<< Kautz, Jakob
Kawerau. >>
Kautzsch, Emil
Alttestamentler und Orientalist,
* 4.9.1841 Plauen (Vogtland),
† 7.5.1910 Halle/Saale. (lutherisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Karl Friedrich (1813–94), Bürgerschullehrer in Annaberg u.
P., seit 1853 Pfarrer in Rodersdorf, seit 1864 in Altensalz,
S d. Karl Friedrich, Erbbegüteter u. Kirchenrat in Cranzahl, u. d. Christiana Concordia Prager;
M Amalia Amanda Querfurth (1815–91),
T d. Carl Edler
v. Querfurth, auf Förstel, Schönheide u. Wildenthal,
sächs. Rittmeister, u. d. Charlotte Christiane Breitfeld;
⚭ Rodersdorf 1866 Helene (1843–1931),
T d. Rittergutsbes. Friedrich Wilhelm Michaelis in Rodersdorf u. d. Ernestina Meusel (beide Pfarrers-
K ); 9
K ,
u. a. Rudolf (1868–1945),
Prof. d.
Kunstgesch., erforschte die
Baugesch. d. Dome in Mainz, Speyer u. Worms, d.
ma. Kirchen im Elsaß u. beschäftigte sich mit
Hss.- u. Buchillustrationen (s.
Kürschner, Gel.-Kal. 1931 u. 1941), Paul (1882–1958),
Kunsthist., Kustos u. Prof d. Staatsschule f. freie u.
angew. Kunst Berlin-Charlottenburg, Karl (1873–1938),
luth. Theologe, gab Werke
K.s heraus, Johanna (
⚭ Ernst Neumann, 1875–1955,
Prof. d. Math. in Marburg (s.
Pogg. V-VII a);
E Eberhard (
* 1905),
Prof. d. Geol.Leben ↑
Kautzsch studierte 1859-63 Theologie und Orientalistik in Leipzig bei dem Alttestamentier F. Tuch und dem Orientalisten H. L. Fleischer (doctor philosophiae 1863, Licentiatus theologiae 1868). Nach dem 1. Theologischen Examen (1863) wurde Kautzsch Lehrer am Nikolaigymnasium in Leipzig, legte 1865 das 2. Examen ab und war seit 1866 Oberlehrer. 1869 habilitierte er sich für alttestamentliche Exegese in Leipzig (De VT locis a Paulo apostolo allegatis). 1871 zum außerordentlichen Professor ernannt, wurde er schon 1872 als Ordinarius nach Basel berufen (1878/79 Rektor). Dort übernahm er wiederum nebenamtlich schulpädagogische Aufgaben am damaligen Pädagogium und am Frey-Grynäischen Institut. Einen Ruf nach Heidelberg (1875) lehnte er ab, nahm jedoch einen solchen nach Tübingen 1879 an. Seine Hauptwirksamkeit entfaltete er schließlich in Halle, wohin er im Herbst 1888 übersiedelte und wo er das alttestamentliche Ordinariat bekleidete (1898-99 Rektor). Berufungen nach Leipzig (1890) und nach Berlin (1894) lehnte er ab.
Seine Gabe, schlicht und klar darzustellen, die verschiedenen Meinungen besonnen abzuwägen und auf seine Hörer einzugehen,
|sowie sein in mehr als 15jähriger schulischer Tätigkeit bewährtes pädagogisches Geschick bewirkten eine starke Anziehungskraft seiner Vorlesungen (350 Hörer). Davon ist auch seine literarische Wirksamkeit geprägt, und das macht die bis in die Gegenwart reichende Bedeutung seiner vornehmlich 3 Gebieten zugewandten Arbeit aus. Voran steht die Beschäftigung mit der Grammatik der hebräischen Sprache. Die hebräische Grammatik von W. Gesenius wurde von Kautzsch völlig umgearbeitet sowie ständig verbessert und erweitert, so daß die letzte Auflage zu einem auch außerhalb Deutschlands weit verbreiteten Standardwerk wurde (
22-281878-1909, Nachdruck 1962 englisch von A. E. Cowley, 1910,
21946). Die Palästina-Archäologie tritt zwar in seinen Publikationen nicht sonderlich zutage, und das was er veröffentlichte, ist weithin zeitbedingt und somit heute von geringerem wissenschaftlichem Wert. Allein, die Aufmerksamkeit, mit der er die aufbrechende archäologische Aktivität im Heiligen Lande begleitete, beweist, welchen hohen Rang Kautzsch der Archäologie für die Schriftforschung einräumte, und erklärt den Nachdruck, mit dem er in Verbindung mit A. Socin und C. F. Zimmermann die Gründung des „Deutschen Vereins zur Erforschung Palästinas“ 1877 betrieb (heute: Deutsches Evangelisches Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes), und die Anteilnahme, die er der bis in die Gegenwart fortgeführten Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins zuteil werden ließ. Das eigentliche Lebenswerk Kautzschs steht in enger Berührung mit diesen beiden Arbeitsgebieten und ist getragen von dem Bestreben, den Ertrag wissenschaftlichen Forschens weiten Kreisen zu vermitteln. Es ist die von Kautzsch ins Leben gerufene und in Verbindung mit einer Reihe von Fachgelehrten erarbeitete Übersetzung des Alten Testaments ins Deutsche: „Die Heilige Schrift des Alten Testaments“ (1890-94,
31908-10,
41922 von A. Bertholet). Ergänzt wurde diese durch die ebenfalls von Kautzsch besorgte deutsche Ausgabe der Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten Testaments (1898–1900,
31962). Die Tatsache, daß außer einer gewissenhaften, textkritisch abgesicherten Übersetzung auch literarkritische Ergebnisse mitgeteilt und daß der sachgerechten Erklärung des Textes dienende Anmerkungen beigegeben sowie knappe Einleitungen zu den einzelnen Büchern und auch zu den kleineren literarischen Einheiten hinzugefügt wurden, hebt diese beiden monumentalen Werke in den Rang von wissenschaftlichen Kurzkommentaren, die noch heute einen festen Platz in der Fachliteratur einnehmen.
|Auszeichnungen ↑
D. theol. (Basel 1873); Ehrenbürger
v. Basel, 1875.
Werke ↑
Weitere W
Die Echtheit d. moabit. Altertümer geprüft, 1876 (mit A. Socin);
Joh. Buxtorf
d. Ä., 1879;
Über d. Derivate d. Stammes ṣādaq im alttestamentl. Sprachgebrauch, 1881;
Die Siloahinschr., in:
Zs. d.
Dt. Palästina-
Ver. 4, 1881, S. 102-14, 260-71;
Nachträgliches
z. Siloahinschr.,
ebd. 5, 1882, S. 205-18;
Grammatik d. Biblisch-Aramä., 1884;
Die ursprüngl. Bedeutung d. Namens Jahve Zebaoth, in:
Zs. f. d. alttestamentl.
Wiss. 6, 1886;
Die Genesis mit äußerer Unterscheidung d. Qu.schrr., 1888 (mit A. Socin),
21891;
Alttestamentl. Exegese, in: Die
dt. Universitäten, 1893;
Die Psalmen
übers., 1893;
Eine
Mitt. üb. e. alte
Hs. d. Targum Onkelos, 1893;
Abriß d.
Gesch. d. alttestamentl. Schriftthums, 1897,
auch in:
Beil. zu „Die
Hl. Schr. d.
AT“,
hrsg. v. E.
K., 1894,
engl. v. J. Taylor, 1899;
Bibelwiss. u. Rel.unterricht, 1900,
21903;
Die bleibende Bedeutung d.
AT, 1901,
31922;
Die Aramaismen im
AT unters., 1902;
Die Poesie u. d. poet. Bücher d.
AT, 1902;
Rel. of Israel, in: J. Hastings, Dictionary of the Bible, Extra Vol., 1904, S. 612-734;
Die
sog. aramaisierenden Formen d. Verba y“y im Hebräischen, in:
Oriental. Stud. II,
Festschr. Th. Nöldeke, 1906;
Der alttestamentl. Ausdruck nèphesch mēt, in: Philotesia,
Festschr. P. Kleinert, 1907;
Theol. d.
AT,
hrsg. v. Karl Kautzsch
(S), 1911. -
Hrsg.: K. R. Hagenbach,
Enc. u.
Methodol. d. theolog.
Wiss.,
101880,
111884;
Übungsb.
z. hebr. Grammatik
v. Gesenius-
K., 1881-
61907;
H. Scholz, Abriß d.
hebr. Laut- u. Formenlehre,
51885,
61889;
Hebr. Grammatik, Kleine
Ausg., 1896,
21909;
Textbibel d. Alten u. Neuen Testaments, 1899,
31912. -
Mithrsg.: Theolog.
Stud. u. Kritiken 61-83, 1888-1910.
Literatur ↑
P. Thomsen, in:
Christl. Welt 24, 1910;
F. Kattenbusch, in: Theolog.
Stud. u. Kritiken 83, 1910;
H. Guthe, in:
Mitt. u.
Nachrr. d.
Dt. Palästina-
Ver. 10, 1910
(P);
H. Gunkel, in:
Dt. Lit.-
Ztg. 33, 1912;
J. de Fraine, in:
Dict. de la Bible,
Suppl. V, 1950;
H. J. Kraus,
Gesch. d.
hist.-krit. Erforschung d.
AT, 1956,
21969;
BJ 15.
Portraits ↑
Phot. (Halle, Archiv d. Martin-Luther-
Univ. u.
Bilderslg. d.
Bibl. d. Sektion
Theol.).
Autor ↑
Hans-Jürgen ZobelEmpfohlene Zitierweise ↑
Zobel, Hans-Jürgen, „Kautzsch, Emil“,
in: Neue Deutsche Biographie
11
(1977), S.
376 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116089172.html