<< Katte, von
Kattenbusch, Ferdinand >>
Katte, Hans Hermann von
Freund des Kronprinzen Friedrich,
* 28.2.1704 Berlin, hingerichtet 6.11.1730 Küstrin.
Genealogie
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| Literatur
| Portraits
| Autor
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Genealogie ↑
V Hans Heinrich
Gf. (
preuß. Gf. 1740, 1681-1741), auf Wust
usw.,
preuß. GFM (s.
ADB 15;
Priesdorff I, S. 118 f.,
P),
S d. Hans (1633–84), magdeburg. Hof- u. Kammerrat, sachsen-coburg.
GR u. Hofmarschall, Landrat u.
Amtshauptm. zu Jerichow u. Sandau, u. d. Eva Auguste
v. Stammer;
M Dorothee Sophie (1684–1707),
T d.
preuß. GFM Alexander Hermann
Gf. v. Wartensleben
|(1650-1734) u. d. Sophie Dorothee
v. May;
Verwandte Matthias
Joh. Gf. v. d. Schulenburg (1661 1747),
kursächs. GFM (s.
ADB 32); Melusine
Gfn. v. d. Schulenburg (1667–1743),
Hzgn. v. Kendal, Mätresse
Kg. Georgs I.
v. England (s.
ADB 32);
Vt Hans
Frdr. (1698–1764),
preuß. Gen. (s.
ADB 15;
Priesdorff I, S. 337 f.); - ledig.
Leben ↑
Nach dem Tod der Mutter lebte Katte auf Doorth bei Deventer, in Berlin und auf Wust bei verschiedenen Familienmitgliedern. 1717-21 besuchte er das Hallesche Pädagogium, studierte anschließend in Königsberg und Utrecht, reiste nach England, Frankreich und Venedig. In England besuchte er wohl seine mütterliche Gönnerin und Tante Melusine Gräfin von der Schulenburg, Herzogin von Kendal, die allmächtige Dame Englands. 1724 trat Katte mit Rücksicht auf den König in das Kürassierregiment Gens d'armes ein, avancierte 1729 zum Leutnant und 1730 zum Premierleutnant. 1728 wurde er zusammen mit seinem Vater zum Johanniterritter geschlagen. Im Regiment wurde Kronprinz Friedrich auf Katte aufmerksam, der Flöte spielte, dichtete und ein wenig komponierte, der belesen und weltgewandt war. Aus Interesse für die Mathematik und Mechanik nahm Katte an dem Unterricht teil, den Senning dem Kronprinzen erteilte. In Ansichten und Sitten unterschied sich Katte kaum von anderen gebildeten jungen Militärs seiner Zeit. Sein Verhältnis zum Kronprinzen entwickelte sich zu einer recht engen Freundschaft. Katte besorgte Aufträge für Friedrich und trat wohl auch in nähere Beziehung zur Prinzessin Wilhelmine. Im Frühjahr 1730 vertraute ihm Friedrich – sicherlich in Kenntnis von Kattes Beziehungen zu Melusine von der Schulenburg – seine Fluchtpläne an und bat um Hilfe, die Katte zusicherte. Katte gehörte zur englischen Partei am Hofe. Nach dem gescheiterten Fluchtversuch wurde Katte, der nach seinen Aussagen die Flucht mehr verhindern als fördern wollte, am 16.8.1730 in Berlin verhaftet. Das Kriegsgericht erkannte auf ewiges Gefängnis und bestätigte diesen Spruch auch auf Einspruch des Königs. Rasend vor Wut, in seinem absolutistischen Selbstverständnis gekränkt, ließ Friedrich Wilhelm I. für die Opposition bei Hofe und für den renitenten Adel im Lande – die Kattes gehörten zu den immer wieder frondierenden Adelsfamilien im Erzstift Magdeburg und der Altmark, die Friedrich Wilhelm auch in seinem Testament 1722 als „schlimme ungehorsame“ Leute charakterisierte – ein Exempel statuieren. Er verwandelte das „lebenslänglich“ des Kriegsgerichts durch Machtspruch aus dem Kabinett in ein Todesurteil (1.11.1730). Nur aus Rücksicht auf die Familie sollte Katte ohne vorheriges Reißen mit glühenden Zangen enthauptet werden. Der königliche Machtspruch wurde auf der Festung Küstrin vor den Augen des Kronprinzen, den der König zum Zuschauen zwingen ließ, vollzogen.
Literatur ↑
ADB 15;
Wahre
Nachr. v. d. scharffen Execution d. Lieutnants
v. K. …, 1731,
Neudr. 1907;
F.
K. Frhr. v. Moser,
Kgl. Kab.-Justiz-Mord
v. 1730, in: Patriot. Archiv f.
Dtld. III, 1785, IV, 1786;
Dokumente
z. Gesch. d. Enthauptung d.
Gf. v. K. im J. 1730, in: Eklekt.
Mschr. H. 2,
Nr. 3, 1785;
R. Koser,
Gesch. Friedrichs d. Gr., 4
Bde.,
51914;
E. Lavisse, Die Jugend Friedrichs d. Gr. 1712–40, 1919;
W. Hegemann, Das Jugendbuch
v. großen König
od. Kronprinz Friedrichs Kampf um d. Freiheit, 1930;
C. Hinrichs, Der Kronprinzen-Prozeß, Friedrich u.
K., 1936;
T. Fontane, Wanderungen durch d. Mark Brandenburg II u. III 1971. -
Literar. Bearbb.: J. G. Schlumberger, Lieutnant
v. K. od. d. Kronprinzen Flucht, Drama, 1834;
A. Lewald,
K., Roman, 1840;
T. Posthumus, Friedrich
d. Gr. Jugendj., 1840;
P. Wilcken,
K. od. d. Prüfungstage Friedrich
d. Gr.,
Hist. Charaktergem. in 3 Aufzügen, 1842;
J. Mosen,
K., Drama, 1842;
C. Wilberg, H. H.
v. K. (6.11.1730) (Gedicht 2. H. 19
Jh.);
Ferd. Schmidt. Friedrich
d. Gr. b. z. s. Thronbesteigung,
o. J.;
A. Jordan,
K., Epos, 1854;
G. zu Putlitz, Kronprinz Friedrich
d. Gr. u. H. H.
v. K., 1857,
auch in: Brandenburg. Geschichten, 1862;
C.
v. Bolanden, Der Gefangene
v. Küstrin, in:
Hist. Novellen
üb. Friedrich II.
v. Preußen u. s. Zeit I, 1865;
A. C. Strahl, Friedrich
d. Gr. in volkstüml. Gedichten, 1905;
A. Schaeffer,
K. (Tragödie), 1912;
H. Burte (
d. i. H. Strübe),
K., Schauspiel in 5 Aufzügen, 1914;
P. Sommer,
Erll. zu Hermann Burtes
K.,
o. J.;
P. Ernst, Preußengeist, Drama, 1915;
J.
v. d. Goltz, Vater u. Sohn. Drama, 1919;
P. Schulze Berghof,
K.s letzte Stunden. 1925;
Rud. v. Katte,
K.s Tod, 1930;
G.
v. Brockdorff,
K., die
Gesch. e. Freundschaft, 1934;
H. Rehberg, Friedrich Wilhelm I., Schauspiel, 1935;
W. May, Friedrich u.
K., 1942.
Portraits ↑
Gem. v. G. Lisiewsky, 1730 (Heidelberg,
Prof. Gisbert zu Putlitz),
Abb. in:
GHdA, Gfl. Häuser A VI;
vgl. Martin
v. Katte, H. H.
v. K. im Bildnis, 1974 (Typoskript).
Autor ↑
Gerhard KnollEmpfohlene Zitierweise ↑
Knoll, Gerhard, „Katte, Hans Hermann von“,
in: Neue Deutsche Biographie
11
(1977), S.
329 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11856062X.html
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Katte, Johann Friedrich von >>
Katte, Hans Hermann von
Leben
| Autor
| Literatur
| Zitierweise
Leben ↑
Katte: Hans Hermann v. K., geb. am 28. Februar 1704, † am 6. November 1730, Sohn des 1741 als preußischer Feldmarschall verstorbenen Hans Heinrich v.
K. Nach einer sorgfältigen Ausbildung, welche ursprünglich die Vorbereitung zu der juristischen Laufbahn bezweckt hatte, widmete sich
K., wie es heißt gegen seine Neigung, dem Soldatenstande. Als Lieutenant im Regiment der Gensd'armes zu Berlin bald in enge persönliche Beziehungen zu dem Kronprinzen Friedrich getreten, wurde
K. der Vertraute der Entweichungspläne, mit denen der Prinz seit Ende 1729 sich trug. Nach der Entdeckung des vereitelten Fluchtversuchs vom 4. August 1730 wurde
K., der trotz einer Warnung seine Rettung versäumt hatte, zu Berlin verhaftet. Dasselbe Kriegsgericht, das sich zur Urtheilsprechung über den Thronfolger für incompetent erklärt hatte, verdammte
K. zu ewiger Festungsstrafe, indem bei Stimmengleichheit die für den Tod abgegebenen Stimmen als Minorität angesehen wurden. Als bei einer von Friedrich Wilhelm I. angeordneten nochmaligen Aufnahme des
kriegsrechtlichen Verfahrens die Abstimmung zu demselben Ergebniß führte, verwandelte der König das Erkenntniß in ein Todesurtheil. Am 6. November 1730 wurde
K. zu Küstrin auf den Richtplatz geführt, vor dem Gefängniß des Kronprinzen wechselte er Abschiedsworte mit dem am Fenster stehenden Freunde, der ohnmächtig zusammenbrach. Ob der Sandhaufen, vor dem knieend
K. den Todesstreich empfing, von dem Fenster des Kronprinzen gesehen werden konnte, vermag mit Sicherheit nicht gesagt zu werden.
Literatur ↑
Informatio ex actis, bei Preuß, Lebensgeschichte Friedrichs des Großen, Bd. IV., 470. — [Danneil,] Vollständige Protokolle des Köpenicker Kriegsgerichts. Berlin 1861. — Hoffbauer, Die Hinrichtung des H. H. v. Katte (Mittheilungen des historisch-statistischen Vereins zu Frankfurt a. O. VI. VII).
Autor ↑
Koser.Empfohlene Zitierweise ↑
Koser, „Katte, Hans Hermann von“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
15
(1882), S.
455-456
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11856062X.html?anchor=adb