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Berlepsch, Hans Hermann Freiherr von
preußischer Minister,
* 30.3.1843 Dresden,
† 2.6.1926 Seebach. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
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| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V August s. (3);
⚭ Miechowitz 1876 Franziska Freiin von Tiele-Winckler (1857–1927); 4
S, 3
T.
Leben ↑
Das Wirken Berlepschs gliedert sich in die drei Abschnitte des Verwaltungsbeamten (1872–90), des preußischen Handelsministers (1890–96) und des für die nationale sowie internationale Sozialreform tätigen, nichtamtlichen Organisators. Eine erfolgreiche Verwaltungslaufbahn führte ihn über die Stationen des Landrats in Kattowitz (1872), des leitenden Staatsministers in Schwarzburg-Sondershausen (1877), des Regierungsvizepräsidenten in Koblenz (1881), des Regierungspräsidenten in Düsseldorf (1884), des Oberpräsidenten der Rheinprovinz (Oktober 1889) bis zur Ablösung Bismarcks im preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe am 31.1.1890. Während ihm die Landratstätigkeit in Kattowitz eine genaue Kenntnis der oberschlesischen Großindustrie und Arbeiterschaft vermittelte, brachten ihm die Jahre amtlicher Wirksamkeit in Düsseldorf reiche Erfahrungen in den industriellen und sozialpolitischen Fragen des Westens ein. Im Verlauf des Bergarbeiterstreiks des Ruhrreviers im Mai 1889 fielen ihm die Verhandlungen mit den Arbeitervertretern zu, die er zu einem befriedigenden Abschluß führte. Durch unmittelbare Berührung mit der Arbeiterbewegung befestigte sich in ihm die Überzeugung, „daß es sich bei ihr um eine jener großen historischen Bewegungen handelt, die nicht mit Gewalt zu unterdrücken sind“.
Die Arbeiterschutzgesetzgebung zu Beginn der 90er Jahre bildete - nächst der Unterstützung von Caprivis Handelspolitik - den Hauptinhalt seiner ministeriellen Tätigkeit und erreichte mit der Gewerbeordnungsnovelle vom 1.7.1891 sogleich einen Höhepunkt. Auf der internationalen Arbeiterschutzkonferenz in Berlin im März 1890 führte Berlepsch den Vorsitz. Die sogenannte „Ära Stumm“ entzog ihm seit 1894/95 die Grundlage seines sozialpolitischen Wirkens, so daß er sich Juni 1896 genötigt fühlte, seinen Abschied zu nehmen.
Frei von allen amtlichen Bindungen hat sich Berlepsch als Privatmann der Verwirklichung der Sozialreform auf nationaler und internationaler Ebene kraftvoll gewidmet. Er war an der Gründung der „Internationalen Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz“ um 1900 maßgeblich beteiligt und wurde gleichzeitig Vorsitzender der deutschen „Gesellschaft für soziale Reform“. Er strebte den Zusammenschluß von Menschen verschiedener parteipolitischer, konfessioneller und berufsständischer Zugehörigkeit an.
Werke ↑
Kaiser Wilhelm II. u. Fürst Bismarck, 1922; Sozialpolit. Erfahrungen u. Erinnerungen, 1925.
Literatur ↑
L.
v. Wiese,
Frhr. v. B., in: Kölner Sozialpolit.
Vjschr. 5, 1926, S. 89;
W. Trappe, Dr. H.
Frhr. v. B. als Sozialpolitiker,
Diss. Köln 1934.
Portraits ↑
Holzschnitt in:
LIZ 94, 1890, S. 154.
Autor ↑
Walter BußmannEmpfohlene Zitierweise ↑
Bußmann, Walter, „Berlepsch, Hans Hermann Freiherr von“,
in: Neue Deutsche Biographie
2
(1955), S.
96
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118968432.html
Berlepsch, Hans Freiherr von
Name: Berlepsch, Hans Freiherr von
Namensvariante: Berlepsch, Hans Hermann Freiherr von
Lebensdaten: 1843 bis 1926
Geburtsort: Dresden
Sterbeort: Seebach
Beruf/Lebensstellung: preußischer Minister
Konfession: evangelisch
Autor NDB:
Bußmann, WalterPND: 118968432