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Albrecht >>
Albrecht von Scharfenberg
bayerischer Epiker, um 1280.
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Leben ↑
Albrechts Epen sind nur in der spätmittelalterlichen Umdichtung von U. Füetrers „Buch der Abenteuer“ (1490) erhalten. Füetrer schreibt Albrecht auch den „Jüngeren Titurel“ des Albrecht zu. Gegen diese Verfassergleichsetzung, die seit 1809 Gemeingut der Forschung war, wurden wegen der Widersprüche in den einzelnen Dichtungen seit 1883 starke Zweifel geäußert und statt dessen zwei verschiedene Dichterpersönlichkeiten angesetzt. Neuerdings wird die Verfasseridentität wieder ernstlich erwogen (durch Wolf 1953 wie schon durch Hamburger 1889): da jedoch Albrechts Werke nur
|durch Füetrers Umarbeitung in Titurelstrophen erhalten sind, ist ein stilistischer Vergleich mit dem gut überlieferten „Jüngeren Titurel“ und eine einhellige Entscheidung über die Verfasseridentität kaum möglich.
Mit Sicherheit werden Albrecht „Merlin" und „Seifrid de Ardemont" zugeschrieben. Albrechts „Merlin" ist freie Bearbeitung von Robert von Borons „Merlin" und der „Estoire del Saint Graal“ und erzählt die Vorgeschichte der Artusrunde und des Grals. „Seifrid de Ardemont“ knüpft an die Gestalt des hürnen Seifrit eine gehäufte Anzahl von Abenteuern, deren Kern die Feenliebe
bzw. die durch Übertretung eines Verbotes gestörte Mahrtenehe ist. An die Siegfriedsage erinnert nur noch das Motiv der vom Feuer umloderten Jungfrau, die vom Helden erlöst wird. Beide Epen verbinden Artus- und Parzivalbereich mit zahlreichen Märchenmotiven zu verwickelten Kompositionen. Diese in der Nachfolge Wolframs stehenden Dichtungen kennzeichnen sich durch ihren Kompilationscharakter als Epigonenwerke, wie sie dem Geschmack des ausgehenden Mittelalters entsprachen, und sind deshalb bereits im Pleier und im Persiwein wiederverwertet. Vielleicht stammen von Albrecht auch die ebenfalls von Füetrer in Titurelstrophen wiedergegebenen Artusromane „Poitislier" und „Flordimar". Während „Flordimar“ bei den für Artusromane üblichen Abenteuerhäufungen bleibt, ist „Poitislier“ zugleich ein Erlösungsmärchen, das etwas unorganisch mit dem Motiv der gestörten Mahrtenehe verbunden wurde.
Werke ↑
Merlin u. Seifrid de Ardemont
v. A. v. Scharfenberg in d.
Bearb. U. Füetrers,
hrsg. v. F. Panzer, 1902;
A. v. Scharfenberg, Der Jüngere Titurel,
ausgew. u.
hrsg. v. W. Wolf, Bern 1953, = Althochdt. Übungstexte 16; Poitislier u. Flordimar
sind noch ungedr., eine Ausg. d. Poitislier wird v. Friederike Weber vorbereitet.
Literatur ↑
ADB XXX
(unter Scharfenberg); R. Spiller,
A. v. Scharfenberg u. d. Dichter d. Jüngeren Titurel, in:
ZDA 27, 1883, S. 158 bis 179;
Goedeke I, 1884, S. 213 f.; P. Hamburger, Der Dichter d. Jüngeren Titurel, in:
ZDP 21, 1889, S. 404-19; F. Probst, Die
Qu. d. Poitislier u. Flordimar in U. Füetrers Buch d. Abenteuer,
Diss. Heidelberg 1921, Auszug in:
Jb. d.
phil. Fak. Heidelberg, 1921/22, T. 1, S. 53-57; H. Samson,
Btrr. z. dt. Märchen im ausgehenden
MA,
Diss. Köln 1931;
Ehrismann II/2/2, 1935, S. 74 f.; J. van Dam, in:
Vf.-Lex. d. MA I, 1933,
Sp. 52-57; H. Rosenfeld, ebenda,
Bd. 4
(in Vorbereitung).
Autor ↑
Hellmut RosenfeldEmpfohlene Zitierweise ↑
Rosenfeld, Hellmut, „Albrecht von Scharfenberg“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
178 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11850164X.html
Albrecht von Scharfenberg
Name: Albrecht von Scharfenberg
Namensvariante: Scharfenberg, Albrecht von
Lebensdaten: gestorben um 1280
Beruf/Lebensstellung: bayerischer Epiker
Konfession: katholisch
Autor NDB:
Rosenfeld, HellmutPND: 11850164X