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Anna von Munzingen >>
Anna Amalia
Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach,
* 24.10.1739 Wolfenbüttel,
† 10.4.1807 Weimar (lutherisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Herzog Karl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel;
M Prinzessin Philippine Charlotte,
T Friedrich Wilhelms I. von Preußen und
Schw Friedrichs des Großen;
⚭ 16.3.1756 Ernst August II. Konstantin, Herzog von Sachsen-Weimar-Eisenach (1737–58);
S Karl August (1757–1828), Friedrich Ferdinand Konstantin (1758–93).
Leben ↑
Nach dem frühen Tod ihres Gatten wurde Anna Amalia auf Grund seiner testamentarischen Verfügung zum einzigen Vormund ihrer beiden Söhne und zur Regentin des Landes (bis 1775) eingesetzt. Es gelang ihr, trotz ihrer Jugend und Unerfahrenheit in Fragen der Regierung, mit Hilfe kluger und tüchtiger Räte alle Schwierigkeiten, vor allen Dingen finanzieller Art, zu meistern. 1771 berief sie Wieland als Erzieher ihrer Söhne nach Weimar, und 1773 folgte Goethe. Ihr Lieblingsaufenthalt war,
|nachdem sie die Regentschaft aufgegeben hatte, das Schlößchen Tiefurt an der Ilm. 1788 trat sie eine große Reise nach Italien an und blieb dort zwei Jahre. Beim Einbruch der Franzosen (1806) verließ sie Weimar. Ein „indéfinibles“ Wesen nennt Goethe die Herzoginmutter und auch, Eckermann gegenüber, eine „vollkommene Fürstin mit vollkommen menschlichem Sinne“. In den drei großen Abschnitten ihres Lebens, als Regentin, als Begründerin des Weimarer Musenhofes (bis zur italiensichen Reise) und dann als Erhalterin ihres Lebenswerkes, übte sie großen Einfluß auf das geistige Leben ihres Landes aus. Zeitweilig war sie Mittelpunkt des Weimarer Musiklebens. Ihre Kompositionen verraten die tüchtige und gebildete Dilettantin.
Werke ↑
Musik
z. Goethes „Erwin u. Elmire“, Uraufführung 24.5.1776 in Weimar,
hrsg. v. M. Friedländer, 1921; Kompositionen
z. Goethes „Jahrmarktsfest zu Plundersweilern“, Uraufführung 20.10.1778 in Weimar; Divertimento.
Literatur ↑
ADB I
(unter Amalie);
F. Bronhak.
A.-
A.,
Hzgn. v. Sachsen-Weimar-Eisenach, die Begründerin d.
klass. Zeit Weimars, 1892;
W. Bode,
A.,
Hzgn. v. Weimar, 3
Bde.,
21909;
J. H. Merck, Briefe an d. Hzgn.mutter A.
A. u. an d.
Hzg. Karl
Aug. v. Sachsen-Weimar,
hrsg. v. H. G. Gräf, 1910;
H. Abert, Goethe u. d. Musik, 1922;
H. Wahl, Das Wittumspalais d.
Hzgn. A.
A., 1927;
L. Frede, Die Sechserplage, Geldschwierigkeiten in Sachsen-Weimar-Eisenach unter
A., in:
Ztschr. d.
Ver. Thür.
Gesch.,
NF 33, 1939, S. 135 bis 166;
A. Bergmann, Briefe d. Hzg.s Karl
Aug. an seine Mutter. 1938;
A. Krille,
Btr. z. Gesch. d. Musikerziehung u. Musikübung d.
dt. Frau, 1938;
H. Lilienfein, A.
A., 1944;
O. Heuschele, A.
A., 1944,
21947;
A.
A. Abert, in;
MGG.
Portraits ↑
Gem. v. J. H. W. Tischbein u. G. M. Kraus (Weimar, Goethehaus, Wittumspalais,
Slg. Grhzg.
v. Sachsen-Weimar-Eisenach);
Kupf. v. A. Weger nach
Gem. v. A. Kaufmann (
Graph. Slg. München);
s. a. Singer I,
Nr. 1157–71.
Autor ↑
Georg von DadelsenEmpfohlene Zitierweise ↑
Dadelsen, Georg von, „Anna Amalia“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
302 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118649485.html
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Amama, Sixtinus >>
Anna Amalia
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Amalia, eigentlich
Anna
Amalia, Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach, geb. 24. Oct. 1739, Tochter des Herzogs Carl von
Braunschweig, wurde im 16. Jahre ihres Lebens mit dem Herzog Ernst
August Constantin 1756 am 16. März vermählt, nachdem sie, wie ihre
Selbstbiographie sagt, eine gerade nicht glückliche Jugend
genossen hatte, weil sie ihren Geschwistern nachgesetzt der
"Ausschuß der Natur" genannt worden sei. Da ihr Gemahl schon 1757
starb, ging sie, selbst noch minderjährig, mit dem Lande einer
schweren Zukunft entgegen, zumal sie durch Testament zur
Vormünderin über den am 3. September
1757 geborenen Erbprinzen Carl August, sowie zur
Landesregentin bestimmt war. Nach erlangter
Volljährigkeitserklärung führte sie die Regentschaft bis zum 3.
September 1775, wo Carl August, dem noch nach des Vaters Tode ein
Bruder Constantin geboren war, die Regierung des Landes übernahm,
das unter der Herzogin
A.
die schwersten Schläge erlitten hatte. Schwer
heimgesucht von den Leiden des siebenjährigen Krieges, von Hunger
voll, und vor allem von den Folgen einer frühern üblen
Landesverwaltung, welche leider in den deutschen Fürstenthümern
nicht selten war, kämpfte
A.
, erfüllt von ihrer hohen Aufgabe, mit Ausdauer und
Umsicht, um die Lage des schwergeprüften, namentlich in seinen
Finanzverhältnissen zerrütteten Landes einer bessern Zukunft
entgegenzuführen. Nichts weniger als zur Regentin erzogen, wie sie
selbst schreibt, nahm sie, aufgestachelt durch den Ruhm und Glanz
des braunschweigischen Hauses, alle ihre Kraft zusammen, um dieser
Aufgabe gewachsen zu sein. Stolz und Eitelkeit zugleich trugen sie
und sie leistete im innigen Zusammenwirken mit ihrem Vater, der
ein trefflicher Obervormund war, und mit aufopfernden Räthen
Außerordentliches, als gegen das Ende ihrer Regentschaft der
weimarische Schloßbrand das Land von neuem in Besorgnisse und
Kämpfe um die Existenz verwickelte, wenn nicht Einschränkungen
aller Art in der Hof- und Landesverwaltung Platz gegriffen hätten.
Fünfzehn Jahre lang lag das Schloß als ein bedeutsames Zeichen der
Zeit in seinen Trümmern. — Nicht minder großes leistete
A.
aber auch in der Familie, indem sie mit hohem
Verständniß und wachsamem Auge die Erziehung ihrer unter Leitung
des trefflichen Grafen Görz stehenden Kinder überwachte, weil sie
von ihnen das Wohl von Tausenden erwartete. In ihrer Regierung
umfasste sie alle Zweige der Landesverwaltung mit gleicher Liebe
und gleichem Eifer, sie leistete bei beschränkten Mitteln
außerordentlich Großes und bereitete Weimar für die kommende
Glanzperiode, welche sich mit 1775 erschließt, im besten Sinne
vor, wenn natürlich auch heute ihre Schöpfungen im Lichte unserer
Zeit betrachtet nicht überall den alten Werth und ihre Bedeutung
behaupten und manche Anordnungen Mißgriffe seltener Art
involviren, die die Neuzeit nicht begreifen kann. Aber warme
Fürsorge und ächtes Wohlwollen für das Ganze wie für jeden
Einzelnen, dem sie näher trat, vermag man ihr nicht abzusprechen;
sie strebte mit Ernst, erfüllt von ihrer hohen Aufgabe, richtig
weiter.
Eine nicht minder bedeutsame Stellung gewann und behauptete
A.
in einer ganz andern Richtung ihrer Lebensthätigkeit,
seitdem sie sich in das Privatleben 1775 zurückgezogen hatte. Mit
bescheidenen materiellen Mitteln, aber mit weiser Sparsamkeit
ausgenützt, konnte sie das hohe geistige Interesse fördern,
welches namentlich seit Goethes Eintritt sich mehr und mehr
belebte. Sie förderte Kunst und Wissenschaft, die eigentliche
Aufgabe ihrer und ihrer verwandten Kreise, in den verschiedensten
Richtungen. Das einige Jahre nach dem Schloßbrande erbaute Theater
förderte sie eben so durch materielle Hilfe als durch die höheren
Anforderungen, welche sie mit Goethe an die Leistungen der
Einzelnen stellte. Schon damals wirkte sie für die bessere
Ausbildung der Schauspieler. Ihrem
|hohen Interesse
verdanken wir auch die Aufführungen in Ettersburg und Tiefurt, wie
nicht minder die Wiederbeschassung von Kunstwerken, welche im
Schloßbrande bis auf wenige untergegangen waren. In erster Linie
ist sie als die Begründerin des weimarischen Museums zu
betrachten. Eine besondere Pflege ließ sie, die selbst Componistin
war, den musikalischen Bestrebungen angedeihen, indem sie nicht
allein Musiker ausbilden ließ, sondern auch theoretischen Studien
sich hingab. In allen Zirkeln zeigte sie sich als Mittelpunkt der
Bewegung, und in dem Maße als sie anregte, strebte sie selbst nach
eigner Vervollkommnung. Ihre Sprachstudien, welche sich auf das
Lateinische und Griechische, das Englische und Italienische
erstreckten, sind mit bewundernswerther Ausdauer getrieben und von
großen Erfolgen begleitet gewesen. Der Oberflächlichkeit, welche
leicht in ihren Kreisen durch zersplitternde Thätigkeit Platz
greift, gründlich abhold, war sie nicht allein Uebersetzerin,
sondern auch Dichterin in einigen dieser fremden Sprachen, welche
sie mit bewundernswerthem Fleiße betrieb, gewöhnt, sich durch
schriftliche Arbeiten von diesen ernsten Studien ebenso
gewissenhafte Rechenschaft, als von ihrer Lectüre überhaupt zu
geben. Nur der eignen Muttersprache ist sie Dank dem Zug der Zeit
nie mächtig geworden, wie auch die künstlerischen Versuche im
Zeichnen und Malen hinter ihren Erwartungen weit zurückgeblieben
sind. In umfassender Weise vorgebildet, zog sie 1787 nach Italien,
dem Lande, das sie nicht allein durch die glänzenden und
verlockenden Schilderungen eines Herder und Goethe, sondern um
ihrer geistigen Richtung selbst willen lieb gewonnen. Fast zwei
volle Jahre ging sie völlig in diesem Leben auf und was sie aus
ihm auf den heimischen nordischen Boden verpflanzte, das hat
Goethe einst in der eben erst bekannt gewordenen Widmung seiner
venetianischen Epigramme so schön ausgesprochen: "Sagt, wem geb
ich dies Büchlein? — Der Fürstin, die mirs gegeben, die mir
Italien jetzt noch in Germanien schafft." Wie Unzählige ihrer
Zeitgenossen ihr Anregung, Unterstützung und Förderung ihrer
Lebenszwecke danken, so erfreut sich noch die Nachwelt in Weimars
Umgebungen, in Tiefurt, Ettersburg, Belvedere ihrer Bestrebungen,
mit denen sie dem Stück Erde die Reize der Natur zu entlocken
wußte. Von der Natur trefflich begabt, durch das Aeußere
ausgezeichnet, Fürstin im wahrsten Sinne des Wortes, ist sie ihren
Humanitätsbestrebungen in Ausübung wahrer Demuth alle Zeit gerecht
geworden. Von den Mitlebenden verehrt bis zur Vergötterung, hat
sie in Wort und That das den "Fürsten verderbliche Gift" von sich
abgewehrt und auch in dieser Beziehung ein fürstlich Leben gelebt.
Spät am Abend desselben von harten Verlusten durch den Tod eines
zärtlichen Vaters und Bruders, durch den Hingang ihres zweiten
Sohnes, nochmals aber durch die Schicksalsschläge des Jahres 1806
erschüttert, wo das von ihr gepflegte Land und das weimarische
Haus seinem Untergang nahe stand, verschied sie zu früh 10. April
1807. (Mit Ausnahme von Goethe's Nachruf, der in den S. Werken
gedruckt ist, mangelt es noch an einer genügenden Biographie; vgl.
jedoch die betr. Aufsätze des Unterzeichneten in den Grenzboten
von 1871 und 1872 und Beaulieu-Marconnay, Anna Amalie, Carl August
u. d. Minister v. Fritsch. 1874.
Autor ↑
C. A. N. Burckhardt.
Empfohlene Zitierweise ↑
Burckhardt, C. A. R., „Anna Amalia“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
386-387
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118649485.html?anchor=adb