<< Kanka, Franz Maximilian
Kann, Isaak >>
Kankelwitz, Wilhelm von (württembergischer Personaladel 1879)
Maschinenbaumeister,
* 25.1.1831 Neustrelitz,
† 13.2.1892 Niederlößnitz bei Dresden. (lutherisch)
Genealogie
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| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Ludwig (1801–71), Privatschullehrer,
Sekr. beim Intelligenzbl., zuletzt Reg.pedell in Neustrelitz,
S d. Carl, Schulmeister u. Küster in Bargensdorf/Meckl., u. d. Regina Bonath;
M Karoline (1798–1892),
T d. Hüfners Friedrich Fischer in Neustrelitz;
⚭ Maria Wernicke (1836–98); 1
T .
Leben ↑
Nach Besuch der Bau-Akademie in Berlin, an der er sich als Bauführer und Wasserbaumeister ausgebildet hatte, blieb Kankelwitz in Berlin und ging als Konstrukteur zur Maschinenbauanstalt C. Hoppe. Hier konstruierte er Mühlenanlagen aller Art, vor allem Holzschneidemühlen. Über Theorie und Konstruktion von Sägegattern für Nadelhölzer veröffentlichte Kankelwitz 1862 die erste deutschsprachige Arbeit. Er stellte darin ihren Kraftbedarf bei stärkeren Sägen fest, machte die Konstrukteure mit vielen wichtigen Einzelheiten bekannt und wollte den Sägewerksbesitzern einen rationellen Betrieb nahebringen. Kankelwitz führte auch ein Horizontalgatter aus und entwickelte einen stufenlosen Vorschubantrieb der Sägegatter mit Reibrädern. Er plante außerdem Einrichtungen für Ziegeleien, Brennereien, Brauereien, Zucker- und Zementfabriken. Als Mitgründer des Vereins deutscher Ingenieure (1856) gehörte Kankelwitz dem ersten Verein Deutscher Ingenieure-Vorstand an.
Bei Hoppe ein hervorragender Konstrukteur geworden, ging Kankelwitz 1858 als Fachlehrer an die Werkmeisterschule nach Chemnitz, die spätere Höhere Gewerbeschule, und lehrte dort Mathematik, Mechanik und technische Fächer, speziell Mühlenbau. Während dieser Zeit unterhielt er ein eigenes Konstruktionsbüro und bereitete unter anderem eine Quellwasserleitung mit Kanal- und Stollenarbeiten für die Stadt Chemnitz vor; sie kam 1872 zur Ausführung. Die Festigkeitsberechnung von Maschinenelementen lehrte Kankelwitz unter neuen Gesichtspunkten. Bei den Zahnrädern ließ er nicht zu, daß die spezifische Pressung in der Berührungsfläche zweier Zähne eine gewisse Größe überschritt. Denn diese Pressung äußere sich in Reibung und damit Abnutzung und Erwärmung der Zahnflanken. Dabei nahm Kankelwitz an, daß diese Berührungsfläche proportional der Teilung und der Zahnbreite sein müsse. Er kam damit für die übertragbare Kraft auf ein Produkt aus Zahnbreite, Teilung und einer Erfahrungskonstanten. Eine solche einfache Rechnung war Mitte des 19. Jahrhunderts wegen der geringen Materialauswahl und der niedrigen Drehzahlen möglich. Sein Schüler Carl Bach lehrte diese Formel weiter und modernisierte sie, so daß sie sich wegen ihrer Einfachheit bis in die neueste Zeit hielt.
1868 wurde Kankelwitz als Professor an das Polytechnikum in Stuttgart berufen. Er las über Wassermotoren, Wasserförder- und Fabrikanlagen und hielt Übungen in deren Konstruktion ab. Im gleichen Jahr zog er seinen Chemnitzer Lieblingsschüler Carl Bach als Assistenten nach. Damit verschaffte er der späteren Technischen Hochschule Stuttgart einen ihrer bedeutendsten Lehrer. In Stuttgart entwickelte Kankelwitz bis 1886 eine intensive Tätigkeit und gab dem württembergischen Maschinenbau einigen Aufschwung. Er betrieb auch hier ein eigenes Konstruktionsbüro, wo er Wasserförder-, Wasserbau- und Fabrikanlagen plante. Dabei wurde er unter anderem zum Hauptverfechter der Radial-Wasserturbine des Amerikaners James B. Francis in Deutschland. Er wollte sie in Wasserkraftanlagen mit mittlerem Gefälle verwenden und konstruierte daher zunächst selbst eine Original-Francis-Turbine mit festen Leitschaufeln, die er bei J. M. Voith in Heidenheim/Brenz einreichte. Voith führte auf diesen Anstoß hin 1874 eine wei
|terentwickelte Francis-Turbine mit Drehschaufeln und Spiralgehäuse für die Leitschaufeln aus. So verhalf Kankelwitz dieser Hauptbauart von Wasserturbinen zur Einführung in Deutschland und leistete durch seine Anregungen einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des deutschen Wasserkraftmaschinenbaues.
Werke ↑
Über d. Gewinnung d. Mineralöls u. d. Paraffins, in:
VDI-Zs. 1, 1857, S. 42-45, 147-52, 2, 1858, S. 31-38;
Über Schwungräder
b. Walzwerken,
ebd. 3, 1859, S. 76 f.;
Der Betrieb d. Schneidemühlen,
ebd. 8, 1862,
Sp. 269-90, 315-32, 409-28, 465-74
Literatur ↑
Schwäb. Merkur, Stuttgart, 1868, S. 189, 315 u. 1467;
ebd., 1886, S. 1005, 1029;
P. Zech,
Festschr. z. Feier d. Einweihung d. Flügelbaus sowie d. 25j. Jubiläums d.
TH Stuttgart, 1879;
VDI-Zs. 35, 1891,
Nr. 1, S. 25 f.;
C. Bach, Mein Lebensweg u. m. Tätigkeit, 1926, S. 16, 19 f., 23. -
Hauptstaatsarchiv Stuttgart, E 14 Büschel 352.
Herm. Fischer,
Btr. z. Gesch. d. Holzbearbeitungsmaschinen, in: Technik-
Gesch. 3, 1911, S. 64 u. 68;
Karl Keller, James B. Francis,
ebd. 6, 1915, S. 88;
G. Arnold, Carl Hoppe,
ebd. 32, 1965, S. 51 f.;
E. Reichel, Aus d.
Gesch. d. Wasserkraftmaschinen,
ebd. 18, 1928, S. 63 f.
Autor ↑
Hans Christoph Graf von Seherr-ThoßEmpfohlene Zitierweise ↑
Seherr-Thoß, Hans Christoph Graf von, „Kankelwitz, Wilhelm von“,
in: Neue Deutsche Biographie
11
(1977), S.
104-105
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd139998594.html