<< Kees.
Kees, Johann Jakob der Ältere >>
Kees, Hermann
Ägyptologe,
* 21.12.1886 Leipzig,
† 7.2.1964 Göttingen. (lutherisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Paul (1851–1906), Rittergutsbes.,
S d. Karl (1826–70) auf Zöbigker u. Prödel u. d. Thekla Bucher;
M Thekla (1864–1918),
T d. Alexander Hermann Schmidt (1831–76), Bankier (
Fa. Hammer u. Schmidt) in
L., u. d. Anna Leopoldine Michelsen;
Vorfahre Joh. Jakob (s. 2); -
⚭ Zöbigker
b. Leipzig 1919 Annemarie (1894–1959),
T d.
Großkaufm. Felix Schaeffer (1858–1901) in Leipzig u. d. Clementine Conradi; 1
S, 1
T ; 1
Adoptiv-S.
Leben ↑
Nach dem Studium der Ägyptologie, Archäologie, Alten Geschichte und Kunstgeschichte in Göttingen und München wurde Kees 1911 promoviert. Gemeinsam mit F. W. von Bissing bereiste er 1912 Ägypten. Nach Teilnahme am 1. Weltkrieg (Militär-Sankt Heinrichs-Orden) verbrachte Kees die ersten Nachkriegsjahre bei Sethe in Göttingen, habilitierte sich 1920 in Freiburg im Breisgau und war 1921-24 Privatdozent in Leipzig, von wo er auf das Ordinariat für Ägyptologie in Göttingen berufen wurde. Trotz wiederholter Rufe blieb er in Göttingen. Das Ende des 2. Weltkrieges, an dem Kees als Major teilnahm, bedeutete zugleich das Ende seiner Lehrtätigkeit in Göttingen; 1951-56 war Kees Gastprofessor an der Ain-Schams-Universität in Kairo.
Kees gehörte noch der Generation von Ägyptologen an, die das ganze Spektrum des sich ständig ausweitenden Faches souverän überschauen und in Forschung und Lehre vertreten konnten: Geschichte, Religion, Sprachgeschichte, Kunst und Archäologie waren für ihn Teile einer Einheit. Angesichts der Breite des von Kees beherrschten Gebietes bleibt lediglich die Einschränkung, daß er zwar beträchtliche Materialmengen analysierte und in einen geschichtlichen Rahmen einordnete, in wohlbedachter Zurückhaltung aber das Quellenmaterial nur so weit interpretierte, wie es sich selbst noch als wiedererweckbare Realität anbot. So wird die altägyptische Religion – Kees verfaßte die beiden Standardwerke „Der Götterglaube im alten Ägypten“ (1941,
21956) und „Totenglauben und Jenseitsvorstellungen der alten Ägypter“ (1926,
21956) – in erster Linie dargestellt als ein
|über das ganze Land gezogenes Netz von einzelnen Kultplätzen mit Göttern, die nach Namen, Aussehen und Epitheta geordnet sind, untermauert durch Zusammenstellungen einschlägiger religiöser Texte, durch Beobachtungen der Wechselwirkungen zwischen Religion und Geschichte, durch Sammlungen von Besonderheiten der Ortskulte und vor allem durch Listen der jeweilig tätigen Priester; ihre Namen, Titel und genealogischen Angaben waren für Kees greifbarer, und damit wirklicher, als etwa die mitunter nur erschließbaren Wesenszüge der Götter.
Nur auf dem sicheren Boden der die damalige „Wirklichkeit“ widerspiegelnden Materialien erwuchsen die Arbeiten von Kees.: Seine „Kulturgeschichte“ – ein weiteres Standardwerk der Ägyptologie – ist noch immer ein unerläßliches Nachschlagewerk für sämtliche Realien der dreitausendjährigen Hochkultur am Nil; „Das Alte Ägypten, Eine kleine Landeskunde“ (1955,
21958) lieferte die geographischen Daten für den Lebensraum der Ägypter; die „Beiträge zur Provinzialverwaltung“ oder „Beiträge zur Geschichte des Vezirats im Alten Reich“ ließen die Menschen, die in Amt und Würden tätig waren, aus dem spröden Quellenmaterial auferstehen. Das reiche Schrifttum von Kees und seine in seinen Schülern weiterwirkende Lehrtätigkeit haben die Ägyptologie maßgeblich beeinflußt; seine Werke werden noch lange eine Fundgrube für kommende Ägyptologen bleiben
|Auszeichnungen ↑
o. Mitgl. d. Göttinger
Ak. d. Wiss. (1927),
Mitgl. d.
Dt. Archäolog.
Inst. (1934),
Mitgl. d.
Dt. Ak. d. Wiss. Berlin (1939).
Werke ↑
Weitere W u. a.
Kulturgesch. d. Alten Orients I: Ägypten, in:
Hdb. d.
Altertumswiss., 1933;
Das Priestertum im ägypt. Staat, 1953 u. 1958;
Die Hohenpriester d. Amun
v. Karnak, 1964. -
Verz. s. Schrr.
(1912-1964) zusammengest.
v. Christa Müller, in:
Zs. f. Ägypt. Sprache u.
Altertumskde. 92, 1966, S. 79-86.
Literatur ↑
Festschr. z. 70.
Geb.tag, in:
Mitt. d.
Dt. Archäolog.
Inst.,
Abt. Kairo 14, 1956;
Zs. f. Ägypt. Sprache u.
Altertumskde. 81, 1956, S. VII
(P);
E. Otto,
ebd. 91, 1964, S. XVI-XX;
Ph. Derchain, in: Chronique d'Égypte 39,
Nr. 77 f., 1964, S. 97 f.;
S. Morenz, in: Orientalist.
Lit.ztg. 59, 1964, S. 229;
H. Brunner, in: Archiv f. Orientforschung 21, 1966, S. 271 f.
Autor ↑
Wolfhart WestendorfEmpfohlene Zitierweise ↑
Westendorf, Wolfhart, „Kees, Hermann“,
in: Neue Deutsche Biographie
11
(1977), S.
389 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116090782.html