<< Berliner, Arnold, Physiker
Berly, Carl Peter >>
Berliner, Emile
Elektroingenieur,
* 20.5.1851 Hannover,
† 3.8.1929 Washington. (israelitisch)
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Samuel (1813–72), Kaufmann und Schriftgelehrter,
S des Moses (1786–1854) und der Fratje Enoch (1785–1838);
M Sälly Friedmann (1826–1903) aus Cuxhaven;
B Manfred (1853–1931), Betriebswissenschaftler, Gründer einer Handelsschule in Hannover (1876), Joseph (1858–1938), führte die Fabrik Berliners in Hannover weiter;
⚭ 1881 Cora Adler (1862–1942); 4
S, 3
T; N (S von Manfred) Sigfrid (
* 1884,
⚭ Anna Meyer, Psychoanalytikerin), ordentlicher Professor der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Tokio (1913–25), Gründer der Deutschen Lloyd Lebensversicherung
AG, jetzt in Forest Grove (Oregon, USA).
Leben ↑
Berliner begann nach Abschluß der Schuljahre 1865 als Druckereilehrling und Laufbursche; schon während dieser Zeit konstruierte er einen Webstuhl. 1870 wanderte er nach Amerika aus, wo er zunächst in verschiedenen Berufen tätig war, bis er sich in Washington der Fernsprechtechnik zuwandte. 1877 erfand er ein Mikrophon für Fernsprecher, das seinen Namen später weltberühmt machte; die Konstruktion beruht im wesentlichen auf einem losen und veränderlichen Kontakt zur Erzeugung der verschiedenen Sprechströme. Auch die Anwendung des Transformators und der Induktionsspulen in der Telephonie ist auf Berliner zurückzuführen. Die vielumstrittenen Patente wurden von der Bell Telephone Company, der späteren American Telephone and Telegraph
|Company, erworben, in deren Dienste Berliner eintrat. Während eines Deutschlandurlaubs 1881 gründete er in Hannover eine später von seinen Brüdern weitergeführte Fabrik zur Herstellung von Telephonen und Mikrophonen, die wesentlich zur Einführung des Telephons in Deutschland und Frankreich beitrug. 1887 erfand Berliner, der inzwischen als Assistent an das Massachusetts Institute of Technology gegangen war, ein Grammophon, zu dessen Herstellung er die Berliner Grammophone Company in Philadelphia gründete. Sein Grammophon von 1887 nahm die Schallschwingungen auf gewachste, kreisförmige Zinkplatten auf, während Edisons Phonograph von 1877 mit Wachswalzen arbeitete; außerdem wurden die Schwingungen nicht mehr in Steilschrift,
d. h. mit vertikalen Abweichungen, sondern in Flachschrift, also mit horizontalen, seitlichen Ausschlägen aufgezeichnet, wodurch eine wesentliche Verbesserung des Toncharakters und Erweiterung des Tonumfangs erzielt und die Vervielfältigungsmöglichkeiten erheblich verbessert wurden. So war Berliners Grammophon der Vorläufer der späteren Schallplattenapparate.
Literatur ↑
R. Lothar, Die Sprechmaschine, 1924, S. 18 f.
(P);
R. Berger, in:
VDI-
Nachrr. 9, 1929,
Nr. 36, S. 2;
J. Boysen, in:
Zs. f. Fernmeldetechnik 10, 1929, S. 170;
Engeneering 128, 1929, S. 173;
Hdb. d. elektr. Fernmeldewesens, 1929
(L);
G. Rothgießer, in: Phonograph.
Zs. 30, 1929, S. 1218
(P);
Die Umschau 33, 1929, H. 34 S. 685
(P);
VDI-Btrr. 20, 1930, S. 184;
A. F. S. Beard, Our Foreignborn Citizens, New York
41944, S. 65-71;
O. E. Dunlop, Radio's 100 Men of Science, New York-London
21944, S. 99-102;
C. H. Hylander,
Amerikan. Erfinder, 1947, S. 125-33;
W. Scherbius, in:
DBJ XI, S. 51-53 (u. Totenliste 1929,
L). - Zu
Manfred: H. Nicklisdi,
Hdwb. d. Betriebswirtschaft I, 1926.
Autor ↑
Friedrich KlemmEmpfohlene Zitierweise ↑
Klemm, Friedrich, „Berliner, Emile“,
in: Neue Deutsche Biographie
2
(1955), S.
99 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116136146.html