<< Meister Albrecht
Albrecht von Johansdorf >>
Albrecht von Halberstadt
niedersächsischer Kleriker,
* ca. 1180 Halberstadt,
† nach 1251 Jechaburg bei Sondershausen.
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| Literatur
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| Zitierweise
Leben ↑
Albrecht ist 1217, 1231 und 1251 als
scholasticus der Propstei Jechaburg beurkundet und hatte als solcher Schule, Archiv und Musik zu betreuen. Jechaburg unterstand unmittelbar dem Erzbischof von Mainz, jedoch regierte 1195-1210 ein Propst, der gleichzeitig
prepositus von Halberstadt war. Er wird, da 1206 noch ein anderer scholasticus war, Albrecht etwa 1207 aus Halberstadt hierher berufen haben. Albrecht begann seine Reimübersetzung der Metamorphosen des Ovid nach eigener Aussage 1210. Da aber Jechaburg erst 1213 zu Thüringen kam, wird er erst jetzt die Gönnerschaft des Landgrafen Hermann (
† 1217), dem er das Werk widmet,
|gewonnen haben. Das somit 1210-17 verfaßte Werk ist die erste ohne französisches Zwischenglied gemachte Übersetzung aus der klassischen Antike, wobei der Niedersachse sich bemühte, in der mitteldeutschen Literatursprache zu dichten. Von dem Originaltext sind leider nur 432 Verse erhalten, alles andere haben wir nur in Jörg Wickrams 1545 veröffentlichter Überarbeitung, also in der grobianischen elsässischer Sprache des 16. Jahrhunderts. Albrecht hält sich
z. T. ziemlich eng an seine lateinsische Vorlage, nimmt aber auf sein Publikum Rücksicht und läßt deshalb fremdartige Sitten, Trachten, Gegenstände und Namen weg oder ersetzt sie durch heimische. So hat er die antiken Mythengestalten, Satyren, Faune, Najaden, Nymphen und Giganten durch
waltmennel, getwerge, elbinnen, veien, waltfrouwen, wazzerfrouwen und
riesen ersetzt, wie er denn überhaupt den deutschen Wald zur Geltung bringt. Die geistreiche, gleißende Form des Römers wird durch interpretierendes, stoffrohes Fabulieren ersetzt, aber als erste und unmittelbare Übersetzung aus dem Lateinischen und als Gesamtleistung nötigt das Werk mit seinen 21 722 Versen Achtung ab. Aber es bleibt ein Werk der Schulpoesie, aufschlußreich für die mittelalterliche Klassikerlektüre. Die Wirkung auf ritterliche Kreise und der literarische Erfolg blieb ihm versagt, nicht zuletzt weil ihm ein zentraler Held, eine durchgehende Handlung und der eigentlich ritterliche Geist mangelten.
Werke ↑
K. Bartsch,
A. v. H. u. Ovid im
MA, 1861
(Rekonstruktion d. Textes nach Wickram); J. Wickram, Werke,
hrsg. v. J. Bolte, VII/VIII, 1905/6.
Literatur ↑
ADB X
(unter Halberstadt);
Goedeke I, 1884, S. 87, II, 1886, S. 462;
O. Runge, Die Metamorphosenverdeutschung
A.s
v. H., 1908;
G. Baesecke, Herbort
v. Fritzlar,
A. v. H. u. Heinrich
v. Veldeke, in:
ZDA 50, 1908, S. 366 bis 382;
K. Ludwig,
Unterss. z. Chronol. A.s
v. H., 1915;
K. Helm,
H. v. Morungen u
A. v. H., in:
Btrr. z. Gesch. d.
dt. Sprache 50, 1926, S. 143 bis 145;
Ehrismann II, 2, 1, 1937, S. 106-12;
D. Kralik, Der Prolog
z. Ovidverdeutschung
A.s
v. H., in:
Festschr. f. M.
H. Jellinek, 1928, S. 22-50;
L. Denecke, Ritterdichter u. Heidengötter, 1930, S. 137 bis 142;
E. Schröder,
A. v. H., in:
ZDA 71, 1934, S. 226;
J. Schwietering, Die
dt. Dichtung d.
MA, 1941, S. 144 f.;
H. Schneider, Heldendichtung, Geistlichendichtung, Ritterdichtung, 1943, S. 270 f.;
F. Norman, in:
Vf.-Lex. d. MA, II, 1936,
Sp. 152-56.
Autor ↑
Hellmut RosenfeldEmpfohlene Zitierweise ↑
Rosenfeld, Hellmut, „Albrecht von Halberstadt“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
177 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118501623.html
<< Halbax, Michael Wenzel
Halberstadt, Hänseken von >>
Halberstadt, Albrecht von
Leben
| Autor
| Literatur
| Zitierweise
Leben ↑
Halberstadt: Albrecht v. H., Dichter, Scholasticus an der Probstei Jechaburg (bei Sondershausen) in der Mainzer Diöcese, in Urkunden von 1217 und 1218 als Zeuge vorkommend. Er versuchte wahrscheinlich auf Anregung des Landgrafen Hermann von Thüringen eine im J. 1210 begonnene Uebersetzung der Metamorphosen Ovid's in der Form der kurzen Reimpaare Dieses Werk, nicht in der Verfassers Mundart, der niedersächsischen, sondern in der Sprache Mitteldeutschlands, insbesondere Thüringens, geschrieben und darum auch in grammatischer Hinsicht beachtenswerth, kam trotz seines im Ganzen höfischen Stiles als eine unmittelbare Nachdichtung des antiken Vorbildes dem Modegeschmack der Zeit nur wenig entgegen und fand darum keinen Beifall. Nur Bruchstücke einer Oldenburger Handschrift, von Leverkus und Lübben (Haupt's Zeitschr. 11, 358, u. Pfeiffer's Germania 10, 238) veröffentlicht, sind auf uns gekommen, dagegen besitzen wir es vollständig in einer modernisirenden und vielfach entstellenden Umdichtung Georg Wickram's von Kolmar, welche zuerst in Mainz 1545 erschien, dann noch fünf Mal aufgelegt wurde. Nur den Prolog Albrecht's theilte Wickram zur Probe nach der handschriftlichen Ueberlieferung mit. Nach Haupt's kritischer Herstellung des Prologs und nach den Bemühungen Jacob Grimm's, eine Reihe einzelner Stellen aus Wickram's Umschrift auf die ursprüngliche Form zurückzuführen, versuchte Karl Bartsch, gestützt auf das erste von Leverkus veröffentlichte Bruchstück, eine vollständige Ausgabe des Gedichts in seinem Werke: "Albrecht von Halberstadt und Ovid im Mittelalter", Quedlinb. u. Leipzig 1861.
Literatur ↑
Vgl. außerdem Haupt's Zeitschr. 3, 289; 8, 10. 397. 464. 549.
Autor ↑
Bechstein.Empfohlene Zitierweise ↑
Bechstein, Reinhold, „Halberstadt, Albrecht von“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
10
(1879), S.
400 unter Halberstadt
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118501623.html?anchor=adb
Albrecht von Halberstadt
Name: Albrecht von Halberstadt
Namensvariante: Albrecht
Namensvariante: Halberstadt, Albrecht von
Lebensdaten: um 1180 bis nach 1251
Geburtsort: Halberstadt
Sterbeort: Jechaburg bei Sondershausen
Beruf/Lebensstellung: niedersächsischer Kleriker; Dichter; Scholastiker
Konfession: katholisch
Autor NDB:
Rosenfeld, HellmutAutor ADB:
Bechstein, ReinholdPND: 118501623