kirchenleitenden Gremiums unter Beteiligung der verschiedenen Gruppen („Reichskirchenausschuß“) überwinden zu können; er scheiterte damit aber bereits 1937, nicht zuletzt darum, weil er das anfängliche Vertrauen Hitlers schon bald verloren hatte. Kerrl versuchte nun, durch schärfere administrative Maßnahmen die Kirchen und besonders die kirchliche Opposition („Bekennende Kirche“) unter Kontrolle zu behalten; er wurde jedoch in seinen politischen Wirkungsmöglichkeiten von den immer einflußreicher werdenden weltanschaulichen Distanzierungskräften in der NSDAP, die auf eine weitgehende Zurückdrängung von Christentum und Kirche aus dem öffentlichen Leben hinarbeiteten, stark eingeschränkt. Sein Tod bewahrte ihn vor weiteren Fehlschlägen in dem Bemühen, den Kirchen gegenüber dem weltanschaulichen Totalitätsanspruch des Nationalsozialismus ein gewisses Maß von Eigenständigkeit zu bewahren.

Werke  
Die Dt. Gemeindeordnung v. 30.1.1935 (Kommentar mit J. Weidemann), 1935; Über Weltanschauung u. Rel. im nat.sozialist. Staat, 1938 (nur in franz., ital. u. span. Übers. in Berlin veröff.).

Literatur  
J. S. Conway, Die nat.sozialist. Kirchenpol. 1933–45, 1969, S. 148 ff.; L. Wenschkewitz, Zur Gesch. d. Reichskirchenmin. u. s. Ministers, in: Tutzinger Texte, Sonderbd. 1: Kirchenkampf, 1969, S. 185-205; dies., Pol. Versuche e. Ordnung d. Dt. Ev. Kirche durch d. Reichskirchenmin. 1937–39, in: Zur Gesch. d. Kirchenkampfes, Ges. Aufsätze II, 1971, S. 121-38.

Portraits  
Hdb. üb. d. Preuß. Staat 138, 1934 (Titelbl.); Das Dt. Führerlex. 1934/35, 1934, S. 227.

Autor  
Carsten Nicolaisen
Empfohlene Zitierweise  

Nicolaisen, Carsten, „Kerrl, Hanns“, in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 534 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd122898397.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 11 (1977), S. 534
Erwähnungen: 
NDB 22 (2005), S. 255 in Artikel Rumpf, Max
NDB 23 (2007), S. 644 in Artikel Schürff, Hans

PND: 122898397
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Index

Kerrl, Hanns

Name: Kerrl, Hanns
Lebensdaten: 1887 bis 1941
Geburtsort: Fallersleben
Sterbeort: Paris
Beruf/Lebensstellung: Reichskirchenminister
Konfession: lutherisch
Autor NDB: Nicolaisen, Carsten
PND: 122898397

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Kerrl, Hanns

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122898397

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