<< Kepler, Johannes
Keppler, Wilhelm >>
Keppler, Paul von| (württembergischer Personaladel 1899)
Bischof von Rottenburg,
* 28.9.1852 Schwäbisch Gmünd,
† 16.7.1926 Rottenburg/Neckar.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Friedrich (1804–55,
ev.), Gerichtsnotar in Münsingen, seit 1852 in
Sch. G.,
S d. Ludwig (1772–1855),
Kaufm., Stadtrat u. Heiligenpfleger in Pfullingen, u. d. Christiane Gottliebin Leutwein;
M Caroline (1811–82,
kath.),
T d.
Dr. med. Peter Laib, Oberamtsarzt in Oberndorf, u. d. Eleonore Albus.
Leben ↑
Nach Schulbildung in Schwäbisch Gmünd begann Keppler trotz Sprach- und Gedächtnisstörungen das Studium der Theologie in Tübingen bei J. von Kuhn, P. von Schanz und F. X. Funk und trat 1874 nach Erlangung des 1. Preises für eine Homilie über Rom. 8, 13 in das Priesterseminar in Rottenburg ein. Nach der Priesterweihe 1875 wurde er Kaplan in Ulm und Schwäbisch Gmünd. 1876 ernannte ihn Bischof K. J. von Hefele zum Repetenten am Wilhelmstift in Tübingen. Er arbeitete an der „Theologischen Quartalschrift", der „Literarischen Rundschau" und den „Historisch-Politischen Blättern" mit, wurde 1880 Stadtpfarrer von Cannstatt und 1882 Schulinspektor von Stuttgart. In dieser Zeit begann er seine kritischhomiletische Arbeit. 1883 wurde er als Nachfolger von Schanz Professor für neutestamentliche Literatur und Exegese und promovierte 1884 mit der Untersuchung „Die Composition des Johannesevangeliums“. 1889 wurde er Professor für Moral- und Pastoraltheologie in Tübingen und 1894 für Moraltheologie in Freiburg. Er beschäftigte sich auch mit religiöser Kunst und unternahm 1892 eine Studienreise nach Palästina, Griechenland und Italien. Durch seine publizistische Tätigkeit, insbesondere die beiden in zahlreichen Auflagen erschienenen Bücher „Mehr Freude“ (1909, 183. Tausend 1929, in 14 Sprachen übersetzt) und „Leidensschule“ (1914, 71. Tausend 1923, in 7 Sprachen übersetzt) wurde er in breitesten Kreisen bekannt. 1885-94 war er auch Schriftleiter des „Archivs für christliche Kunst“. 1898 wurde er zum 6. Bischof von Rottenburg gewählt. Nach der Bischofsweihe 1899 widmete er sich auch weiterhin der schriftstellerischen Tätigkeit; bis zu seinem Tode wurden mehr als ½ Million Exemplare seiner Bücher in 15 Sprachen gedruckt.
In der heutigen Sicht wird das Bild Kepplers insbesondere durch seine Teilnahme am Modernistenstreit verdunkelt. Er galt ursprünglich nicht als reaktionär und war als Professor in Freiburg sogar mit F. X. Kraus befreundet. 1901 hatte er mit Vorbehalt dem Werke „Der Katholizismus im 20. Jahrhundert im Licht der kirchlichen Entwicklung der Neuzeit“ von A. Ehrhard das Imprimatur erteilt. Wahrscheinlich unter dem Einfluß seines Freundes Julius Langbehn, des sogenannten „Rembrandtdeutschen“, wurde Keppler immer mehr auf die Seite des Integralismus gedrängt. Am 1.12.1902 hielt Keppler in Rottenburg eine aufsehenerregende Rede über „Wahre und falsche Reform“ (
21903, englisch und französisch), die bis in wörtliche Formulierungen hinein von Langbehn beeinflußt war und sich in scharfen Wendungen wie „Margarinekatholizismus“ über den „Reformkatholizismus“ ausließ und eine langjährige Hetzkampagne gegen Keppler einleitete. Er gab zwar zu, daß gewisse Dinge in der Kirche einer Reform bedürften, doch seine kaum verhüllte Kritik an Männern wie Kraus, Schell und Ehrhard erstaunte allgemein. Die vielen Angriffe in der Presse und im Landtag verletzten ihn tief und verhärteten das Klima. Er verfaßte auch den deutschen Hirtenbrief zum Antimodernisteneid und wurde zu einem der führenden deutschen Bischöfe. In grundsätzlichen Fragen kannte er keine Kompromisse. Seine Fachkenntnis in künstlerischen und literarischen Fragen war allgemein anerkannt, wenn er sich auch nicht vom Subjektivismus freizuhalten vermochte. Sein Leben zeigt, wie sehr an sich unpolitische Naturen, die vom Katheder weg zum Bischof berufen wurden, durch die Wirren der Zeit in eine von ihnen nicht gewollte Richtung gedrängt wurden. Keppler erwarb sich bleibende Verdienste für den deutschen Katholizismus durch seinen erfolgreichen Kampf gegen das katholische Bildungsdefizit in Deutschland.
Werke ↑
Weitere W
Das Johannesevangelium u. d. Ende d. 1.
christl. Jh., 1883;
Unseres Herrn Trost, 1887,
31914
hrsg. v. S. Weber;
Württembergs kirchl. Kunstaltertümer, 1888;
Wanderfahrten u. Wallfahrten im Orient, 1894,
101922;
Das Problem d. Leidens, 1894,
91919;
Die Advenlsperikopen, 1899,
61917 (
engl.);
Aus Kunst u. Leben, 2
Bde., 1905,
81923 in 1
Bd.;
Homilet. Gedanken u. Ratschläge, 1910,
61911 (in 5 Sprachen
übers.);
Homilien u.
|Predigten, 3
Bd., 1912.
91929 (
franz.,
holländ.,
poln.);
Die Armenseelenpredigt, 1913,
81923 (
engl.,
holländ.,
span.);
Im Morgenland, 1913, 17.
Tsd., 1930 (
fläm.);
Vorwort zu: P. B. M. Nissen, Der Rembrandtdeutsche, 1926, Wasser aus d. Felsen, 2
Bde.,
hrsg. v. H. Seibold, 1927/28,
21929.
Literatur ↑
J. Baumgärtner, P. W.
v. K., 1925;
J. K. Brechenmacher, Bischof P. W.
v. K. als
Päd., 1925;
G. Hassl, P. W.
v. K., 1928;
F. Egger, Bischof P. W.
v. K., Leben u. Werk, 1928;
Die Diözese Rottenburg u. ihre Bischöfe 1828-1928,
hrsg. v. F. Stärk, 1928
(P);
E. Mack, Dr. P. W.
v. K., 1932;
H. Schiel, Franz Xaver Kraus u. d.
kath. Tübinger Schule, 1958;
A. Hagen, in:
Schwäb. Lb. VI, 1957, S. 429-44
(W, L, P);
ders.,
Gesch. d. Diözese Rottenburg III, 1960
(P);
ders., Der Reformkatholizismus in d. Diözese Rottenburg 1902–20, 1962;
O. Köhler, Bewußtseinsstörungen im Katholizismus, 1972;
Hdb. d.
KG,
hrsg. v. H.
Jedin, VI/2: Die Kirche
zw. Anpassung u. Widerstand (1878–1914), 1973.
Autor ↑
Wilhelm BaumEmpfohlene Zitierweise ↑
Baum, Wilhelm, „Keppler, Paul von“,
in: Neue Deutsche Biographie
11
(1977), S.
508 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118777068.html