<< Berendt, Carl Hermann
Berenhorst, Georg Heinrich von >>
Berenger, Joseph Maria Adolf von
Forstmann,
* 28.2.1815 Ebenau bei München,
† 3.3.1895 Rom. (katholisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Johann August, bayerischer Offizier, Besitzer des Gutes Ebenau,
S des Laurent de Bérenger (seit 1776), Advokat beim Parlament von Paris, seit 1759 Diplomat, 1785-92 französischer Gesandter am Reichstag in Regensburg;
M Johann Eugenia von Fabris.
Leben ↑
Nach Abschluß gründlicher philosophischer, juristischer, naturwissenschaftlicher und forstlicher Studien in München und Mariabrunn übernahm Berenger 1836 die Direktion der Forsten des Herzogtums Parma, trat aber bereits nach zwei Jahren in venetianische Dienste, wo er in den verschiedensten Stellungen des praktischen Forstdienstes
u. a. in Montello und Cansiglio einen energischen, ja verzweifelten Kampf gegen die Ausplünderung des Waldes durch die Bevölkerung führte, von seiner Behörde oft in entscheidender Lage im Stich gelassen. Der neue italienische Staat berief ihn indessen 1867 als Generalforstinspektor ins Landwirtschaftsministerium nach Florenz. 1869 wurde auf seine Initiative in Vallombrosa das heute noch blühende Forstinstitut gegründet, das er bis zu seiner Pensionierung leitete. Diese erfolgte vorzeitig 1878 wegen seines Widerstandes gegen das Forstgesetz von 1877. Selbst seine völlige Erblindung konnte ihn auch jetzt nicht vom wissenschaftlichen Schaffen abhalten,
z. B. von der Abfassung seiner über 800 Seiten umfassenden „Selvicoltura“, die aber außer Waldbau auch Physiologie und Pathologie der Holzarten, Holztechnologie, Forsteinrichtung und -schätzung behandelt. Berenger wendete bereits in den 1860er Jahren eine Art Linientaxation an, wie sie in den nordischen Ländern im 20. Jahrhundert üblich geworden ist. Als Waffe in seinem Kampf gegen den Mißbrauch der Forstrechte schuf er auf Grund umfassender Kenntnis des römischen Rechts und tiefschürfender Studien seine „Archeologia forestale“, ein Geschichtswerk von noch keineswegs ausgeschöpfter europäischer Bedeutung.
Berenger ist vielleicht der gebildetste Forstmann, der je gelebt hat, er war im deutschen und
|französichen Forstschrifttum ebenso zu Hause, wie in der Antike, war ein Denker auf dem Gebiet der Philosophie und theoretischen Physik, durch seine Arbeit wurden verschiedene Zweige der Botanik gefördert; von seinen fachlichen Leistungen seien unter vielen andern noch genannt Neuerungen auf dem Gebiet des Holztransports und des Waldbaus (Ersatz der Buche durch die Tanne in Cansiglio).
Werke ↑
u. a. Archeologia forestale, ossia dell'antica storica e giurisprudenza forestale in Italia, 1859–1863,
Gen. index 1867
(Aufl. nur 200); Saggio storico della legislazione forestale veneta dal secolo VII al XIX, Venedig 1862; Eine neue Waldtaxationsmethode, in: Tharandter Forstl.
Jb., 1875, S. 219 ff.; Trattato di Selvicoltura,
hrsg. v. Marghieri, Neapel 1887.
Literatur ↑
Allg. Forst- u.
Jagdztg., 1863, S. 217, u. 1869, S. 36;
V. Perona, in:
Forstwiss. Zbl., 1898;
P. Rizzi, in: L'Alpe, 1915
(W).Autor ↑
Richard B. HilfEmpfohlene Zitierweise ↑
Hilf, Richard B., „Berenger, Joseph Maria Adolf von“,
in: Neue Deutsche Biographie
2
(1955), S.
70 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd135543991.html
Berenger, Adolf von
Name: Berenger, Adolf von
Namensvariante: Berenger, Joseph Maria Adolf von
Lebensdaten: 1815 bis 1895
Geburtsort: Ebenau bei München
Sterbeort: Rom
Beruf/Lebensstellung: Forstmann
Konfession: katholisch
Autor NDB:
Hilf, Richard B.PND: 135543991